Umfrage: Mehrheit der Hotels und Restaurants gegen Lockdown und für Impfpflicht

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Die Verschärfungen bei den Corona-Regeln treffen Hotels und Restaurants wieder besonders hart. Es hagelt Stornierungen bei Veranstaltungen und Übernachtungen.

„Die Betriebe klagen über ausbleibende Gäste, rasant sinkende Umsätze und die Ungewissheit, wie es weiter geht“, sagt Guido Zöllick, Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (DEHOGA Bundesverband). Laut einer aktuellen DEHOGA-Umfrage sind die Umsätze im November im Vergleich zum Vor-Corona-Jahr 2019 um 34 Prozent eingebrochen. Eine erneute Schließung aller Betriebe wäre laut Zöllick fatal.

„Unternehmer wie Mitarbeiter benötigen Planungssicherheit“, betont Zöllick mit Blick auf das Bund-Länder-Treffen am Donnerstag. Die Instrumente für sicheres Öffnen stünden zur Verfügung. Zudem müsse von der Bund-Länder-Runde Klarheit darüber erzielt werden, dass die durch die Corona-Maßnahmen entstandenen Schäden ausgeglichen werden. Von größter Bedeutung ist die Verlängerung der erhöhten Leistungszusagen beim Kurzarbeitergeld sowie die Fortgeltung der hundertprozentigen Erstattung der Sozialversicherungsbeiträge. Diese Regelungen dürften nicht zum 31. Dezember auslaufen. „Unsere Unternehmer und Mitarbeiter dürfen jetzt nicht im Stich gelassen werden.“

Bevor neue Verschärfungen diskutiert werden, sollten die vorhandenen Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung voll ausgeschöpft werden, betont Zöllick und verweist auf die 2G-Regelung, die fast 60 Prozent (58,2 Prozent) der Betriebe keine Probleme bereitet.

Anders sieht es aus bei 2G Plus. Der Zutritt für Geimpfte oder Genesene, die zusätzlich negativ getestet sind, ist nur für jeden dritten Unternehmer (34,8 Prozent) machbar. 54,6 Prozent der Betriebe lehnen die 2G-Plus-Regel ab. Die Antworten sind dabei stark abhängig vom Betriebstyp und von der Region.

„Cafés und Restaurants, die von spontanen Besuchen leben, beklagen und befürchten starke Umsatzrückgänge wegen ausbleibender Gäste und fehlender Testkapazitäten“, verdeutlicht Zöllick. „Für Cafés und viele Restaurants kommt die 2G-Plus-Regel deshalb einem Quasi-Lockdown gleich.“ Weniger problematisch gestaltet sich die Anwendung der 2G-Plus-Regel für Hotels, im Veranstaltungsbereich und für Discotheken, so das Ergebnis der Umfrage. 

Dehoga Rheinland-Pfalz kritisiert 2G plus für Restaurants

 Das Hotel- und Gastgewerbe in Rheinland-Pfalz hat die ab Samstag geltende Regelung kritisiert, dass Geimpfte und Genesene für einen Restaurantbesuch einen negativen Testnachweis brauchen. «Wir halten dieses zusätzliche Testerfordernis für völlig unverhältnismäßig und nicht notwendig», sagte der Präsident des Dehoga-Landesverbands, Gereon Haumann, am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur.

In den letzten 20 Monaten sei von Hotels und Restaurants kein signifikantes Infektionsgeschehen ausgegangen, sagte Haumann. Gleichwohl gebe es bisher schon mit 2G, also dem Zugang nur für Geimpfte und Genesene, einen «richtigen Schlossriegel». Dieser werde jetzt mit 2G plus, Maskenpflicht beim Bewegen im Raum und einem Mindestabstand der Tische von 1,50 Metern weiter verstärkt. «Das sind enorme Erschwernisse und Beschränkungen für Gäste.»

Der Verband empfahl den Betrieben, Testmöglichkeiten am Eingang von Restaurants und Hotels bereitzustellen. Die Kosten dafür müssten Bund und Land übernehmen, forderte Haumann. Das zusätzliche Testerfordernis wird eingeführt, weil die Infektionszahlen hoch sind und inzwischen klar ist, dass auch Geimpfte und Genesene das Virus übertragen können.

In den vergangenen sieben Tagen habe es in der Branche bereits «eine Stornowelle sondergleichen» gegeben, sagte Haumann. Firmen und Familien hätten ihre Weihnachtsfeiern abgesagt. Er rief dazu auf, nicht auf geplante Restaurantbesuche über Weihnachten und den Jahreswechsel zu verzichten. Die Betriebe seien sicher. Auch rief er die Landesregierung auf, die jetzt eingeführten Regeln mindestens bis zum 3. Januar beizubehalten, damit es Planungssicherheit gebe. Haumann zeigte sich besorgt, dass bei einem Lockdown für das Gastgewerbe weitere Mitarbeiter in den Online-Handel abwandern könnten, wo es zusätzlichen Personalbedarf gebe.

Gastgewerbe in Niedersachsen fürchtet Erschwernis mit 2G plus - Hotelier sieht Chance

Im niedersächsischen Gastgewerbe wächst angesichts der verschärften 2G-plus-Regelung, die von diesem Mittwoch an auch in der Gastronomie und bei Übernachtungen gilt, die Verunsicherung. «2G plus ist gegenüber 2G nochmal eine Erschwerung», sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) in Niedersachsen, Rainer Balke, der Deutschen Presse-Agentur. Es sei fraglich, ob geimpfte und genesene Gäste bereit seien, vor dem Besuch eines Restaurants oder Cafés einen Corona-Test zu machen. Auch sei nicht abzusehen, ob die Testkapazitäten, die gerade erst mühsam wieder aufgebaut würden, überall für regelmäßige Testungen reichten. Um eigene Tests vor den Lokalen anzubieten, fehle vielen Betrieben das Personal.

Um Zutritt zu vielen Bereichen des öffentlichen Lebens zu bekommen, reicht es in den meisten Teilen Niedersachsens nicht mehr, gegen das Coronavirus geimpft oder von einer Covid-19-Infektion genesen zu sein. Wer Innenräume von Kneipen, Cafés und Restaurants betritt oder für Übernachtungen in Unterkünften eincheckt, benötigt auch einen negativen Test. Ausgenommen sind Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren.

Viele Weihnachtsfeiern seien bereits nach dem Inkrafttreten der 2G-Regelung abgesagt worden, berichtete Balke. Nun sei damit zu rechnen, dass auch die übrigen Buchungen storniert würden. Faktisch werde mit der verschärften Regelung nun ein «Lockdown durch die Hintertür» vollzogen. «Wir müssen mal sehen, wie viele Betriebe in Anbetracht dieser wirklich radikal zusammengedampften Umsätze es betriebswirtschaftlich überhaupt noch für sinnvoll erachten, offen zu lassen.» Einige Betriebe prüften nun, ob es nicht besser wäre, vorübergehend zu schließen.

Der Wilhelmshavener Gastronom Olaf Stamsen sagte, mit 2G plus gehe nun das Alltagsgeschäft vieler Betriebe verloren. «Dieses "Wir gehen abends nochmal einen Teller Gyros essen oder ein Fischfilet" - das fällt ganz weg, da der Aufwand für das Testen zu groß ist», sagte Stamsen. Im Landkreis Friesland etwa, wo bereits seit einigen Tagen 2G plus gelte, verzeichneten Lokale einen Umsatzrückgang von 60 Prozent. «Die Kollegen mit 2G plus sitzen in leeren Läden», sagte der Gastronom. Viele Gastgeber an der Nordseeküste, die auf ein gutes Weihnachtsgeschäft hofften, seien angesichts der Perspektivlosigkeit verunsichert. «Wir müssen irgendwie einen Weg finden, dass wir zumindest wieder bei 2G landen alle gemeinsam», sagte Stamsen.

Einige Gastronomen und Hoteliers sind trotz der verschärften Regeln aber auch vorsichtig optimistisch: «Wenn du ein Genussmensch bist, nimmst du das auch in Kauf», sagte etwa der Hannoveraner Gastronom Pasan Milisic, der im Stadtteil Linden-Nord das Café Corner betreibt. Zwar sei davon auszugehen, dass mit 2G plus vorübergehend weniger Gäste kommen könnten. Aus seiner Sicht ist bei vielen aber die Sehnsucht nach Normalität groß - und damit auch die Bereitschaft, einen negativen Testnachweis vorzulegen. Eine coronabedingte Schließung schloss der Gastronom aber nicht aus.

In der Lüneburger Heide sehen Übernachtungsbetriebe die Regel-Verschärfung auch als Chance. Geimpfte oder genesene Gäste könnten sich vor einem Kurzurlaub auf einen Test gut einstellen, sagte Björn Bohlen, Geschäftsführer des Stimbekhofes bei Bispingen. «Für die Gastro ist das eine ganz schöne Einschränkung, aber auf einen Urlaub bereite ich mich anders vor», sagte der Gastgeber. Bohlen befürwortet 2G plus. «Sicherer können wir nicht reisen, damit würden wir zum sicheren Ort werden.» Sorgen mache ihm allerdings, dass es zu wenig Testzentren gebe.

Stornierungen und 2G - Hotellerie in Hamburg wegen Corona-Winter besorgt

Die Hotellerie in Hamburg blickt mit Sorge auf den anstehenden Corona-Winter. Das Geschäft ebbe massiv ab, sagte ein Sprecher des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) in Hamburg. Das liege zum einen an der 2G-Regel, die seit Beginn der Woche für Hotelaufenthalte in der Hansestadt gelte. Die Folge seien zahlreiche Stornierungen im Tagungs- und Geschäftsbereich gewesen. Aber auch Touristen bleiben den Angaben nach aus Angst vor einer Ansteckung allmählich weg.

Die Umsetzung der strengeren Regeln sei keine große Umstellung gewesen. Das bestätigt auch Ingo Peters, Direktor des Hamburger Fünf-Sterne-Hotels «Vier Jahreszeiten». Die Regeln hätten in seinem Haus aber ebenfalls viele Stornierungen zur Folge gehabt - insbesondere bei Veranstaltungen, Weihnachtsfeiern und Geschäftsreisenden. 2G bedeutet, dass nur Geimpfte oder Genesene Zutritt haben.

Schärfere Corona-Regeln sieht Peters aber kritisch. «Ich glaube, es wäre eine unkluge Entscheidung, einen Lockdown so herbeizuführen wie letztes Jahr.» Damals sei ein zweiwöchiger Lockdown angekündigt worden - und dann habe man im Hotel erst im Juni wieder Gäste empfangen können. Er bemängelte vor allem fehlende Kriterien für Lockerungen: «Woran messe ich denn, wann ich wieder öffnen kann?»

Durch den Lockdown sei zudem nicht nur ein wirtschaftlicher, sondern auch sozialer Schaden entstanden. Er habe Mitarbeiter, die durch die Schließung depressiv geworden seien, sagte Peters. Der Hotelchef sprach sich vielmehr für die Absage von Massenveranstaltungen und die Schließung von Weihnachtsmärkten und Discos aus. Für vertretbar halte er auch eine Impfpflicht oder eine 2G-Plus-Regel, also dass Geimpfte und Genesene einen negativen Corona-Test nachweisen müssen.

Das «Vier Jahreszeiten» wurde in der vergangenen Woche von Fachleuten zusammen mit Schloss Elmau in Oberbayern zum besten Grandhotel Deutschlands gewählt. Das Hotel an der Binnenalster feiert im kommenden Jahr sein 125-jähriges Bestehen.

Gastronomie durch 2G plus in Not: «Wirkt wie ein Lockdown»

Die Gastronomie durchläuft nach Ansicht des Dehoga-Verbands derzeit eine dramatische Lage. Die Situation könne in zwei Teile gegliedert werden: In die Gaststätten, in deren näherer Umgebung eine funktionierende Testinfrastruktur vorhanden ist, sagte des Präsident des Dehoga MV, Lars Schwarz, am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. Diese hätten die Möglichkeit, sich bei großen Umsatzverlusten über Wasser zu halten. Auf der anderen Seite stehen die, deren potenziellen Gäste keine Chance haben, sich vor dem Besuch testen zu lassen. Dort sei die Gastronomie weitgehend verwaist.

«Für uns wirkt die Einführung der 2G-plus-Regelung ohne vorherigen Aufbau der Testinfrastruktur wie ein Lockdown.» Viele Betriebe hätten deshalb bereits auf Abholung oder Lieferung umgestellt. Klar sei aber, dass die Umsätze durch die Absage beispielsweise von Weihnachtsfeiern nicht wieder hereinzuholen sind. Das Gleiche gelte für Bars und Clubs, bei denen die kalte Jahreszeit Hochsaison ist. Gilt die 2G-Plus-Regel, haben Ungeimpfte keinen Zugang. Geimpfte und Genese müssen zusätzlich einen Negativtest vorlegen.

Für die Unternehmer spiele es keine Rolle, ob der Lockdown offiziell verkündet ist oder nicht, sagte Schwarz. Derzeit greife noch die «Überbrückungshilfe 3+», dies sei seit dem Sommer das bestehende Instrument. Ein Unternehmer müsse mindestens 30 Prozent coronabedingten Umsatzrückgang nachweisen, um seine Fixkosten erstattet zu bekommen. Es gehe dabei nicht um den Ausgleich von Umsatz oder Gewinn, sagte Schwarz.

Allerdings habe die Landesregierung bereits angekündigt, dass es eine Entschädigung in dem großen Umfang wie im vergangenen November nicht geben werde. Parallel gebe es die Möglichkeit, Kurzarbeitergeld zu beantragen. «Weitere Wirtschaftshilfen sind dringend nötig, sonst werden viele Betriebe diesen Winter nicht überleben», betonte der Dehoga-Präsident.

Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD) verwies auf bestehende Hilfsprogramme des Bundes. «Die Unternehmen stehen nicht ohne Unterstützung da», erklärte er in Schwerin. Darüber hinaus habe Mecklenburg-Vorpommern einen Härtefallfonds aufgelegt. «Wir prüfen für die heimische Wirtschaft, ob zu den bereits bestehenden Unterstützungsmöglichkeiten weitere Förderungen des Landes in Ergänzung zu den Bundesprogrammen notwendig sind. Mit der Wirtschaft sind wir im Gespräch.»

Ein Sprecher des Sozialministeriums in Schwerin erklärte, man bemühe sich um die Ausweitung der Testkapazitäten in Mecklenburg-Vorpommern. Es herrsche jedoch ein Mangel an Tests auf dem Markt. Alle Helfer, die schon einmal in einem Testzentrum gearbeitet haben, würden angeschrieben und um erneute Mithilfe gebeten. Aktuell gebe es 305 Teststellen in MV. In Spitzenzeiten seien es mehr als 400 gewesen. Mit dem Tourismusverband liefen Gespräche, um Testangebote etwa an Tourist-Informationen oder Gästehäusern zu installieren. Gastronomen sei es zudem möglich, sogenannte begleitetete Selbsttests für ihre Gäste vor Ort anzubieten. (mit dpa)


 

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