Millionenhilfe für Winzer: EU finanziert Krisendestillation

| Politik Politik

Die Destillation von Rot- und Roséweinen aus den Anbaugebieten Rheinhessen und Württemberg wird nach Darstellung der neuen rheinland-pfälzischen Weinbauministerin Christine Schneider finanziell von der EU gefördert. «Mit der Destillation schaffen wir kurzfristig Entlastung in einer angespannten Marktsituation», sagte die CDU-Politikerin in Mainz. Ziel sei es, das bestehende Überangebot abzubauen.

Die Förderung betrage 43 Cent je Liter. Zusätzlich würden 16 Cent pro Liter für Logistik- und Brennkosten gewährt. Zugelassen seien Weine des Jahrgangs 2025 und älter. Die EU stelle dafür insgesamt 14,16 Millionen Euro zur Verfügung, was einer Höchstmenge von rund 24 Millionen Litern entspricht. 

Start voraussichtlich im vierten Quartal

Die Antragsverfahren würden vorbereitet. «Aufgrund der notwendigen gesetzlichen und technischen Vorarbeiten rechnen wir derzeit mit einem Start im vierten Quartal», heißt es im Ministerium. «Wichtig ist, dass die Destillation erst nach Bewilligung des Antrags erfolgen darf. Wer seine Weine vorher destillieren lässt, kann keine Förderung erhalten.»

Die Europäische Kommission habe dem deutschen Antrag auf eine außergewöhnliche Marktintervention zugestimmt. Die Verordnung solle in der zweiten Augusthälfte veröffentlicht werden, sagte Schneider. 

Um Wettbewerbsverzerrungen zu vermeiden, darf der bei der Krisendestillation gewonnene Alkohol ausschließlich für industrielle Zwecke genutzt werden, also etwa für Desinfektionsmittel und Energie, heißt es im Ministerium. Eine Verwendung für die Lebensmittel- und Getränkeindustrie sei nicht zulässig.

 Angebot und Nachfrage wieder ins Gleichgewicht bringen 

«Gleichzeitig bleibt es unser Ziel, Angebot und Nachfrage mit strukturellen Maßnahmen und einer stärkeren Absatzförderung wieder dauerhaft ins Gleichgewicht zu bringen», betonte Schneider. Die CDU-Ministerin war bis vor kurzem noch Mitglied des EU-Parlaments und dort unter anderem für Wein zuständig. 

Die Weinwirtschaft stehe weltweit vor großen Herausforderungen. «Veränderte Konsumgewohnheiten und geopolitische Entwicklungen haben die Nachfrage nach Wein in den vergangenen Jahren sinken lassen», so Schneider. Gleichzeitig seien die Produktionskosten deutlich gestiegen. «Viele Weinbaubetriebe stehen dadurch wirtschaftlich unter erheblichem Druck.»

Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg hätten die Bundesregierung daher gebeten, bei der Europäischen Kommission eine außergewöhnliche Marktintervention aus der EU-Agrarreserve zu beantragen. Interesse daran hätten die beiden Anbaugebiete gezeigt. Rheinhessen ist das größte der 13 Anbaugebiete in Deutschland, Württemberg das viertgrößte. (mit dpa)


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Booking.com muss Kunden in Österreich nach der Buchung Name und ladungsfähige Anschrift privater Unterkunftgeber mitteilen. Der Oberste Gerichtshof hat die Revision der Plattform gegen die entsprechende Entscheidung der Vorinstanzen zurückgewiesen.

Die geplante Abschaffung des Rabattfreibetrags für Mitarbeiter ist im aktuellen Referentenentwurf zur Einkommensteuerreform nicht mehr enthalten. Zuvor hatten Verbände aus Hotellerie, Gastronomie und Touristik die Pläne kritisiert.

Die Wirtschaftskammer Österreich hat mit den Gewerkschaften GPA und vida einen neuen Kollektivvertrag für die Gastronomie und Hotellerie vereinbart. Ab Oktober steigen die Gehälter um durchschnittlich drei Prozent, ergänzt durch Einmalzahlungen und höhere Lehrlingseinkommen.

Bundesfinanzminister Lars Klingbeil will den steuerlichen Freibetrag für Mitarbeiterrabatte von 1.080 Euro abschaffen. Der Deutsche Reiseverband kritisiert die Pläne und verweist auf die besondere Bedeutung vergünstigter Reiseleistungen für Beschäftigte der Branche.

Sekt oder Bier bei der Konfirmationsfeier oder der Jugendweihe: Das war seit Generationen üblich. Doch die Gefahren durch Alkohol werden inzwischen viel ernster genommen. Der Gesetzgeber reagiert.

Seit dem 12. August gelten erste Vorgaben der europäischen Verpackungsverordnung PPWR verbindlich. Für Hotels und Gastronomiebetriebe kann die eigene Marke auf Verpackungen zusätzliche Verantwortlichkeiten auslösen.

Deutschlands Arbeitgeber pochen auf eine Arbeitszeit-Reform. Sie wollen - aus ihrer Sicht endlich - eine wöchentliche Höchstarbeitszeit. Der DGB warnt vor einem Rückfall ins 19. Jahrhundert.

Höhere Steuern und damit höhere Preise für Brot, Butter und Obst: Darauf zielt ein Vorschlag von Ökonom Clemens Fuest. Er will Einheitlichkeit bei der Mehrwertsteuer und im Gegenzug manche entlasten.

Ab 2027 plant Duisburg die Einführung einer Bettensteuer von drei Euro pro Nacht. Während die Stadt mit Einnahmen zur Haushaltskonsolidierung rechnet, kritisiert die Hotelbranche den zusätzlichen Aufwand und warnt vor Abwanderungseffekten.

Die Europäische Kommission will Mitgliedstaaten und Kommunen mit dem geplanten Affordable Housing Act zusätzliche Instrumente gegen Wohnungsdruck an die Hand geben. Ein Schwerpunkt des Vorhabens sind Maßnahmen im Zusammenhang mit Kurzzeitvermietungen wie Airbnb.