Österreich: Volksbegehren will Kennzeichnungspflicht auf Speisekarten

| Politik Politik

In Österreich fordert eine Initiative, dass Speisekarten in Restaurants und Kantinen mehr über tierische Produkte informieren. Die Branche setzt dagegen auf Freiwilligkeit. Jetzt soll ein Volksbegehren die Angelegenheit regeln.

Die Kampagne „Wissen, was wir essen“ fordert ein „Ende der Intransparenz“. Die Initiative besteht aus dem Verein zur Auflage eines Tierschutzvolksbegehrens, dem Schokoladehersteller und Biolandwirt Josef Zotter sowie dem Verein Die Biowirtinnen mit 32 Mitgliedern, deren Vertreter am Mittwoch vor dem Bundeskanzleramt ein Pressegespräch veranstalteten. „Wir müssen den Betrug an den Konsumenten beenden“, sagte Sebastian Bohrn Mena, Initiator des Tierschutzvolksbegehrens.

600 Millionen Eier aus Käfighaltung und tausende Tonnen Fleisch aus ausländischer Massentierhaltung würden jährlich importiert, sagt die Initiative. Die Herstellungsbedingungen dieser Produkte seien in Österreich aus Tier- und Umweltschutzgründen verboten. Schokoladeproduzent Zotter schlägt einen verpflichtenden QR-Code in Speisekarten vor, über den der interessierte Gast sich die Zusatzinfos herunterladen könnte.

Josef Zotter: „Die BioWirtInnen“ sowie zahlreiche Landwirte starteten jetzt eine überparteiliche Initiative. Ziel ist die Einführung einer verpflichtenden und kontrollierten Kennzeichnung nach Herkunft und Tierwohl in Gastronomie und öffentlichen Küchen. Noch vor der Nationalratswahl Ende September sollen sich alle Parteien dazu bekennen.

Laut einer repräsentative Greenpeace-Umfrage, die die Initiatoren vorstellten verlangen 84 Prozent der Bevölkerung nach mehr Transparenz bei Herkunft und Tierwohl und eine ebenso große Gruppe wäre auch bereit, mehr dafür zu bezahlen. Laut einer aktuellen WWF-Befragung seien demnach auch alle Parteien offen gegenüber einer Kennzeichnung der Herkunft.


 

Dazu Unternehmer Josef Zotter: „Wir brauchen Transparenz, um Tierschutz für Konsumenten nachvollziehbar zu machen. Dafür sollen wir technische Möglichkeiten nutzen und verpflichtende QR-Codes einführen, die sämtliche Daten über Aufzucht, Herkunft, Hersteller und die komplette Produktionskette enthalten. Vielleicht auch mit Videos. Die Lebensmittelbehörde müsste das und eine öffentliche Datenbank verwalten, sprich eine Konsumenten-Plattform wie „Food Leaks“, damit jeder Konsument sich informieren und entscheiden kann, ob er ein Steak aus der Steiermark oder aus Brasilien will. Außerdem wäre es hilfreich, wenn Tierhalter verpflichtet wären ihren Betrieb zugänglich zu machen und Konsumenten das Recht bekommen, lückenlos nachzuforschen, wo ihre Lebensmittel herkommen.“

 

Obwohl jährlich zigtausende Kälber in Österreich geboren würden, werde massenhaft billiges Kalbfleisch aus Holland importiert, so die Initiatoren der Kampagne. Die österreichischen Kälber würden hingegen ins Ausland verkauft und in Transporten teils über lange Strecken transportiert. Die hitzige Debatte in Vorarlberg, Tirol und Salzburg führte zuletzt vor Augen, wie sehr diese Praktik von der Bevölkerung abgelehnt wird.

„Wir BiowirtInnen unterstützen das Tierschutzvolksbegehren, weil für uns Tierschutz ein wichtiges Thema ist. BIO bedeutet momentan die beste Garantie für artgerechte Tierhaltung, darum ist uns eine verpflichtende Zertifizierung von Gastronomiebetrieben, die BIO ausloben auch besonders wichtig. Dafür kämpfen wir seit Jahren, leider scheitern wir stets am Widerstand der Wirtschaftskammer“ sagt Gerold Hubmer, Obmann von „Die BioWirtInnen“.

 

Auch die österreichische Landwirtschaftskammer stellte sich hinter das Vorhaben. „Es ist erfreulich, dass es nun endlich eine breite Unterstützung für die langjährigen Forderungen der Landwirtschaftskammer gibt. Die LK Österreich hat bereits im Jahr 2016 mit 'Gut zu wissen' eine Initiative ins Leben gerufen, die auf Transparenz und Herkunftskennzeichnung in der Gemeinschaftsverpflegung setzt. Gleichzeitig hat die Landwirtschaftskammer die Herkunftskennzeichnung bei Verarbeitungsprodukten verlangt. Diese beiden Punkte waren übrigens auch in der Regierungsvereinbarung der vorigen Bundesregierung enthalten. Dass nun auch andere Gruppen auf diese Forderungen der bäuerlichen Interessenvertretung aufspringen, ist positiv zu werten. Uns geht es darum, dass die Konsumenten endlich eine echte Wahlfreiheit bekommen", erklärte heute LK Österreich-Präsident Josef Moosbrugger.

Zurück

Vielleicht auch interessant

28 Prozent Plus: NGG fordert zwölf Euro Stundenlohn in der Systemgastronomie

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) verlangt bei den anstehenden Tarifverhandlungen mit dem Bundesverband Systemgastronomie einen Stundenlohn von mindestens zwölf Euro. Das berichtet die Zeitung die „Welt“. Dies entspräche einer Lohnsteigerung um knapp 28 Prozent.

Zölle auf Wein und Käse: USA drohen Frankreich wegen Digitalsteuer

Amerikanische Internetriesen machen in Frankreich gute Geschäfte, zahlen aber nur wenig Steuern. Das will die Regierung in Paris ändern. Was wiederum die USA auf den Plan ruft. Es geht wieder um Zölle auf Wein, Champanger und Käse.

HR Group schließt sich Hotelverband IHA an

Die Hotelbetreibergesellschaft HR Group tritt mit ihren deutschen Häuser dem Hotelverband Deutschland (IHA) bei. In dem Verband, mit Otto Lindner an der Spitze sind rund 1.300 Hotels aus Individual-, Kooperations- und Kettenhotellerie organisiert.

Jeunes Restaurateurs (JRE) zum Agrargipfel: „Ernährungskrise muss gestoppt werden“

Bundeskanzlerin Angela Merkel trifft sich mit Landwirtschaftsverbänden zum Agrargipfel im Bundeskanzleramt. Anlass sind die vorangegangen Demonstrationen der Landwirte. Alexander Huber, Präsident der Jeunes Restaurateurs (JRE), nimmt dazu Stellung.

Verdi sagt Streik bei Lufthansa-Cateringtochter LSG ab

Die Gewerkschaft Verdi wird die Lufthansa-Cateringtochter LSG doch nicht am Montag bestreiken. Das teilte Verdi am Sonntag in Berlin mit. Der Vorstand der Fluggesellschaft habe «kurzfristig ein verbessertes Angebot vorgelegt», und der Streik sei abgesagt.

Bundesrat stoppt Reduzierung der Mehrwertsteuer für die Bahn

Während der Bundesrat in seiner heutigen Sitzung das Bundesklimaschutzgesetz gebilligt hat, müssen die beabsichtigten Steuermaßnahmen des Klimapakets zunächst in den Vermittlungsausschuss. Zu diesen Maßnahmen zählt auch die Absenkung der Mehrwertsteuer auf 7 Prozent für die Bahn.

Kassenbon-Pflicht: Bäckermeister zeigt Papierberg bei Facebook

Ab 2020 gilt in Deutschland die Kassenbon-Pflicht, auch in der Gastronomie. Ein Bäcker aus dem Münsterland hält die Verordnung für «Wahnsinn» und demonstrierte auf Facebook den Zettelberg, der entsteht, wenn er für jedes Brötchen zwei Tage lang Bons ausgibt.

DEHOGA-Präsident Zöllick: Korridor der Sommerferien nicht verkürzen

Im Streit über die Sommerferien in Deutschland wirbt der DEHOGA dafür, die bisherige Regelung beizubehalten. Zu kurze Korridore für die Ferien führten zu Staus, ausgebuchten Reisezielen und letztlich auch zu steigenden Preisen, sagte Verbandspräsident Guido Zöllick.

EU-Sammelklage: DRV sieht Missbrauch vorprogrammiert

Der EU-Wettbewerbsrat hat heute seine Position zum Vorschlag der Europäischen Kommission zur Einführung einer Verbandsklage im Verbraucherschutz beschlossen. Sollte dies in dieser Fassung eingeführt werden, drohen Verwerfungen für die betroffenen Unternehmen, ist der DRV überzeugt.

Bundesländer streiten weiter um die Sommerferien

Die Diskussion zwischen den Ländern um die Termine für die Sommerferien in Deutschland geht weiter. Nachdem Bayern einer Neuordnung eine Absage erteilte, drohten andere Länder jetzt ebenfalls, die Sommerferien im Alleingang festlegen zu wollen.