Bundesländer streiten über Sommerferienregelung

| Politik Politik

Unter den Kultusministern die in dieser Woche in Berlin Tagen, ist ein Streit über die Sommerferien entbrannt. Berlin und Hamburg wollen den Ferienzeitraum verkürzen, dagegen beziehen andere Ländern Stellung. Der DEHOGA plädiert für die Beibehaltung des bis 2024 beschlossenen Sommerferienzeit-Korridors von 84,6 Tagen. 

Die jährlich wechselnden Termine für die Sommerferien sorgen für Kontroversen zwischen den Bundesländern. Denn Berlin und Hamburg fordern neue Regeln: Bei der Kultusministerkonferenz (KMK) an diesem Donnerstag und Freitag in Berlin wollen die beiden Länder beantragen, die freien Tage künftig zeitlich weniger zu strecken. Generell sollen die Sommerferien demnach erst ab 1. Juli und nicht schon im Juni beginnen, die Termine der Länder enger zusammenrücken und die jährlichen Verschiebungen möglichst gering ausfallen.

Ziel sei «mehr Kontinuität» im Schuljahresablauf, sagte Berlins Bildungssenatorin Sandra Scheeres der Deutschen Presse-Agentur. «Vor allem Sprünge von einem späten Ferientermin auf einen frühen Ferientermin führen zu einer Verkürzung von Schuljahren.» Die aktuelle Regelung hat aus Sicht der SPD-Politikerin negative Auswirkungen auf die Lernzeit der Schüler, die Belastung der Lehrkräfte, auf «schulorganisatorische Prozesse» sowie auf den Zeitraum bei den Abschlussprüfungen.

Hamburgs Schulsenator Ties Rabe (SPD) kritisierte, dass allein Baden-Württemberg und Bayern immer als letzte im August und September sechs Wochen Ferien haben. «Diese Sonderstellung der beiden südlichen Bundesländer ist nicht nachvollziehbar.»

Nach Ansicht der Stuttgarter Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) hat sich die bisherige Ferienregelung dagegen bewährt. «Sie bietet uns einen pädagogisch verlässlichen und konstanten Schuljahresrhythmus und ermöglicht uns auch zusätzliche Pfingstferien, die von Eltern und den Schulen geschätzt werden», sagte eine Sprecherin. Bayerns Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) erklärte: «Bayern bleibt bei der aktuellen Ferienregelung.»

Auch andere Bundesländer lehnten den Vorstoß auf dpa-Anfrage ab. Auch aus Sicht Hessens hat sich das bisherige rollierende System bewährt. Schleswig-Holstein sieht ebenfalls keinen Handlungsbedarf. «Ein zu enger Ferienkorridor in ganz Deutschland könnte negative Auswirkungen auf den für unser Land so wichtigen Tourismus haben, wenn die Saison dadurch deutlich kürzer würde», gab ein Sprecher des Bildungsministeriums in Kiel zu bedenken.

Die Berliner Senatorin Scheeres hält dem ein weiteres Argument entgegen: Angesichts eines gemeinsamen Pools von Abituraufgaben seien teils erhebliche Schwankungen bei der Länge der Schulhalbjahre nicht mehr zeitgemäß. «Die Ferien sollten zwischen dem 1. Juli und dem 10. September liegen.» So könnten sich die Länder besser dem Ziel annähern, ein bundesweit vergleichbares Abitur durchzuführen. Der Hamburger Senator Rabe ergänzte: «Zudem können sich Kinder und Eltern ab 1. Juli verlässlicher auf besseres Sommerwetter freuen.»

Sachsen-Anhalts Bildungsminister Marco Tullner (CDU) kann nach eigenen Worten keine Vorteile dieser Idee erkennen. Wichtig für sein Land sei: «Die zentralen Abiturprüfungszeiträume dürfen nicht durch Alleingänge einzelner Länder in Gefahr geraten.»

Der DEHOGA Bundesverband schreibt auf Facebook: „Eine Verkürzung des Zeitraumes für die Ferien stößt auch auf Widerstand der Ferien-Bundesländer und der gesamten Tourismuswirtschaft.

Überfüllte Urlaubsorte und überlastete Straßen sind nicht gut für die Erholung. Bei einem kürzeren Korridor für die Sommerferien haben vor allem Familien mit schulpflichtigen Kindern das Nachsehen. Wir gehen davon aus, dass die übrigen Länder bei der Kultusministerkonferenz, in dieser Woche in Berlin, dem Vorschlag der Stadtstaaten nicht zustimmen werden. Bayern und Schleswig-Holstein winken bereits ab. Preise könnten steigen, wenn das Tourismusangebot künstlich verknappt wird.

Stattdessen sollten die Ferien entzerrt bleiben. Der von der Kultusministerkonferenz für die Jahre 2018 bis 2024 beschlossene Sommerferienzeitkorridor liegt bei 84,6 Tagen. Das war ein vernünftiger Kompromiss. Neben der Dauer des Ferienzeitkorridors geht es zudem um eine intelligente Koordinierung unter den Bundesländern.“
 

Bisher haben aus historischen Gründen lediglich Bayern und Baden- Württemberg jedes Jahr weitgehend im gleichen Zeitraum Sommerferien. Bei den übrigen Ländern wechseln die Termine permanent: So beginnen im kommenden Jahr die Sommerferien in Mecklenburg-Vorpommern bereits am 22. Juni und enden am 1. August, in Baden-Württemberg als letztem Bundesland starten sie am 27. Juli und enden am 12. September.

Die bisherige Regelung habe sich in Rheinland-Pfalz bewährt, sagte die dortige Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD). «Allerdings würden wir es sehr befürworten, wenn sich künftig alle Länder am rotierenden System der Sommerferien beteiligen würden», fügte sie mit Blick auf die beiden großen Südländer hinzu.

Nordrhein-Westfalens Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) sagte, jede Regelung solle von Zeit zu Zeit daraufhin überprüft werden, ob sie noch sachgerecht und zeitgemäß sei. «Das gilt auch für die komplizierte Sommerferienregelung. Aufgrund der langfristigen Festlegung der Ferienpläne wird es jedoch keine schnellen Entscheidungen geben können.» Damit rechnet auch Thüringens Bildungsminister Helmut Holter (Linke) nicht. Für ihn sei wesentlich, dass die Länder sich weiter einvernehmlich abstimmten.


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Bundesratsinitiative: NRW will Minijobs auf 530 Euro anheben

Die nordrhein-westfälische Landesregierung fordert die Anhebung der Verdienstgrenze für Minijobs von 450 auf 530 Euro im Monat. Bei SPD und DGB in Nordrhein-Westfalen stießen die Vorschläge auf Kritik. Unternehmensverbände begrüßten die Initiative

Müller wehrt sich gegen Corona-Kritik von Minister Spahn an Berlin

Berlins Bürgermeister Müller hat die Art der Kritik von Bundesgesundheitsminister Spahn an der Durchsetzung der Corona-Regeln in Berlin kritisiert. Spahn hatte gesagt, er könne nicht verstehen, dass es in Berlin Restaurants gebe, wo man mit Maske angeguckt werde, als wäre man vom Mond.

Altmaier will mehr Klarheit bei innerdeutschen Corona-Reisevorgaben

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier hat sich für mehr Klarheit bei Corona-Vorgaben für Reisen innerhalb Deutschlands ausgesprochen. Altmaier wünscht sich mehr Einheitlichkeit im Vorgehen.

Dobrindt: Innerdeutsche Corona-Reisebeschränkungen derzeit überzogen

CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt hat sich gegen einseitige Reisebeschränkungen angesichts steigender Corona-Infektionszahlen etwa in Berlin ausgesprochen. Der Politiker plädiert für ein gemeinsames Vorgehen.

Söder fordert möglichst einheitliche Quarantäne-Regeln der Länder

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder fordert möglichst einheitliche Quarantäne-Regeln aller Bundesländer für Reisende aus innerdeutschen Corona-Hotspots. Dazu werde es am Mittwoch eine Schalte der Chefs der Staatskanzleien der Länder geben. Dies werde Bayern abwarten.

Berichte: Italien plant Einführung nationaler Maskenpflicht im Freien

Italiens Regierung plant nach Medienangaben zum Corona-Schutz die Einführung einer nationalen Maskenpflicht auch im Freien. Nach Berichten vom Montag sollte die vorgesehene Verschärfung der Regeln in Kürze von der Regierung in Rom veröffentlicht werden.

Kartellamt fordert von Online-Portalen mehr Maßnahmen gegen „Fake-Bewertungen“

Viele Verbraucher verlassen sich beim Kauf eines Produkts oder der Buchung einer Reise im Internet auf Bewertungen anderer Nutzer. Das Bundeskartellamt hat Portale und Suchmaschinen aufgefordert, auf ihren Seiten mehr gegen „Fake-Bewertungen“ zu tun.

Spahn kritisiert Umgang mit Corona in Berlin

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat das Land Berlin dazu aufgerufen, die geltenden Corona-Regeln besser durchzusetzen. Er könne nicht verstehen, dass es Restaurants gebe, wo man mit Maske angeguckt werde, als wäre man vom Mond.

Widerstand gegen Pläne für Alkoholverbot in Berlin

Wie soll Berlin in der Corona-Pandemie weiter vorgehen? Die Politik ist sich nicht sicher: Kaum gelten neue Beschränkungen, wird über weitergehende Schritte diskutiert. Es regt sich Widerstand.

Schleswig-Holstein erklärt auch Friedrichshain-Kreuzberg zum Risikogebiet

Schleswig-Holstein hat am Sonntag als dritten Berliner Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg wegen der hohen Corona-Infektionszahlen als Risikogebiet im Inland ausgewiesen. Auch die Bezirke Berlin-Mitte und Berlin-Neukölln gelten im Norden weiter als Risikogebiet.