Nur Singles und Senioren? Für wen ist eine Gruppenreise die richtige Entscheidung?

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Wanderreisen, Städtetrips, Partyurlaub: Der Markt für Gruppenreisen ist vielfältig. Oft richtet sich das Angebot an Singles und Senioren. Aber auch Familien und Paare werden gezielt angesprochen.

Häufig bucht man bei der Gruppenreise gleich eine ganze Palette an gemeinsamen Ausflügen, Essen und geführten Touren mit. Doch hier gilt: Alles kann, nichts muss, sagt die Berlinerin Ines Quade. Sie hat sich schon mehrerer solcher Reisegruppen angeschlossen. Zwar würden einem die gemeinsamen Aktivitäten auf dem Silbertablett geliefert, doch Reisende haben immer die Wahl.

Die Gruppengröße variiert je nach Reiseart und Ziel. Bei dem kleinen Veranstalter Biankas Reisen aus dem sachsen-anhaltinischen Roitzsch sind es in der Regel 16 bis 25 Teilnehmer. Bei 40 sei definitiv Schluss, sagt Inhaberin Bianka Schwarzenberg. Sie betreibt auch ein auf Singlereisen spezialisiertes Reisebüro.

Die Urlauber sind ihrer Erfahrung nach zwischen 46 und 66 Jahre alt, sagt Schwarzenberg. Doch darauf komme es nicht an. Wichtig sei, dass Gäste sich fit, locker und aufgeschlossen fühlen. «Es gibt 69-Jährige, die sind fitter als ich mit 48», sagt sie.

Frauen sind bei Gruppenreisen häufig in der Überzahl

Rund 90 Prozent der Reisenden sind bei Biankas Reisen weiblich. «Frauen trauen sich mehr, gehen eher alleine auf Reisen, brauchen aber auch mehr Sicherheit», sagt Schwarzenberg.

Diese Einschätzung deckt sich mit den Beobachtungen von Psychologin und Reisetherapeutin Christina Miro. Der Anteil an alleinreisenden Frauen sei in den vergangenen Jahren zwar gestiegen. Doch fremde Länder solo zu bereisen, sei für viele ungewohnt. Wegen des Sicherheitsaspekts bietet sich eine Reisegruppe an.

Bei Gebeco ist das Gästeverhältnis ausgeglichener. Die Teilnehmer des Erlebnisreise-Anbieters sind in der Regel Paare. Unterschiede liegen demnach eher in der Reiseart begründet. Bei Wanderreisen schlössen sich eher Frauen an. Bei besonders exotischen Reiseländern blieben diese dafür zu Hause und ließen ihre Partner alleine ziehen.

Gruppenurlaub stärkt das Zugehörigkeitsgefühl

Doch was spricht noch für das Reisen in der Gruppe? Ist Urlaub ohne fremde und womögliche nervige Mitreisende nicht schöner?

«Aus evolutionärer Sicht fördert die Gruppenbildung das Überleben», sagt Psychologin Miro. Ein Tourist befinde sich immer auf fremdem Territorium. Gruppe und Reiseführer sorgen für mehr Sicherheit. Außerdem fördere das Reisen in einer festen, homogenen Gruppe das Zugehörigkeitsgefühl. «Und wer sich zu einer Gruppe zugehörig fühlt, fühlt sich dementsprechend wohl.»

Im Gegenzug müssten Reisende sich an Gruppenregeln halten und ihre eigenen Interessen zugunsten der Gemeinschaft zurückstellen, erklärt Miro. Wer dabei keine Kompromisse eingehen möchte, dem rät auch Bianka Schwarzenberg von einer Gruppenreise ab.

Geeignet sind solche Reisen insbesondere für Menschen, die sich im Vorfeld nicht um die gesamte Organisation kümmern und während des Urlaubs in kurzer Zeit viel sehen möchten, wie Christina Miro sagt. Eine Gruppenreise biete den optimalen Raum, wenn man offen für neue Erfahrungen sei und gerne neue Leute kennenlerne.

Andersherum rät die Psychologin: Wer lieber für sich ist und sich ungern in der Gruppe aufhält, bucht lieber eine Individualreise.

Neue Freundschaften statt Partnersuche

Ines Quade gefällt an Gruppenreisen besonders, dass sie immer mit Gleichgesinnten unterwegs ist. Das mache das Kennenlernen so leicht, weil man sich auf Augenhöhe begegne. Außerdem könne es helfen, den Blickwinkel zu weiten. Einen Partner hat sie bei ihren Gruppenreisen nicht gefunden, aber auch nicht gesucht. Stattdessen habe sie neue Freundschaften geschlossen, die sie auch nach den Reisen pflege.

Wer zum ersten mal einen Urlaub in einer unbekannten Reisegruppe bucht, sollte sich vorher gut beraten lassen. Bianka Schwarzenberg klopft bei einem ersten Telefonat die Sorgen und Wünsche der potenziellen Teilnehmer ab. Außerdem sei es sinnvoll, sich zunächst mit einem Wochenendtrip vorsichtig heranzutasten. Wenn das Reisen in der Gruppe dann nicht gefällt, muss man es nicht lange ertragen.

Die Zielgruppe sollte passen

Reisetherapeutin Miro rät zu gründlicher Recherche. Interessierte sollten ein Angebot finden, das zu ihren Bedürfnissen passt. Aber man selbst sollte auch zur Zielgruppe der Reise passen. Das erhöhe den Wohlfühlfaktor. Klar ist: Der Kulturtourist passt nicht recht in einer Gruppe von Partyurlaubern. Und eher gemütliche Typen werden an eng getaktetem Sightseeing womöglich wenig Freude haben.

«Diejenigen, die sehr unsicher sind, können bei der ersten Gruppenreise auch jemanden aus dem sozialen Umfeld mitnehmen.» Also Partnerin oder Partner, eine Freundin oder einen Verwandten.

Was tun, wenn es in der Gruppe so gar nicht passt? Erst einmal habe sie erlebt, dass die Harmonie in der Gruppe getrübt gewesen sei, weil Einzelpersonen ausgeschert seien, berichtet Bianka Schwarzenberg. Anbieter Gebeco verweist auf die Reiseleiter und verspricht, dass diese die Gruppe immer wieder zusammenbringen könnten.

Ines Quade muss nicht mehr überzeugt werden. Sie hat schon ihre nächsten Gruppenreisen gebucht: Ende Oktober geht es nach Fehmarn, über Weihnachten nach Kassel und im kommenden Sommer nach Ägypten und anschließend nach Teneriffa. Das sind nicht nur viele Urlaube, sondern für sie auch jede Menge Gelegenheiten für neue Freundschaften. (dpa)


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