Entschädigung von Thomas-Cook-Kunden kostet Staat weniger als angenommen

| Tourismus Tourismus

Die Entschädigungen für Kunden des insolventen Reiseveranstalters Thomas Cook kommen den Staat bislang deutlich weniger teuer zu stehen als befürchtet. Bis Ende Juni 2021 seien nur 130,5 Millionen Euro an die Opfer der Reisepleite überwiesen worden, sagte ein Sprecher des Bundesjustizministeriums am Sonntag. Ursprünglich habe Justizministerin Christine Lambrecht (SPD) mit 225 Millionen Euro gerechnet. Inzwischen seien mit 95 600 Fällen aber bereits 91 Prozent der Anmeldungen erledigt. Zuvor hatte der «Tagesspiegel» (Montag) über die Zahlen berichtet.

Hintergrund ist die Insolvenz des damals nach Tui zweitgrößten Reisekonzerns Thomas Cook im September 2019. Hunderttausende Kunden waren betroffen. Die Versicherung hatte damals nur einen Bruchteil der Kosten ersetzt, weshalb schließlich der Staat einsprang. Viele Kunden haben sich dem Sprecher zufolge aber ihr Geld nicht über das Portal zurückgeholt, das für die Auszahlung der Staatsgelder zuständig ist, sondern über andere Stellen, etwa Kreditkartenanbieter.

Erst vor wenigen Tagen haben die EU-Wettbewerbshüter eine deutsche 750-Millionen-Garantie für den neuen Fonds zur Absicherung von Pauschalreisen genehmigt. Aus dem Fonds sollen Urlauberinnen und Urlauber entschädigt werden, wenn ihr Reiseveranstalter insolvent gegangen ist und Reisen abgesagt wurden.

Der von Reiseveranstaltern finanzierte Reisesicherungsfonds soll ab dem 1. November bereitstehen und bis Ende Dezember 2026 mit rund 750 Millionen Euro gefüllt werden. Ein entsprechendes Gesetz hatte der Bundestag Mitte Juni verabschiedet. Die staatliche Garantie soll nach Angaben der EU-Kommission sicherstellen, dass stornierte Reisen auch dann erstattet werden können, auch wenn in dem Fonds nicht genügend Geld vorhanden ist.

Hintergrund der Regelung ist die Insolvenz des Reisekonzerns Thomas Cook im September 2019. Die Versicherung hatte damals nur einen Bruchteil der Kosten ersetzt, weshalb schließlich der Staat einsprang und bis Mitte November fast 40 Millionen Euro an Thomas-Cook-Kunden auszahlte. Der Fonds soll künftig Vorauszahlungen der Kunden, den Rücktransport gestrandeter Urlauber sowie deren Unterbringung bis zum Rücktransport garantieren.

Er löst grundsätzlich die bisherige Absicherung durch Versicherungen oder Bankbürgschaften ab. Von der Pflicht, in den Reisesicherungsfonds einzuzahlen, werden nur kleinere Unternehmen mit einem Jahresumsatz von unter zehn Millionen Euro ausgenommen. (dpa)


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Qatar Airways fliegt Siegerpokal über alle Stadien der Fußball-Weltmeisterschaft

Qatar Airways, die offizielle Fluggesellschaft der FIFA, überflog im Rahmen der eintägigen Feierlichkeiten ein Jahr vor dem Turnier alle acht Stadien der FIFA Fußball-Weltmeisterschaft Qatar 2022. An Bord des Flugzeugs befand sich die Siegertrophäe sowie eine besondere FIFA-Legende.  

Sommer 2022: Griechenland, Mallorca und Türkei bei Tui-Buchungen vorn

Die Buchungen für den Reisesommer 2022 ziehen weiter an. Ziele wie die Balearen, Griechenland und die Türkei zeigen aktuell die höchsten Vorausbuchungen, erklärte Stefan Baumert, Vorsitzender der TUI Deutschland Geschäftsführung anlässlich der Vorstellung des Sommerprogramms 2022.

Ruhiger Saisonstart an der Zugspitze

Strahlende Sonne, gut präparierte Pisten - erstmals seit anderthalb Jahren konnten Skifahrer an der Zugspitze wieder in Lifte steigen und ihre Schwünge ziehen. Dennoch blieb es am ersten langen Saison-Wochenende vergleichsweise ruhig.

Was die Reisewarnungen für Urlauber bedeuten

Immer mehr Länder in Europa werden zu Corona-Hochrisikogebieten. Außerdem gibt es teils neue Einschränkungen - bis zum Lockdown in Österreich. Drohen jetzt hohe Stornogebühren? Die Rechtslage.

Tui: Reiselust der Deutschen trotz Corona ungebrochen

Trotz steigender Infektionszahlen, strengeren Corona-Vorgaben und Länder-Warnhinweisen des Auswärtigen Amts sieht Tui eine «neue Normalität» in der Touristikbranche.

Wieder mehr Touristen in Hamburg

Der Hamburg-Tourismus hat auch im September deutlich zugelegt. Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Zahl der Gäste um fast 19 Prozent auf 459.533. Vom alten Niveau ist der für die Hamburger Wirtschaft wichtige Fremdenverkehr aber noch immer weit entfernt.

National Geographic kürt Ruhrgebiet als eines von 25 Top-Reisezielen weltweit

Das Ruhrgebiet ist vom renommierten Reisemagazin «National Geographic» als eines von 25 Top-Reisezielen weltweit ausgezeichnet worden. Deutschlands größter Industrie-Ballungsraum wurde unter der Rubrik «Nachhaltigkeit» gewürdigt.

Tourismusmesse «Touristik & Caravaning» öffnet in Leipzig

Auf dem Leipziger Messegelände öffnet am Mittwoch die Tourismusmesse «Touristik & Caravaning». Für die Veranstaltung gelten Corona-Regeln, wie eine Sprecherin sagte. Besucher müssen entweder geimpft oder genesen sein (2G) oder einen negativen PCR-Test vorlegen.

Saisonstart in Ischgl ohne Konzert

Nach dem Corona-Desaster 2020 verzichtet der österreichische Wintersportort Ischgl zum Start der diesjährigen Wintersaison am 25. November auf das traditionelle Eröffnungskonzert. Geplant waren der Auftritt eines Pop-Trios sowie der italienischen Popsängerin Alice.

Rund 50 Mrd. Euro Verlust in deutschen Tourismusdestinationen im 1. Halbjahr

Nach aktuellen Berechnungen der Tourismusberatung dwif beläuft sich der Umsatzausfall in den Destinationen in Deutschland für den Zeitraum Januar bis Juni 2021 auf 50 Mrd. Euro. Der Tages- und der Übernachtungstourismus sind davon fast gleichermaßen betroffen.