Wohin Konkurrenzkampf führt

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Jeder will der Beste sein. Jeder will gewinnen. So zeigt es nicht nur die Volkswirtschaft, so lehrt es auch das Leben. Konkurrenzkampf, Machtstreben, Wettbewerbe, Pitches – wohin man auch schaut. Immer geht es darum, sich gegen andere durchzusetzen, sie gar zu bekämpfen. Aber bringt uns das wirklich weiter?

Könnten wir einen der alten griechischen Philosophen wie Platon oder Aristoteles fragen, was sie von dem heute so häufig zitierten Satz „Konkurrenz belebt das Geschäft“ halten, so würden sie uns vermutlich mitleidig belächeln. Für die alten Griechen war es nicht wichtig, wer besser ist als ein anderer, sondern wer der Vollkommenheit am nächsten kommt. Zwar wurden bei ihren Wettkämpfen die Olympiasieger wie Götter verehrt, aber nicht, weil sie den Gegner umgehauen hatten, sondern, weil sie der Vollkommenheit der Götter am nächsten kamen.


Über den Autor Albrecht von Bonin

Albrecht von Bonin ist einer der profiliertesten Personalberater in der Hospitality Industry. Die Suche und Auswahl von Spitzenkräften, der Einsatz von Interim Managern sowie Management Coaching für Führungskräfte und Unternehmer – das sind die Kernkompetenzen, mit denen VON BONIN und die avb Management Consulting echte Mehrwerte bietet.

Mit seinem Fachbeiträgen bei Linkedin, die auf der Erfahrung von 40 Jahren Beratungspraxis fußen, erreicht von Bonin seit Jahren viele tausend Leser. Jetzt gibt es seine Beiträge auch bei Tageskarte.


Was spornt Menschen an?

Auf unsere heutige Zeit übertragen heißt das: Wenn Konkurrenz Menschen oder Unternehmen dazu anspornt, ihr Bestes zu geben und in ihrer Disziplin, in ihrem Job so gut wie möglich zu sein, dann motiviert sie das dazu, alles nur Mögliche aus sich herauszuholen. Hier zeigt sich, wo exzellente Führung gelebt wird. Doch wenn Menschen wie Konkurrenten nur das Ziel verfolgen, den Gegner fertigzumachen, zu erniedrigen, führt das ins Gegenteil. Dann werden sie zu machtorientierten, egoistischen Wettkämpfern, die gern auch über Leichen gehen und den Gemeinsinn aus den Augen verlieren. Machtmotivierte Menschen wollen immer im Mittelpunkt stehen, denken stets an ihre eigenen Interessen. Sie wollen allein die Richtung bestimmen, bei Projekten selbst die Fäden in der Hand halten – und Einfluss auf andere ausüben. Im Leben (und auch im Unternehmen) zieht dann oft um sie herum eine soziale Kälte ein, die nicht nur Warmduscher frösteln lässt. Denn hier gilt

Jeder ist sich selbst der Nächste.

Als Grundidee einer Unternehmenskultur ist dieses Motto absolut ungeeignet, für die gesamte Gesellschaft ebenso. Der Blick allein auf den eigenen Vorteil bringt ihre Grundpfeiler zum Einsturz, ebenso ihr Tragwerk aus Rücksicht und Solidarität. Statt ihr Bestes zu geben, entfesseln diese Konkurrenten ihr Schlechtestes. Statt sich an ihren persönlichen Möglichkeiten und den Chancen und Talenten anderer zu erfreuen, gieren sie nur nach dem eigenen Sieg. In Wirtschaft und Politik erleben wir dafür immer wieder negative Beispiele. So haben z. B. gnadenlose Preiskämpfe - ob in der Hotellerie, Airline Business, im Einzelhandel oder anderen Bereichen der Wirtschaft selten Gewinner unter den Wettbewerbern produziert. Da scheint Konkurrenz weniger das Geschäft zu beleben, als den Charakter (oder den Markt) zu verderben.

Machen wir uns bewusst: Keines der Probleme, die vor uns liegen, kann der Einzelne allein lösen, nichts davon wird der Markt allein regeln, wenn es an der gemeinsamen Anstrengung fehlt, die schwierigen Aufgaben zu bewältigen, die die Krisen – im Großen wie im Kleinen – uns stellen. Das gilt für Politik, Gesellschaft und Wirtschaftsleben gleichermaßen.

Indem ich diesen Satz schreibe, erinnere ich mich an einen Gedanken, der von Alfred Herrhausen, Ex-Deutsche Bank Chef, schon vor Jahrzehnten geprägt wurde:

„Ist es so illusionistisch, zu meinen, dass die neue Geschichte, die wir jetzt zu schreiben haben, auf ein ganz anderes Zielkonzept ausgelegt ist – nämlich darauf, statt gegeneinander zu kämpfen oder sich zu bedrohen, miteinander dafür zu arbeiten, dass unsere wirklichen Probleme überwunden werden?“

Aber auf dem Markt funktioniert das Konkurrenzprinzip doch, oder?

Zweifler an Herrhausens These mögen behaupten, dass wir schließlich nicht so tolle Smartphones hätten, wenn z. B. Apple und Samsung nicht beinharte Konkurrenten wären. Aber ich bin mir da nicht so sicher. Vielleicht hätten wir viel tollere Smartphones, wenn die beiden sich zusammentäten, um das beste Gerät aller Zeiten zu entwickeln. Die unappetitlichen Wahlkämpfe in der nationalen und internationalen Politik sind ein weiteres Beispiel dafür, wie die Protagonisten sich gegenseitig mit Dreck bewerfen, statt den Konsens zu suchen, die anstehende Probleme gemeinsam zu lösen – zum Nutzen der Bürger (wie sie es mit ihrem Amtseid geschworen haben). Nach meiner Beobachtung sind die Menschen nicht dann am besten, wenn sie andere schlagen wollen, sondern wenn sie dafür brennen, ihre Sache richtig gut zu machen. Wenn das leidenschaftliche Feuer der Begeisterung sie packt. Beispiele aus dem sportlichen Fair Play im Mannschaftssport kennen wir alle. Peters und Waterman beschrieben dieses Streben in ihrem Bestsellerbuch „In Search of Excellence“ eindrucksvoll. Sie stellten fest: Wer immer nur allein gewinnen will, verliert am Ende sich selbst. Die gemeinsamen Kräfte zu bündeln führt letztlich zu besseren Ergebnissen.


Autor

Albrecht von Bonin
avb Management Consulting
www.avb-consulting.de
VON BONIN + PARTNER Personalberatung
www.von-bonin.de


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