Darf mein Arbeitgeber jetzt einen Corona-Schnelltest verlangen?

| Zahlen & Fakten Zahlen & Fakten

Weitere Öffnungsschritte in der Corona-Pandemie sollen auch durch vermehrt eingesetzte Schnelltests möglich werden. Die Anwendung ist relativ unkompliziert, der Test fix gemacht - zum Beispiel vor der Arbeit. Aber dürfen Arbeitgeber von ihren Beschäftigten einen solchen Schnelltest verlangen?

«Eine schwierige Frage», sagt Johannes Schipp, Fachanwalt für Arbeitsrecht in Gütersloh. Schließlich gibt es dazu noch keine Rechtsprechung. Der Fachanwalt hat aber eine Einschätzung: «Meine persönliche Meinung geht klar dahin, dass Arbeitgeber einen solchen Schnelltest verlangen können.» Arbeitgeber seien zum Beispiel ihren Kunden und auch ihren Arbeitnehmern gegenüber verpflichtet.


Anzeige

Corona-Selbsttest jetzt verfügbar

Der Antigen-Schnelltest der Marke BOSON wurde gerade zur Eigenanwendung in Deutschland zugelassen. Im Tageskarte-Shop ist der einfache Test jetzt schon in einer Großverpackung (250 Tests) verfüg- und lieferbar. Kleinere Verpackungseinheiten und weitere Tests folgen in den nächsten Tagen.

Hier mehr erfahren und kaufen


Infizierte schnell identifizieren

«In einer solchen Pandemie-Situation müssen Arbeitgeber zum Schutz der Beschäftigten versuchen, möglichst schnell zu identifizieren, ob jemand erkrankt ist. Insbesondere weil viele Erkrankte ja auch gar keine Symptome zeigen», sagt Schipp. Das heißt: Wo Kontakte mit Kunden oder anderen Arbeitnehmern für Beschäftigte unvermeidbar sind, müssen sich Arbeitnehmer wohl auf Verlangen des Arbeitgebers einem Test unterziehen.

Und was, wenn sich Arbeitnehmer weigern, einen Corona-Schnelltest zu machen? Schipp sieht das so: «Wer sich weigert, den wird der Arbeitgeber nach Hause schicken können.» Die Person bekomme dann unter Umständen auch keinen Lohn, weil sie ihre Arbeitsleistung nicht erbringt.

Wer Test verlangt, muss auch zahlen

Die Kosten für Schnelltests muss dem Fachanwalt zufolge aber grundsätzlich der Arbeitgeber tragen, wenn er sie verlangt.

Wie oft Arbeitgeber einen Test verlangen können, ist laut Schipp ebenfalls schwierig zu beantworten und hängt von den Umständen des Einzelfalls ab. Es sei aber durchaus denkbar, dass es in bestimmten Jobs für den Arbeitgeber zulässig ist, täglich einen Test zu verlangen. «Vorausgesetzt, es sind überhaupt so viele Schnelltests verfügbar», so Schipp.

Zur Person: Johannes Schipp ist Fachanwalt für Arbeitsrecht in Gütersloh und Vorsitzender des Geschäftsführenden Ausschusses Arbeitsrecht im Deutschen Anwaltverein.


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Britische Studie: In welchen Berufen (zu) viel getrunken wird

Die Arbeit in bestimmten Branchen scheint mit einem hohen Alkoholkonsum einherzugehen. Wie die Forscher berichten, sei ein solcher Konsum vor allem in Handwerksberufen sowie im Gastgewerbe wahrscheinlich. Die geringsten Raten schwerer Trinker fanden sich unter Geistlichen und Meteorologen.

Corona-Lage auf Mallorca inzwischen besser als in Deutschland

Die Corona-Lage auf des Deutschen liebster Urlaubs-Insel Mallorca und auf den anderen Balearen verbessert sich im Zuge des strengen Lockdowns weiterhin rapide. Die spanische Region meldete am Dienstag nur noch 52 Neuinfektionen binnen 24 Stunden.

USA: Verbraucher wollen wegen Impfungen wieder mehr reisen

Seit Beginn der Corona-Pandemie führt Deloitte wöchentliche Umfragen in den USA durch. Nach fast 30 Millionen verabreichten Impfdosen zeigen die jüngsten Antworten eine Verbesserung der Reiseabsichten und eine zunehmende Aktivität der Verbraucher.

Berliner Übernachtungen auf Niveau von 2001

Wegen der Corona-Krise sind die Touristenzahlen in Berlin im vergangenen Jahr eingebrochen: Rund 4,95 Millionen Gäste kamen 2020 in die Hauptstadt und damit so viele wie zuletzt im Jahr 2001. Im Vergleich zum Rekordjahr 2019 ein Rückgang um fast 65 Prozent.

Ifo-Geschäftsklima hellt sich trotz Lockdowns auf

Die Stimmung in den deutschen Unternehmen hat sich im Februar trotz Corona-Beschränkungen aufgehellt. Verglichen mit dem Vormonat stieg das Ifo-Geschäftsklima um 2,1 Punkte auf 92,4 Zähler, wie das Ifo-Institut mitteilte. Das ist der höchste Stand seit Oktober.

Tourismus-Einbruch in Niedersachsen und Bremen in Zahlen

Reisebeschränkungen, abgesagte Veranstaltungen und zwei Lockdowns: Die Corona-Krise hat nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes der Tourismusbranche in Niedersachsen und Bremen einen herben Schlag versetzt. Nun werden Rufe nach schnellen Öffnungen lauter.

Darf im Arbeitszeugnis stehen, wer warum gekündigt hat?

Arbeitsverhältnisse enden mal auf Wunsch des Arbeitnehmers, in anderen Fällen kündigt der Arbeitgeber. Aber gehören die Details dazu ins Arbeitszeugnis? Ein Rechtsexperte klärt auf.

28 Prozent der Unternehmen im Gastgewerbe wollen weniger oder gar keine Azubis

Deutschland ist so stolz auf seine duale Berufsausbildung. In der Corona-Krise stellen die Unternehmen jedoch deutlich weniger Lehrstellen zur Verfügung. Besonders düster sieht es laut einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung im Gastgewerbe aus.

Studie: Immer mehr verzichten auf Fleisch

Wie viele Menschen ernähren sich fleischlos und warum entscheiden sich Flexitarier, Vegetarier oder Veganer, auf Fleisch zu verzichten? Welcher Fleischersatz ist am beliebtesten und was ist beim Kauf entscheidend? Eine neue Studie gibt die Antworten.

Umsatz des Südwest-Gastgewerbes bricht um mehr als ein Drittel ein

Der Umsatz im baden-württembergischen Gastgewerbe ist im Vorjahr coronabedingt um mehr als ein Drittel eingebrochen. Hotels und Pensionen waren mit einem Umsatzminus von 44,4 Prozent noch härter getroffen als die Gastronomie, die um 31,9 Prozent schrumpfte.