Führungskrise bei Just Eat Takeaway: Lieferando-Gründer Jörg Gerbig nicht mehr im Vorstand

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Eigentlich sollte Lieferando-Mitgründer Jörg Gerbig in dieser Woche erneut in den Vorstand von Just Eat Takeaway.com gewählt werden, doch überraschend wurde der Tagesordnungspunkt von der Agenda gestrichen. Gegen Gerbig laufen derzeit Ermittlungen wegen persönlichem „Fehlverhalten bei einer Unternehmensveranstaltung“. Gerbig bleibt COO.

„Der Aufsichtsrat wurde kürzlich über eine formelle Beschwerde gegen Jörg Gerbig informiert, die sich auf ein mögliches persönliches Fehlverhalten bei einer Unternehmensveranstaltung bezieht. Das Unternehmen hat eine Untersuchung der Vorwürfe in Übereinstimmung mit der Speak Up Policy des Unternehmens eingeleitet und wird einen externen Experten mit der Durchführung der Untersuchung beauftragen“, heißt es in einer Stellungnahme des niederländischen Unternehmens, das den Berliner Essenslieferdienst Lieferando bereits 2014 für 63 Millionen gekauft hatte. Seit dem war Jörg Gerbig Vorstandsmitglied und COO von Just Eat Takeaway.com.

Der Lieferdienst betont, dass „die Beschwerden nicht in Zusammenhang mit Finanz- oder Berichtspflichten“ stünden. Formal ist damit die Amtszeit von Gerbig im Vorstand beebdet, doch das Unternehmen erklärte, dass sich der Berliner zur Wiederwahl stellen könne, wenn sich die Anschuldigungen als unbegründet erwiesen. Seinen operativen Posten als COO behält er weiterhin.

Auch Aufsichtsratschef Adriaan Nühn stand in dieser Woche nicht mehr zur Wahl. Nühn habe damit dem Druck durch Investoren nach gegeben, schreibt die FAZ. Cat Rock Capital hatte demnach die Aktionäre dazu aufgerufen, gegen den Aufsichtsrat zu stimmen, da „ein kompletter Vertrauensverlust“ in die Unternehmensführung vorliege. Andere Investoren schlossen sich dem Aufruf an.

Just Eat Takeaway.com steht unter Druck, das Wachstum auch nach dem Corona-Boom voranzutreiben, dabei in die schwarzen Zahlen zu kommen und eine gute Lösung für die erst 2021 für 7,3 Milliarden Dollar gekaufte US-Tochter Grubhub zu finden. Die neue Unruhe durch die Personalabgänge kam am Aktienmarkt nicht gut an. 


 

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