Schlanke Weine, viel Aroma: Der Weinjahrgang 2021 in den deutschen Anbaugebieten

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Der „Wonnemonat“ der Winzer war im Weinjahr 2021 nicht der Mai, sondern der September. Der sorgte mit viel Sonne und kühlen Nächten vielerorts für das versöhnliche Ende einer Saison, die sich deutlich von den drei Vorjahren abhob und viele an die Zeit vor dem Klimawandel erinnerte. Hatten von 2018 bis 2020 Hitze und Trockenheit den Jahrgang geprägt und für eine frühe Lese gesorgt, so bremste nun Kühle das Wachstum, und häufiger Regen forderte viele Winzer außerordentlich, um den Falschen Mehltau im Griff zu behalten. Der September machte dann vieles wieder gut: Er förderte die Reife und sorgte für ansprechende Mostgewichte. So konnten Trauben gelesen werden, deren Qualität die Erzeuger zufriedenstellt und gute Weine verspricht – mit weniger Alkohol als in den Vorjahren, aber nicht weniger Aroma.

Die Erntemenge rangiert nach der letzten Schätzung bundesweit mit 8.733.000 Hektoliter um drei Prozent über dem Vorjahreswert und nur leicht unter dem zehnjährigen Mittel. Allerdings gab es in den einzelnen Weinregionen große Unterschiede. Das Deutsche Weininstitut (DWI) hat sich in den 13 deutschen Weinbaugebieten umgehört, wie sich dort der Weinjahrgang 2021 entwickelt hat.

Ahr - 563 Hektar

Nach der verheerenden Ahr-Flut in der Nacht zum 15. Juli stand für die Winzer eines fest: Sie mussten den neuen Jahrgang, der unversehrt an Hängen und auf Terrassen in „Deutschlands Rotweinparadies“ reifte, unbedingt sichern, denn: „Die Liquidität der Betriebe war in den Weinbergen und nicht mehr in den Weingütern“, sagt Dr. Knut Schubert, Geschäftsführer des Weinbauverbands Ahr. Die Lese, bei der viele Freiwillige halfen, fiel unterschiedlich aus: Wer bis zur Flut die immensen Laubarbeiten ordentlich erledigt hatte, habe „noch ein relativ gutes Ergebnis“ knapp unter Vorjahresniveau erreicht, so Schubert über die Selbstvermarkter. Andere hatten Ausfälle bis 50 Prozent.

Denn auch an der Ahr sorgten Pilzkrankheiten für Einbußen. Gutes September-Wetter wirkte sich positiv auf die Qualität des Jahrgangs aus, der schätzungsweise auf 35 000 Hektoliter (2020: 39 000) kommt, auch weil auf 60 Hektar Fläche wegen der Flut nicht gelesen werden konnte. Von der Witterung profitiert hat Schubert zufolge der Spätburgunder, der 85 Prozent des Hauptanbaus ausmacht. Die Erzeuger, die mit Hochdruck ihre Keller hergerichtet hatten, zeigten sich von der Qualität angetan. „Die Winzer hier erwarten einen fruchtigen, kräftigen Wein. Er wird auch einen ansprechenden Säuregehalt und weniger Alkohol haben, das war in den drei Vorjahren immer ein Problem“, sagt er. Man erwarte „wirklich einen besonderen Jahrgang, auch vom Genuss her“. 

Baden - 15 812 Hektar

Baden gilt trotz seiner Heterogenität als wärmstes deutsches Anbaugebiet, aber um Ostern herum war davon in den südlichen Teilen Markgräflerland, Kaiserstuhl, Tuniberg sowie im Breisgau und in der Ortenau wenig zu spüren: Spätfröste und eisiger Wind verursachte an nassen Knospen stellenweise Schäden bis zu 80 Prozent. Danach förderte häufiger Regen, der im Markgräflerland örtlich auch mit Hagel fiel, vielerorts das Pilzwachstum. Nach viel Arbeit konnten sich die Winzer aber über einen schönen Spätsommer mit kühlen Nächten freuen, die den Weißweinaromen zugutekamen.

Die Gesamtmenge des Mosts lag mit schätzungsweise 977 000 Hektolitern um elf Prozent unter dem Vorjahreswert und um 20 Prozent unter dem zehnjährigen Mittel. „Es war wirklich ein sehr aufreibendes Jahr für die Winzer, aber mit gutem Ergebnis, wenn man sich die Qualitäten anschaut, insbesondere da, wo auch selektioniert wurde“, sagt der Vize-Geschäftsführer des Badischen Weinbauverbandes, Holger Klein. Er fühlt sich wie andere auch an einen Jahrgang vor dem Klimawandel erinnert. Profitiert hätten die Weißweine. „Es werden uns frisch-fruchtige und eher leichte Weißweine erwarten“, die moderater im Alkohol seien und „tendenziell eine etwas frischere Säure als zuletzt“ hätten. Bei den Rotweinen falle die Menge noch geringer aus, was auch der strengen Selektion geschuldet ist. Zwar könne man den Markt bedienen, „aber eben eher aus den sehr guten Vorjahren“, sagt Klein.

Franken - 6163 Hektar

„Ein Jahrgang, der in der Vegetationsperiode enorm viele Kraftanstrengungen erforderte, mit einem versöhnlichen Herbst und einem idealen September“ - so beschreibt Weinexperte Hermann Mengler die Saison in Franken. Nach einem kühlen und feuchten Mai starteten die Reben im Juni durch und legten eine regelrechte „Aufholjagd“ hin, auch beim Blattwachstum. Häufiger Regen förderte den Falschen Mehltau und machte viel Arbeit. Ein schöner und trockener September versöhnte jedoch die Winzer, die zu 80 Prozent Weißwein anbauen. Alle Rebsorten seien gut reif geworden, und man habe anders als in den heißen Vorjahren eine schöne, langgezogene Lese gehabt, sagt Beate Leopold vom Weinbauring Franken.

Schätzungsweise kamen 480 000 Hektoliter Weinmost zusammen – 79 Prozent mehr als im frostgebeutelten Vorjahr und zwölf Prozent mehr als im zehnjährigen Mittel. Das Mostgewicht lag im Schnitt bei 84 Grad Oechsle – damit könne man in einem solchen Jahr zufrieden sein, so Leopold. Und weil die Lese in die kühlere Zeit gerutscht sei, seien die Aromen sehr schön ausgeprägt, auch die Säure sei etwas kräftiger. Es sei ein Jahr für Sektgrundwein, Roséweine und Weißweine - mit weniger Alkohol, aber mehr Geschmack, sagt Mengler, Leiter der Fachberatung Kellerwirtschaft und Kellertechnik beim Bezirk Unterfranken. Nach seinen Angaben spekulieren viele Betriebe auch auf Eiswein.

Hessische Bergstraße - 463 Hektar

„Ende gut, alles gut“, könnte das Motto dieses Weinjahres an der Hessischen Bergstraße lauten. Im kleinsten deutschen Anbaugebiet rund um Bensheim bremste kühles und wechselhaftes Wetter im Frühjahr den Austrieb, zum Blütebeginn Mitte Juni lagen die Pflanzen im Vorjahresvergleich um 16 bis 20 Tage zurück. Üppige Regenmengen bis zum August ließen den Falschen Mehltau gedeihen und „die Sorgen um den Gesundheitszustand der Trauben“ wachsen, so der Vorsitzende des Weinbauverbandes Hessische Bergstraße, Otto Guthier.

Der trockene September brachte die Wende für Riesling, Grauburgunder und Co.: Die Reife schritt voran, und bei der Hauptlese im Oktober hatten es die Winzer mit „sehr ansprechenden Mostgewichten“ zu tun, der Schnitt lag bei 83 Grad Oechsle. Die geschätzte Mosternte rangierte mit 32 000 Hektolitern um acht Prozent unter dem sehr guten Vorjahreswert, aber noch um fünf Prozent über dem zehnjährigen Schnitt. Insgesamt seien „Qualität und Quantität sehr erfreulich“, so Guthier. „Die ersten Weißweine probieren sich aromatisch und betont fruchtig mit einem lebendigen Frucht-Säurespiel.“ Hinzu komme ein moderater Alkoholgehalt. Angesichts der Wetterkapriolen könnten die Winzer mit dem 2021er „absolut zufrieden“ sein.

Mittelrhein - 465 Hektar

Am Mittelrhein mit seinen Steillagen können sich viele Winzer in diesem Jahr über deutliche Erntezuwächse freuen. Obwohl auch hier ein kühles Frühjahr das Rebenwachstum bremste und Pilzkrankheiten gediehen, landeten in der vom Riesling geprägten Region schätzungsweise 36 000 Hektoliter in den Kellern - 35 Prozent mehr als 2020 und 30 Prozent mehr als im Zehnjahres-Schnitt – wobei die Ertragslage von Betrieb zu Betrieb sehr unterschiedlich ausfiel. Vom prozentualen Zuwachs insgesamt liegt das Anbaugebiet bundesweit an zweiter Stelle hinter Franken.

Neben der intensiven Arbeit der Winzer hat zum Plus am Mittelrhein der September beigetragen, der bis zu 45 Prozent Sonnenstunden mehr bescherte als im Mittel. „Wenn wir ehrlich sind, haben September und Oktober auch von den Witterungsbedingungen her die Ernte gerettet“, sagt Gerd Knebel, Geschäftsführer des Weinbauverbands Mittelrhein. Der Riesling, der gut mit den kühlen Reifebedingungen zurechtgekommen sei, brachte Mostgewichte zwischen 80 und 90 Grad Oechsle. Es deuteten sich elegante, aromatische Weißweine mit präsenter Säurestruktur an, „sehr gute“ und „spritzig frische, fruchtige Weine“ mit eher moderaten Alkoholwerten, „eigentlich wie es der Markt verlangt“, so Knebel. Die meisten Winzer seien mit Ertrag und Qualität sehr zufrieden.

Mosel - 8689 Hektar

Die nach Süden ausgerichteten Spitzenlagen an der Mosel konnten in diesem Jahr an alte Erfolge anknüpfen. Während es für sie in den vergangenen Jahren oft zu heiß und zu trocken war, waren sie im deutlich kühleren und nasseren Weinjahr 2021 nach Angaben von Moselwein e.V. „wieder besonders begünstigt“. Das spiegelte sich in den Mostgewichten wider. Der Riesling, die dominierende Rebsorte, kam in guten Lagen auf 95 Grad Oechsle, das Gros der Ernte lag zwischen 70 und 90 Grad. In der von Steillagen geprägten Region mit einem Weißweinanteil von 90 Prozent bewerten die meisten Winzer die Aromatik der Trauben sehr positiv und rechnen überwiegend mit fruchtigen und spritzigen Weinen.

„Insgesamt wird ein feiner, klarer, moseltypischer Jahrgang erwartet mit viel Mineralität“, so MoselweinVorsitzender Henning Seibert. Die Alkoholgehalte sind auch hier etwas geringer. Sehr unterschiedlich fällt der Leseerfolg aus. Während manche eine sehr gute Ernte einfuhren, standen andere wegen der Pilzkrankheiten vor einem Totalausfall. Unterschiede gab es auch bei den Sorten: Bei Riesling, Spätburgunder und Dornfelder wurde weniger geerntet, Elbling, Auxerrois und Weißburgunder ergaben gute Mengen. Dank Edelfäule bestand vereinzelt auch die Chance auf Beerenauslesen. Das Gesamtergebnis wird auf 781 000 Hektoliter geschätzt – sechs Prozent weniger als im Vorjahr, aber fünf Prozent über dem zehnjährigen Mittel. 

Nahe - 4230 Hektar

Auch wenn es in diesem Weinjahr vielerorts oft geregnet hat: An der Nahe war es stellenweise nicht genug, zumindest im Oktober. Der ein oder andere Winzer habe in diesem Monat wieder Wasser in seine Rebanlagen gefahren, weil dort erneut Trockenheit geherrscht habe, berichtet der Geschäftsführer des Weinbauverbands Nahe, Harald Sperling. Nach den trockenen Jahren 2018 bis 2020 sei der Wasservorrat eben ausgedünnt. Lange hatte das in diesem Jahr anders ausgesehen: Kühle und Regen machten den Jahrgang laut Sperling zu einem „Spätzünder“, und die Winzer hatten auch hier mit Pilzdruck zu kämpfen.

Laut Verband gab es „Betriebe mit Mehltau bedingtem Totalausfall und solche mit nahezu keinem Befall sowie alle Stufen dazwischen“. Ein warmer und trockener September förderte die Reife, bremste die Fäulnis und begünstigte die Lese. Die geschätzte Erntemenge lag schließlich mit etwa 288 000 Hektolitern um zehn Prozent unter der Vorjahresmenge und dem zehnjährigen Schnitt. Und was darf man erwarten? „Beim Weißwein stechen gute, fruchtige Weine mit markanter, aber trotzdem gut gepufferter Säure hervor“, so Sperling. Zudem seinen die Mostgewichte gut und die Weine nicht zu alkoholisch. „Das sind Weine zum Genießen“, lautet seine Bilanz.

Pfalz - 23 721 Hektar

In der Pfalz, dem zweitgrößten deutschen Weinbaugebiet, ist die Ernte in diesem Jahr ebenfalls sehr unterschiedlich ausgefallen. „Bezüglich der Ertragsmenge war der Begriff des „neidischen Herbstes“ selten so zutreffend wie im Jahr 2021“, sagt der Weinbauexperte Jürgen Oberhofer vom Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum Rheinpfalz. Guten bis sehr guten Erträgen stünden vereinzelt Totalausfälle wegen Falschen Mehltaus gegenüber. Im Juni hatte sich wegen Hitze und Regens die Arbeit im Weinberg potenziert. „Wem es nicht gelang, hier systematisch vorzugehen, musste teils starke Ertragsausfälle in Kauf nehmen“, sagt der pfälzische Weinbaupräsident Reinhold Hörner. Ab August normalisierte sich das Wetter, und es gab einen „sehr positiven Ernteverlauf“.

Die geschätzte Mostmenge beträgt 2 230 000 Hektoliter, drei Prozent weniger als 2020 und ein Prozent mehr als im zehnjährigen Schnitt. Man könne sich auf „tolle Weine“ freuen, so der 1. Pfalzwein-Vorsitzende Boris Kranz. Für ihn sind „häufig niedrige Alkoholwerte, eine gut eingebundene Säurestruktur und jetzt schon  prägnante Frucht-Primäraromen“ charakteristisch für den Jahrgang, der frische, lebendige, leichte Weine erwarten ließe. „Gewinner-Rebsorte des Jahrgangs“ ist laut Oberhofer der Riesling. Die pfälzische Hauptrebsorte habe in Deutschlands größtem Rieslinganbaugebiet am meisten profitiert - „vor allem wegen klimatischer Verhältnisse, wie wir sie noch vor dem Klimawandel hatten“.

Rheingau - 3200 Hektar

Schwierig, aber letztlich weniger schwierig als befürchtet - so verlief das Weinjahr im Rheingau laut Andrea Engelmann, der Geschäftsführerin des regionalen Weinbauverbands. Ursache war auch hier der Falsche Mehltau, der bis September durchgehend für „Befallsdruck“ sorgte. „So extrem war er die letzten Jahre noch nie“, sagt Engelmann. Totalausfälle habe es vor allem beim Merlot gegeben, der aber nur auf etwa 0,5 Prozent zwischen Hochheim am Main und Lorch wächst. Die Weinerzeuger hatten außerdem das Problem, dass die Säurewerte der Beeren lange hoch waren, zugleich war wegen des Pilzes viel Blattwerk verlorengegangen, das an Säure-Abbau und Traubenreife beteiligt ist.

Die Wende brachte schließlich auch im Rheingau der sonnige September. Deshalb habe man nun gute Qualitäten im Keller und sei „alles in allem“ doch zufrieden mit dem Jahrgang. Der Riesling, der auf einen Anteil von 80 Prozent im Anbaugebiet kommt, profitierte von der im Vergleich zu den Vorjahren um drei bis vier Wochen später eingesetzten Lese. Die Weine hätten „ein feines Bukett“, so die Geschäftsführerin. Schätzungsweise 220 000 Hektoliter Most wurden geerntet - vier Prozent weniger als im Vorjahr und drei Prozent mehr als im Schnitt der vergangenen zehn Jahre. Ein paar Winzer hätten auch edelsüße Spezialitäten geerntet, und manche ließen Trauben für Eiswein hängen, berichtet Engelmann.

Rheinhessen - 26 943 Hektar

Dass die rheinhessischen Reben in diesem Jahr später austrieben als sonst, sehen die Winzerinnen und Winzer im Nachhinein als Glücksfall an, denn so blieben die Triebe im größten deutschen Anbaugebiet von den Nachtfrösten im April verschont. „Diese Temperaturen hätten in den drei Jahren zuvor zu erheblichen Ausfällen geführt, weil da die Reben im April schon alle ausgetrieben waren“, sagt Andreas Köhr vom Bauern- und Winzerverband Rheinland-Pfalz Süd. Auch sonst hob sich das Weinbaujahr von den drei heißen und trockenen Vorjahren ab, zum Beispiel wegen des von der Nässe verursachten Pilzdrucks, der trotz Bekämpfung in einigen Ortschaften und Parzellen „deutliche Schäden“ anrichtete.

Insgesamt sei Rheinhessen gut weggekommen, so Köhr. Auch der im Vergleich zu den Vorjahren späte Lesestart Mitte September war eine glückliche Fügung, denn schöne Septembertage trugen entscheidend dazu bei, dass man „einen sehr ansprechenden Jahrgang“ ernten konnte. Das Reifen im Kühlen bringe fruchtige Weine hervor, die auch mit moderatem Alkoholgehalt ein großes Aromenspektrum böten, so Köhr. Hinzu komme eine frische Säure, „eines der Merkmale der deutschen Weißweine, und das kommt in diesem Jahr wesentlich besser heraus als in den drei Jahren davor“. Etwa 2 590 000 Hektoliter Most konnten eingebracht werden, ein Prozent mehr als 2020 und vier Prozent mehr als im zehnJahres-Schnitt.

Saale-Unstrut - 819 Hektar

Während sich hierzulande viele Weinbaugebiete in diesem Jahr mit der Lese Zeit lassen konnten, war an Saale und Unstrut Eile angesagt. Nach üppigen Regenfällen im August waren Trauben teilweise aufgeplatzt. Um gesundes Lesegut einzufahren, habe man die Lese deshalb um sieben bis zehn Tage vorgezogen, berichtet der Weinbaupräsident der nördlichsten deutschen Anbauregion, Hans Albrecht Zieger.

„Wir hätten gerne noch eine Woche gewartet, doch dann hätten wir riskiert, dass die Menge stärker einbricht.“ Die litt ohnehin, weil im Februar Frost bis minus 27 Grad vor allem um Freyburg herum erhebliche Schäden an Rebstöcken verursachte. Wo der Frost nicht zuschlug, gab es relativ gute Erträge, auch weil der Regen im August das Traubengewicht ansteigen ließ. Schätzungen zufolge fielen 38 000 Hektoliter Weinmost an, 27 Prozent mehr als im von Frost gebeutelten Vorjahr, aber 15 Prozent weniger als im zehnjährigen Schnitt. Qualitativ bewegt sich der Jahrgang überwiegend im Qualitätsweinbereich, die späteren Sorten, wie etwa Burgunder und Riesling liegen auch auf Prädikatsweinniveau. „Spitzengewächse ließ der Jahrgang ebenfalls zu“, so Zieger. Die Weine hätten eine schöne Fruchtausprägung, seien sehr sortentypisch und spiegelten die Leitaromen sehr gut wider. „Es sind feine, filigrane, schlanke Weine mit einer schönen Frische, die von einer animierenden Säure unterstützt wird“, sagt er mit Blick auf Weißwein und Rosé. 

Sachsen - 496 Hektar

„Ich denke, wir sind noch mit einem blauen Auge davongekommen“, bilanziert der stellvertretende Vorsitzende des Weinbauverbandes Sachsen, Felix Hößelbarth, den
Weinjahrgang. Auch im östlichsten deutschen Anbaugebiet trieben bei feuchter Witterung der Falsche und der Echte Mehltau ihr Unwesen, später kamen noch Probleme mit Traubenfäulnis hinzu. Zwischendurch habe man sogar Angst gehabt, die ganze Ernte an die Pilze zu verlieren, so Hößelbarth.

Die pilzwiderstandsfähigen Rebsorten – etwa Cabernet Blanc, Souvignier Gris, Johanniter und Solaris - seien die einzigen gewesen, die normale bis gute Ergebnisse geliefert hätten. Sie hatten einen kleinen Anteil daran, dass die Weinmosternte im Elbtal mit schätzungsweise 22 000 Hektolitern schließlich doch noch um fünf Prozent besser ausfiel als im frostgeplagten Vorjahr. Das zehnjährige Mittel wurde nur um zwei Prozent verfehlt. Die Keller seien trotz der widrigen Witterungsverhältnisse relativ voll geworden, sagt Hößelbarth, der das Jahr „unter dem Strich als gut“ bewertet. Die Weinfreunde könnten sich auf gute Qualitätsweine freuen. „Wir haben wieder schöne Aromatiken, es sind frischere Weine, die in den Kellern reifen, nicht ganz so opulent, dafür eleganter“ - anders als in den drei heißen und trockenen Vorjahren. 

Württemberg - 11 424 Hektar

In Württemberg habe die insgesamt feuchte und kühle Witterung des Jahres eine spätere Lese ermöglicht, was insbesondere der geernteten Weißweinmenge zugutegekommen sei, sagt der Geschäftsführer des Weinbauverbandes Württemberg, Dr. Hermann Morast. Der Weißmostertrag legte im Vergleich zum Vorjahr mit 44 Prozent doppelt so stark zu, wie die  eingebrachte Menge an rotem Traubenmost. Die gesamte Erntemenge wuchs im Vergleich zu dem von Trockenheit gezeichneten Vorjahr schätzungsweise um 34 Prozent auf 1 000 000 Hektoliter.

Bei den Weißweinen stimmte die Winzer vor allem die Qualität der Hauptsorte Riesling sehr zufrieden. Die Verbraucher könnten sich auf typische Rieslinge freuen, die anders als in den Vorjahren moderate Alkoholgehalte und eine frische Fruchtsäure hätten, so Morast. Insgesamt würden sehr fruchtige, trinkfreudige Weißweine mit spannenden AromaProfilen erwartet. 2021 sei aber auch ein Jahr des Rotweins gewesen, der auf etwa zwei Drittel der Anbaufläche wächst. Die Leitrebsorten Trollinger und Lemberger hätten ebenfalls weniger Alkohol und seien deshalb etwas schlanker, aber trotzdem komplex. Morasts Einschätzung nach erwartet man „eher filigranere, fruchtigere Rotweine mit einer dezenten Säurestruktur“. Wegen der trockenen Tage und kühlen Nächte in der Lese hätten die Rotweine zudem ein komplexes Aromaprofil.


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