Booking.com unter Druck durch KI?

| Technologie Technologie

Die dominante Marktstellung von Booking.com im Segment der Online-Reisebüros (OTA) steht vor einer tiefgreifenden Zäsur. Laut einer aktuellen Analyse von Hospitality.today drohe die fortschreitende Integration von Künstlicher Intelligenz in den Buchungsprozess das bisherige Fundament des Branchenriesen zu untergraben. Die Untersuchung zeigt auf, dass das Kerngeschäft, das maßgeblich auf der Steuerung der digitalen Sichtbarkeit basiert, Kontrolle an globale Technologieplattformen verlieren könnte.

Kontrollverlust über die digitale Sichtbarkeit

Ein zentraler Punkt der Analyse ist die Erkenntnis, dass Booking.com seine hohen Margen vor allem durch den Verkauf von Vorrangstellungen erzielt. Hotels zahlen über Programme wie den „Preferred Partner“-Status oder gesponserte Anzeigen für eine prominente Platzierung innerhalb der Benutzeroberfläche. Dieser Mechanismus setze jedoch voraus, dass der Reisende direkt über die Webseite oder App des Portals sucht.

Durch den Aufstieg von KI-Assistenten wie ChatGPT oder Google Gemini verlagere sich die Auswahl der Unterkünfte in die Algorithmen dieser Drittanbieter. Laut Hospitality.today könnte die Hoheit darüber, welches Hotel dem Nutzer als beste Option präsentiert wird, damit von Booking.com auf die Betreiber der KI-Modelle teilweise übergehen. Für das Portal könnte es somit schwerer werden, das Werkzeug, Premium-Platzierungen gewinnbringend zu veräußern.

Technologische Fragmentierung und neue Schnittstellen

Die Analyse verdeutlicht eine massive Zersplitterung des Marktes durch neue KI-Agenten. Während Booking.com versuche, durch Kooperationen mit Unternehmen wie OpenAI präsent zu bleiben, besetzten Technologiegiganten wie Apple mit Siri oder Amazon mit Alexa zunehmend die direkte Schnittstelle zum Endkunden. Hospitality.today weist darauf hin, dass Booking.com in dieser neuen Struktur Gefahr laufe, zu einem Infrastrukturdienstleister zu werden. Große Hotelketten speisen ihre Bestände bereits direkt in diese neuen Systeme ein. Zudem ermöglichen technische Standards wie das Model Context Protocol (MCP) auch unabhängigen Hotels, KI-Plattformen direkt zu erreichen. Eine Bündelung der Angebote über große Buchungsportale werde laut der Analyse damit technisch zunehmend entbehrlich.

Finanzielle Risiken und operative Herausforderungen

Neben dem Vertriebsweg beleuchtet Hospitality.today auch das finanzielle Risiko des sogenannten Merchant-Modells. Demnach entfallen ein großer Teil der Einnahmen von Booking.com auf die zentrale Zahlungsabwicklung, bei der das Portal von Zinsvorteilen und Gebühren profitiert. Die Analyse warnt jedoch davor, dass die aktuelle Marktbewertung des Unternehmens die drohende Erosion dieser Margen unterschätze.

Sollte die Entscheidungsgewalt über Hotelempfehlungen dauerhaft an die Betreiber der KI-Modelle wandern, müsste Booking.com unter Umständen künftig selbst hohe Summen investieren, um in deren Vorschlägen  stattzufinden. Die bisherigen Marketingausgaben, die sich im Jahr 2024 auf über sieben  Milliarden US-Dollar beliefen, könnten an Effizienz verlieren, wenn der direkte Kontakt zum Buchenden am Anfang der Suchkette unterbrochen werde.


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Deutsche sind fasziniert von Künstlicher Intelligenz, aber nur wenige vertrauen ihr uneingeschränkt. Besonders für die Reiseplanung sehen viele großes Potenzial, wobei KI-Assistenten oft als zuverlässiger gelten als traditionelle Quellen wie Influencer.

Für die deutsche Wirtschaft steht Elon Musk vor allem für eines: große Verunsicherung. Laut einer repräsentativen Befragung unter 602 Unternehmen aller Branchen sind die Vorbehalte deutlich: 63 Prozent halten Musk für gefährlich.

Seit 2025 ist Carsten Ripkens zweiter Geschäftsführer der Gastro-MIS GmbH und verantwortet die Bereiche Marketing und Vertrieb. Gemeinsam mit seinem Team treibt er die Weiterentwicklung der digitalen Plattform LINA voran – und setzt dabei auch auf künstliche Intelligenz. Warum LINA AI gerade jetzt ein echter Gamechanger in der Gastronomie ist, wie LINA Gastro-Betriebe konkret entlastet und was in Zukunft noch alles kommt, erklärt er im Interview.

Ein eklatanter Sicherheitsmangel auf einer von McDonald's genutzten Bewerbungsplattform hat die persönlichen Daten von Millionen Jobsuchender gefährdet. Nach 30 Minuten hatten zwei Sicherheitsforscher vollen Zugriff auf praktisch jede Bewerbung, die jemals bei McDonald's eingereicht wurde.

Die Digitalisierung hat das Gastgewerbe längst erreicht. Doch inmitten all der Kassensysteme, Apps und Smart Devices zeigt sich ein tieferer Wandel. Es geht nicht mehr nur um Tempo oder Kostenersparnis, sondern um ein neues Verhältnis zwischen Mensch, Maschine und Gast. Automatisierte Service-Workflows sind dabei kein Selbstzweck. Sie eröffnen Freiräume. Nicht nur für die Unternehmen, sondern auch für jene, die tagtäglich die Beziehung zum Gast gestalten.

Der Blackfoot Beach in Köln verwandelte sich am Donnerstag zum zweiten Mal in einen Treffpunkt der deutschen Hotellerie. Das Hotelrizon-Festival versammelte bei strahlendem Sonnenschein und sommerlichen Temperaturen mehr als 200 Hoteliers, Technologieanbieter und Vordenker, um gemeinsam über die aktuellen Fragen der Branche zu diskutieren.

Pressemitteilung

 IDeaS, ein SAS-Unternehmen und weltweit führender Anbieter von Revenue-Management-Software sowie -Dienstleistungen für die Hotellerie, hat eine strategische Partnerschaft mit dem Münchner Beratungsunternehmen berner+becker vereinbart. berner +becker bietet outgesourctes Revenue-Management für Hotels und gehört zu den größten Unternehmen seiner Art in der DACH-Region.

Pressemitteilung

Die neue Open API better.integrations von Betterspace vernetzt in Bürogebäuden, Kommunen, Krankenhäusern, Pflegeheimen, Hotels und anderen Nichtwohngebäuden auf einfache Weise digitale Daten. Bislang getrennte Systeme wie Energiemanagement, Raumverwaltung sowie Buchungssysteme lassen sich mit wenigen Schritten zu einer effizienten Einheit zusammenführen.

Anstatt sich auf die klassische Google-Stichwortsuche zu verlassen, erhalten potenzielle Gäste zunehmend personalisierte Empfehlungen, die auf maschinellem Lernen, Echtzeitdaten und generativer KI basieren. Für Hoteliers bedeutet dies einen Paradigmenwechsel.

Pressemitteilung

Die Hotel-Tech Branche feiert dieses Jahr in der Tiroler Hauptstadt Innsbruck. Matthias Trenkwalder und sein Team beim Revenue Management System RateBoard feiern 2025 das 10-jährige Jubiläum und veröffentlichen zum Geburtstag das innovative Benchmarking-Feature für die Ferienhotellerie.