Nicht nur Trick 17: Wie man Stress auf Dienstreisen minimiert

| Zahlen & Fakten Zahlen & Fakten

Von einem Flieger in den nächsten - heute hier, morgen dort. Das hört sich glamourös an, für viele Arbeitnehmer sind Dienstreisen allerdings oft eher stressig.

Denn eine Geschäftsreise beginnt in der Regel nicht erst mit dem Moment, wenn Berufstätige ins Auto, den Zug oder das Flugzeug steigen. «Eine Dienstreise frisst auch sehr viel Zeit im Vorfeld und der Nachbereitung», sagt Christopher Schulz, der als Berater häufig unterwegs ist und ein Buch zum Thema geschrieben hat. Einer seiner Ratschläge lautet daher: «Die beste Dienstreise ist die, die gar nicht stattfindet.» 

Das ist natürlich nicht immer umsetzbar. Für Schulz folgt daraus: Gerade wer oft unterwegs ist, sollte die Reisezeiten nach Möglichkeit verkürzen oder zusammenlegen. Heißt: Wo es sich anbietet, kombiniert man Termine und nutzt so Synergien. «Dann fährt man im Idealfall zumindest nicht jede Woche zum Ort der Dienstreise, sondern vielleicht nur alle zwölf Tage.»

Antizyklisches Reisen: Volle Züge und Straßen vermeiden

Bei der Planung ist zudem darauf zu achten, möglichst antizyklisch zu reisen. Am besten setzt man sich nicht mit allen anderen Montagmorgen in Bewegung, sondern setzt auf Tage und Zeiten, an denen in der Bahn und auf den Straßen nicht ganz so viel los ist. «Das reduziert den Stress, senkt fast immer den Zeitbedarf und reduziert auch meist die Kosten», sagt Schulz.

Wer für ein bestimmtes Projekt für einige Wochen oder Monate immer wieder die gleiche Strecke zurücklegen muss, sollte sich Schulz zufolge ein Setting suchen und das immer weiter optimieren. «Man nimmt die immer gleiche Verbindung, das immer gleiche Hotel und hat dann die immer gleiche Abrechnung.» Das klingt zwar langweilig, spare aber den Aufwand bei der Planung und erleichtere die Umsetzung vor Ort.

Auch die beste Vorbereitung bewahrt Dienstreisende nicht vor Unerwartetem, sei es ein Unwetter, das den Bahnverkehr lahmlegt oder Flüge, die wegen Streik ausfallen. Beschäftigte müssen sich dann keine Vorwürfe machen, sagt Jutta Boenig von der Deutschen Gesellschaft für Karriereberatung. Dann falle es auch etwas leichter sich nicht aufzuregen, sondern die Situation zu akzeptieren und Plan B abzurufen.

Bei Verspätung gibt's eine Belohnung

Berater Christopher Schulz hat einen psychologischen Trick parat, den er oft selbst anwendet. «Alle Flüge sind gecancelt oder man ist mal wieder gestrandet - für solche Situationen reserviere ich mir eine besondere Belohnung.» Man könne sich etwa einen ganz speziellen Kaffee gönnen, den man sonst nicht trinkt oder die neueste Folge der Lieblingsserie anschauen.

Bei gut bezahlten Managern ist die zeitintensive Dienstreise mit all ihren Strapazen durch das Gehalt abgegolten, bei Facharbeitern und einfachen Angestellten sieht die Sache dagegen anders aus. «Es ist so, dass die Mühen des Reisens durch die Rechtsprechung nicht ausreichend gewürdigt werden», sagt Alexander Bredereck, Fachanwalt für Arbeitsrecht.

Vieles sei nicht klar geregelt, daher gebe es oft Streitigkeiten zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Das fängt schon bei der Anreise an. Will der Arbeitgeber, dass sein Angestellter mit dem Auto anreist, so ist die Sache klar: Die Fahrt ist Arbeitszeit, schließlich muss der Arbeitgeber den PKW selbst steuern. Wird als Transportmittel das Flugzeug oder die Bahn genutzt und es gibt keine Arbeit, die während der Reise erledigt werden muss, gilt das als Freizeit. Auch wenn es sich nicht so anfühlt.

Aus der Praxis weiß Alexander Bredereck, dass es häufig zum Kompromiss kommt: Dann gilt die Hinreise als Arbeitszeit, weil sie zur Vorbereitung auf den Kundentermin genutzt werden soll. Die Rückreise ist allerdings Freizeit. Gehe aber ein ganzer Arbeitstag nur für An-, oder Abreise drauf, müsse das vergütet werden. Auch Übernachtungen müssten vom Arbeitgeber übernommen werden, wenn die Tagesarbeitszeit erreicht sei. «Bei Dienstreisen ist die Dunkelziffer für Überschreitungen des Arbeitszeitgesetzes hoch.»

Unsicherheitsfaktoren ausschließen

Viel Arbeit, wenig Schlaf, ein komplett anderer Tagesrhythmus - das kann ganz schön an die Substanz gehen. Für Christopher Schulz ist klar: Stress lässt sich reduzieren, wenn möglichst viele Unsicherheitsfaktoren ausgeschlossen werden. Handy und Laptop sind voll aufgeladen, bei langen Reisen werden die Unterlagen zusätzlich ausgedruckt.

Wer auf seine Reise mit einer fremden Sprachen, ungewohnten Verkehrsmitteln oder einen fremden Kultur konfrontiert ist, kann das zumindest mit der Wahl der Unterkunft ausgleichen. «In dem Fall buchen Sie lieber ein Zimmer in einer Hotelkette, das ist dann zwar langweilig, aber Sie müssen auch keine Überraschung erwarten.» 

Ansonsten lautet die Faustregel: Die Unterkunft sollte entweder nahe am Transportkreuz liegen - dann sind Geschäftsreisende schnell am Bahnhof oder Flughafen. Oder man bucht ein Zimmer, das in der Nähe des Kunden liegt, um am Tag des Termins zumindest nicht durch den Berufsverkehr zu müssen. «Und Messe und Großveranstaltungen sollte man immer auf dem Radar haben», sagt Schulz. Für solche Fälle sei es oft entspannter, einen Ausweichtermin zu suchen.

Die Leerlaufzeiten auf Geschäftsreisen nutzt der Berater für Aufgaben, die er in fünf bis zehn Minuten erledigen kann, ohne Hochkonzentration. «Da kann man sich einen Sammler anlegen und das nach und nach abarbeiten - zum Beispiel Reisekosten abrechnen oder eine Präsentationslayout überarbeiten.» Auch die Weihnachtspost zum Beispiel lasse sich gut auf einer Zugfahrt erledigen.

Wichtig ist Jutta Boenig zufolge, die im regulären Betrieb anfallende Arbeit zu delegieren. «Man sollte nicht denken, dass man auf dem Weg zum Flughafen noch zehn Dinge hinbekommt.» Geregelt kriege man das vielleicht schon, komme aber am Ende total erschöpft beim Geschäftstermin an.

Von Henrike Mielke und Amelie Breitenhuber, dpa


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Lebensmittelhändler planen vorläufig keine Sonntagsöffnung

Die großen deutschen Supermarkt- und Discountketten wollen ihre Geschäfte auch weiterhin nicht am Sonntag öffnen. Edeka, Rewe, Aldi und Lidl betonten bei einer Umfrage, an den gewohnten Öffnungszeiten von Montag bis Samstag festhalten zu wollen.

Ifo-Institut: Corona-Rezession kommt, Sorge vor neuer Staatsschuldenkrise

Die Corona-Krise wird die deutsche Wirtschaft nach Einschätzung des Münchner ifo-Instituts in die Rezession stürzen. Wie schwer diese ausfallen wird, ist jedoch mit extrem hohen Unsicherheiten behaftet. so Ifo-Präsident Clemens Fuest.

Bürger schränken Sozialkontakte nicht ein

Trotz einhelliger Appelle aus Politik und Wissenschaft sind viele Menschen in Deutschland nicht dazu bereit, ihre sozialen Kontakte zu reduzieren, um die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen. Nur jeder Zweite vermeidet es, unnötig auf die Straße zu gehen, so eine Bitkom-Umfrage.

50 Milliarden Euro: Regierung plant Hilfspaket für Solo-Selbständige und Kleinstfirmen

Die Folgen der Corona-Krise mit drastischen Einschnitten im öffentlichen Leben belasten viele Mini-Firmen und Solo-Selbständige massiv. Die Bundesregierung will ihnen nun helfen. Mit einem Hilfspaket von insgesamt bis zu 50 Milliarden Euro.

Rückholaktion für Deutsche läuft weiter

Die in der Coronakrise gestartete internationale Rückholaktion für Deutsche geht weiter. Bundesaußenminister Heiko Maas hatte angekündigt, 30 bis 40 Maschinen bei Lufthansa, Condor und Tui zu chartern, um Deutsche zurückzuholen. Die Bundesregierung will dafür bis zu 50 Millionen Euro ausgeben.

4,8 Milliarden Euro Umsatzausfall bei Reiseveranstaltern und Reisebüros

Der Umsatzausfall bei den deutschen Reiseveranstaltern und Reisebüros summiert sich nach Hochrechnungen des Deutschen Reiseverbandes alleine bis Ende April auf mehr als 4,8 Milliarden Euro – und der Finanzbedarf wird weiter steigen, wenn die Krise weiter andauert.

Kurzarbeit bei Tui von April bis September

Bei Tui Deutschland sollen die Beschäftigten wegen der schwierigen Geschäftslage durch die Coronakrise für ein halbes Jahr in Kurzarbeit gehen. Die mit dem Management vereinbarte Regelung greift für die Zeit vom 1. April bis zum 30. September.

Interview: „Nach der Krise gibt es ein neues Gemeinschaftsgefühl“

Das Coronavirus breitet sich weiter aus. Mit am stärksten zu spüren bekommt das der Tourismussektor. Michael Oberhofer, Inhaber der Hotel-Marketing-Agentur  brandnamic Südtirol, spricht im Interview über die aktuelle Lage in der Destination und blickt in eine Zukunft mit „mehr Solidarität“.

HRS will umbuchen statt stornieren und „Upgrades“

HRS hat sich mit einem Schreiben an seine „Hotelpartner“ und an Hotelgäste gewandt und will erwirken, dass Übernachtungen nicht abgesagt, sondern auf einen späteren Zeitpunkt umgebucht werden. Um natürlich auch möglichst viele Provisionen zu sichern, wünscht das Unternehmen „Upgrades“ von den Hotels.

Leere Straßen in Berlins Party-Kiezen

Das rigorose Schließen der Berliner Restaurants am Mittwochabend und zuvor schon der Bars und Kneipen wegen der Coronavirus-Pandemie hat nach Einschätzung von Beobachtern deutliche Wirkung im Nachtleben gezeigt.