Närrisches Gebäck in München: Weißwurstkrapfen

| Gastronomie Gastronomie

Verkleidung ist angesagt im Fasching, in der bayerischen Landeshauptstadt auch beim Essen: In München kommt heuer eine Weißwurst im Krapfenteig daher. Am Faschingsdienstag ist die überraschende kulinarische Kreation bei diversen Münchner Innenstadtwirten zu haben, unter anderem im Hofbräuhaus, im Augustiner am Dom und im Augustiner Stammhaus. 

Von dessen Wirt Thomas Vollmer stammt die Idee. Er habe sich gefragt, was speziell in München zum Krapfen passen könne - und «was hat mehr Münchner DNA als die Münchner Weißwurst», sagte Vollmer, der sich für die praktische Umsetzung mit der Conditorei Kreutzkamm zusammentat. Der Legende nach sei die Weißwurst zudem im Fasching erfunden worden - damals angeblich, weil einem Wirt die Därme für Kalbsbratwürstchen ausgingen und er deshalb größere Schweinedärme vom Schwein verwurstete.

Riesen-Weißwurst nach Burger-Art

Nun passten die Erfinder die Wurst erneut an: Sie entwickelten eine Riesen-Weißwurst von etwa zehn Zentimetern Durchmesser und 40 Zentimetern Länge. Eine Scheibe davon wird in den aufgeschnittenen Krapfen gelegt - eine Art Krapfen-Wurst-Burger. Darauf kommt eine Kombination aus Münchner Weißwurstsenf und Düsseldorfer Löwensenf. «Da bringen wir nochmal Schärfe und einen Schwung Karneval mit rein», sagt Tobias Ranzinger, Sprecher der Innenstadtwirte.

12.00 Uhr Regel auch für Krapfen?

Die Regel, dass die Weißwurst das 12.00 Uhr-Läuten nicht erleben sollte, gilt für den Krapfen nicht. «Wir haben seit gut 100 Jahren Kühlschränke», sagt Ranzinger. Das Weißwurst-Ess-Gebot - das auch für die Wurst heute höchstens noch aus Traditionsgründen gilt - stammt aus einer Zeit, in der Lebensmittel mangels geeigneter Kühlung schnell verdarben.

Ein besonderes Rezept für das Wurstbrät gibt es nicht. Auch der Krapfenteig sei genau derselbe Teig wie für alle anderen Krapfen, sagt Konditorin Katharina Kreutzkamm-Aumüller. Er enthalte «ein klein bisschen Zucker» für das Aroma - und eine Spur Vanille und Orange. «Es klingt deutlich exotischer als es schmeckt. Ich finde es lecker - mal was ganz anders», sagt Kreutzkamm-Aumüller. Münchens Wirtschaftsreferent Christian Scharpf befand den Krapfen nach der Verkostung auch für gut. Er sei «wahnsinnig angetan», sagte der SPD-Politiker. «Da gehört auf alle Fälle ein Bier dazu.»

Wurst, Zwiebel, Ketchup, Bacon: Muss das sein - oder Must-have?

Nicht zum ersten Mal gibt es im Fasching närrische Krapfen: Ein Miesbacher Bäcker sorgte 2019 mit dem Leberkäs-Krapfen für Aufsehen, ein paar Jahre später schuf er den Wurst-Krapfen mit Schweinswürsten, Zwiebeln, Ketchup und Currypulver - wo es den einen gruselte, griff der andere neugierig zu. 

Konkurrenz zum Leberkäs-Krapfen kam seinerzeit aus Niederbayern, wo ein Bäckergeselle den Goaßmaß-Krapfen erfand. Goaßmaß besteht je zur Hälfte aus dunklem Bier und Cola sowie einem Schuss Kirschlikör. Im vergangenen Jahr brachte ein Metzger in Franken den Bacon-Jam-Krapfen heraus. 

Heute wissentlich zum Spezial-Krapfen verzehrt dienten Senf und Ketchup früher zum Faschingsstreich - um das Gesicht des Opfers zu sehen, wenn es in das damit heimlich gefüllte Gebäck biss.


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Das historische Traditionsgasthaus Schaumburger Hof in Bonn-Plittersdorf ist zahlungsunfähig. Nach über 270 Jahren Geschichte wurde der Betrieb im Januar 2026 eingestellt. Während die Löhne der Mitarbeiter vorerst gesichert sind, bleibt die Zukunft des geschichtsträchtigen Standortes am Rhein ungewiss.

Das Wiener Restaurant Spelunke sorgt mit dem 395 Euro teuren Schnitzel „Kaiser Franz“ für Gesprächsstoff. Die Kreation aus Wagyu-Filet, Blattgold und Kaviar richtet sich an ein internationales Luxuspublikum und lotet die Grenzen der traditionellen österreichischen Küche neu aus.

Mehr Freiheit für Berlins Gastronomen? Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey plant, die starre 22-Uhr-Regel für den Außenbereich zu kippen. Nach dem Vorbild Brandenburgs sollen Gäste künftig bis Mitternacht draußen bewirtet werden dürfen.

In der Hamburger Speicherstadt konkretisieren sich die Pläne für eine prominente Neueröffnung. Das aus Südafrika stammende Gastronomiekonzept Chefs Warehouse wird am 26. Februar 2026 seinen ersten Standort in Deutschland eröffnen. Hinter dem Hamburger-Projekt stehen bekannte Namen aus der Gastro-Szene der Hansestadt.

Die Jury des Deutschen Gastro-Gründerpreises hat die zehn Halbfinalisten für das Jahr 2026 bekanntgegeben. Die ausgewählten Konzepte treten im Februar in Hamburg gegeneinander an, um sich einen Platz für das Finale auf der Internorga zu sichern.

Das Berliner Drei-Sterne-Restaurant Rutz feiert sein 25-jähriges Bestehen. Unter dem Motto „Remastered“ interpretiert Küchenchef Marco Müller prägende Gerichte der vergangenen Jahrzehnte neu und startet damit in ein Jubiläumsjahr voller internationaler Gastauftritte.

Evakuierungspläne fehlten, ein Feuerlöscher war nicht markiert: Jahre vor der Silvesterparty-Katastrophe wurden Mängel moniert. Was hat die Gemeinde versäumt?

In Berlin-Kreuzberg verbindet das neue Restaurant Fukagawa das kulinarische Erbe japanischer Ramen-Kultur mit französischer Kochkunst. Unter der Leitung von Leonardo Donati und Felix Thoms entstand ein Fine-Dining-Konzept, das traditionelle Brühen und hochwertige Produkte neu interpretiert.

Der Österreichische Bauernbund fordert eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung für Lebensmittel in der Gastronomie. Damit sollen Transparenz bei Fleisch, Milch und Eiern geschaffen und die heimischen Landwirtschaftsbetriebe im Wettbewerb gestärkt werden.

Lieferando ruft zur Abstimmung für die jährlichen Awards auf. Neben klassischen Gastronomiebetrieben in 16 nationalen und 50 lokalen Kategorien rücken in diesem Jahr verstärkt Lebensmittelhändler und Floristen in den Fokus.