So unterscheiden sich Corona-Symptome von Erkältung und Grippe

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Mit dem Herbst kommen die kalten, nassen Tage - für viele Menschen verbunden mit Erkältungen und grippalen Infekten, die verschiedene Auslöser haben können. Zwischen Anfang Oktober und Mitte Mai zirkulieren nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) aber auch Influenzaviren, die die Grippe hervorrufen. In diesem Jahr kommt nun noch die Corona-Pandemie hinzu.

Eine klare Diagnose, welche Infektion im Einzelfall vorliegt, ist für Betroffene wie für Mediziner nicht ganz einfach. Zu sehr gleichen sich die Symptome: Das RKI nennt in seinem «Corona-Steckbrief» als häufigste Anzeichen bei Covid-19 Husten (bei 45 Prozent der erfassten Fälle) und Fieber (38 Prozent). Daneben würden von vielen Patienten auch Schnupfen (20 Prozent) und ein Verlust des Geruchs- und Geschmackssinns (15 Prozent) gemeldet.

Das Gesundheitsportal «aponet.de» hat im Auftrag von Apotheken verglichen, welche Symptome bei Covid-19 und welche bei Grippe besonders häufig festgestellt werden. Typisch für beide Krankheiten sind demnach plötzlich auftretender Husten und Fieber sowie allgemeine Schwächegefühle. Hals, Kopf- und Gliederschmerzen sowie laufende Nasen würden deutlich häufiger bei Grippe-Patienten gemeldet, Geruchs- und Geschmacksverlust kämen hingegen bei Covid-Erkrankten öfter vor. Letzte Sicherheit über den Auslöser solcher Beschwerden gebe es aber letztlich nur durch einen Labortest.

Leichter abzugrenzen gegen diese beiden Krankheiten sind nach Aussage der Apotheker dagegen «banale Erkältungen». Deren typische Symptome wie Halsschmerzen, Schnupfen, Abgeschlagenheit und Kopfschmerzen träten meist schleichend über mehrere Tage auf. Man fühlt sich zwar krank, aber nicht so vollkommen kraftlos wie bei einer echten Grippe.

Der Anteil sehr schwerer Verläufe ist bei Corona-Erkrankten deutlich höher als bei Grippe-Patienten. Das geht aus einer aktuellen RKI-Studie hervor. Im Schnitt blieben Covid-19-Patienten demnach länger in stationärer Behandlung und öfter und länger auf der Intensivstation. 22 Prozent der Covid-19-Patienten, aber nur 14 Prozent der Grippe-Patienten mussten an Beatmungsgeräte angeschlossen werden.


Das Online-Portal Vergleich.org hat eine Infografik erstellt, die auf einen Blick zeigt, welche Symptome für welche Erkrankung typisch sind.

Hauptsymptome einer Corona-Infektion
Die häufigsten Symptome einer Infektion mit dem Coronavirus sind Fieber und trockener Husten. Auch Gliederschmerzen, Halsschmerzen, Kopfweh und Müdigkeit können vorkommen. Eine Besonderheit der Corona-Infektion ist der Verlust von Geruchs- und Geschmackssinn ohne Schnupfen. Allerdings kann dieses Symptom auch hin und wieder bei einer Grippe auftreten, sodass dieses keine eindeutige Differentialdiagnose ermöglicht. Nur selten kommt es zu produktivem Husten, Schnupfen und Niesen. Diese Symptome sprechen eher für eine Erkältung.

Hauptsymptome einer Grippe
Bei einer Grippe verschlechtert sich das Befinden meist recht schnell und es entwickelt sich ein starkes Krankheitsgefühl. Oft kommt es zu hohem Fieber, das auch von Schüttelfrost begleitet werden kann. Auch Kopf- und Gliederschmerzen sind häufig.

Betroffene fühlen sich sehr müde und abgeschlagen und werden oft von trockenem Husten geplagt. Bei einer Grippe ist es sehr wichtig, sich komplett auszukurieren, da es sonst zu ernsthaften Folgeschäden wie einer Herzmuskel- oder Hirnhautentzündung kommen kann.

Besonders gefährdet hierfür sind Risikogruppen wie Ältere, Schwangere, Kinder und Menschen mit Vorerkrankungen. Gerade in der Corona-Zeit sollten sich diese Menschen gegen Grippeimpfen lassen, auch um das Gesundheitssystem zu entlasten. Doch grundsätzlich ist eine Grippeimpfung für alle sinnvoll, vor allem, wenn sie viel Kontakt mit alten oder kranken Menschen haben.

Hauptsymptome einer Erkältung
Die Erkältung kündigt sich fast immer mit Halsschmerzen und Schluckbeschwerden an. Meist kommt es kurz danach zum Schnupfen, später gesellt sich oft noch Husten dazu. Dieser kann anfangs trocken sein, entwickelt sich dann aber meist zu einem produktiven Husten mit Auswurf. Hustenlösende Mittel können den Prozess des Abhustens unterstützen, damit keine Superinfektion entsteht.

Auch Kopf- und Gliederschmerzen sowie Abgeschlagenheit kommen oft hinzu. Schonung ist bei einer Erkältung angesagt, auch sollte man den Kontakt mit anderen vermeiden, um sie nicht anzustecken. Bettruhe ist meist nicht nötig, aber viel Schlaf hilft dem Immunsystem dabei, seine Arbeit zu leisten. Auch die Erkältung muss gut auskuriert werden, damit es nicht zu einer Verschleppung und Chronifizierung der Symptome kommt.

Unklare Symptome immer abklären lassen
“Unsere Infografik soll eine erste Orientierung geben. Leider sind die Symptome von Covid-19, Grippe und Erkältung sich aber recht ähnlich und auch oft eher unspezifisch, sodass Sie im Zweifelsfall lieber Ihren Arzt fragen und unter Umständen einen Test machen sollten”, so eine Redakteurin von Vergleich.org.

Zudem bleiben auch ca. 20 Prozent der mit Covid-19 Infizierten symptomfrei. Daher ist es umso wichtiger, die gängigen Regeln wie Abstand halten, Hygiene und Alltagsmaske (“AHA”) einzuhalten. Jetzt in der kälteren Jahreszeit kommt noch “L” für Lüften dazu. Bei leichten Symptomen gilt zunächst: Ruhe bewahren und ggf. mit Ihrem Arzt sprechen. Einen Test sollten Sie auf jeden Fall machen, wenn Sie mit einer nachweislich infizierten Person Kontakt hatten oder schwerere Symptome entwickeln.


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Grippe oder Covid-19? Diagnose anfangs laut Virologin Ciesek knifflig

Die üblicherweise zum Winteranfang beginnende Grippesaison und die gleichzeitig andauernde Corona-Pandemie werden die Ärzte nach Ansicht der Frankfurter Virologin Sandra Ciesek vor besondere Herausforderungen stellen. Es lasse sich anfangs nicht leicht beantworten, ob eine Grippe oder eine Infektion mit der vom Coronavirus Sars-CoV-2 ausgelösten Krankheit Covid-19 vorliege, sagte Ciesek der Deutschen Presse-Agentur.

«Die Symptomatik kann insbesondere in der Frühphase der Infektion sehr ähnlich sein», erklärte die Professorin für Medizinische Virologie an der Frankfurter Goethe-Universität. «Bei beiden Erkrankungen sind Fieber, Kopfschmerzen, Halsschmerzen, Schnupfen und abdominelle Beschwerden wie Bauchschmerzen und Erbrechen häufige Symptome.» Ohne einen Test könnten die Symptome nicht sicher unterschieden werden.

Ob eine Grippe oder Covid-19 für den Einzelnen gefährlicher sei, lasse sich nur sehr schwer sagen. «Die Gefahr, an Covid-19 zu sterben, ist nämlich sehr stark altersabhängig», sagte Ciesek. «Insgesamt kann man festhalten, dass bei älteren Menschen Covid-19 noch viel gefährlicher ist als Influenza.» Die Corona-Pandemie müsse ernstgenommen werden und sei nicht mit einer Grippewelle zu vergleichen.

Vermeidbare Gesundheitsrisiken erhöhen Corona-Todesrisiko

Die Corona-Pandemie trifft auf eine Weltbevölkerung, deren Gesundheit ohnehin schon gefährdet ist. Das ist das Fazit einer der weltweit größten Gesundheitsstudien. Besondere Risikofaktoren seien Übergewicht, ein zu hoher Blutzuckerwert, mangelnde Bewegung und Luftverschmutzung durch Feinstaub sowie die damit einhergehenden Krankheiten. Jene Faktoren bedrohten zudem die gesundheitlichen Fortschritte der vergangenen Jahrzehnte, heißt es in der jüngsten Ausgabe der Studienserie «Global Burden of Disease», die in der Fachzeitschrift «The Lancet» veröffentlicht wurde. Die Gesundheitsdaten aus Deutschland zeichnen dabei ein nicht ganz so düsteres Bild, doch auch hierzulande beobachten die Wissenschaftler besorgniserregende Entwicklungen.

Die Autoren der Studie analysierten 286 Todesursachen, 369 Krankheiten und Verletzungen sowie 87 Risikofaktoren in 204 Ländern und Regionen. Das mehrere Tausend Seiten umfassende Ergebnis zeigt nach Angaben der Forscher auf welchen grundlegenden Gesundheitszustand die Covid-19-Pandemie global traf. Die Interaktion von Covid-19 und dem kontinuierlichen weltweiten Anstieg von chronischen Erkrankungen und gesundheitlichen Risikofaktoren habe die Zahl der Todesfälle infolge der Pandemie erhöht. Insgesamt mache ihre Untersuchung deutlich, dass rund um den Globus zu wenig getan werde, um gesündere Verhaltensweisen zu fördern.

«Viele dieser Risikofaktoren sind vermeidbar und behandelbar, und ihre Bekämpfung wird enorme soziale und wirtschaftliche Vorteile bringen», kommentiert Studienleiter Christopher Murray von der University of Washington in Seattle.

Regional betrachtet würden gesundheitliche Verbesserungen in Ländern mit hohem Einkommen stagnieren, in manchen wie in den USA sogar zurückgehen. Gleichzeitig hätten Länder mit niedrigem oder mittlerem Einkommen in den vergangenen Jahren zwar beeindruckende Schritte in Richtung einer besseren Gesundheit gemacht, seien jedoch nur schlecht auf die wachsende Belastung durch nichtübertragbare Krankheiten vorbereitet.

Für Deutschland stellt die Studie folgende zentrale Ergebnisse fest:

LEBENSERWARTUNG: Insgesamt gehörte Deutschland 2019 weltweit immer noch zu den Ländern mit der höchsten Lebenserwartung (Frauen 83,5 Jahre, Männer 78,9 Jahre). Allerdings liegt diese für Männer, die 2019 hierzulande geboren wurden, um 0,3 Jahre niedriger, als es der soziodemografische Index, der sich etwa aus Einkommen und Schuljahren ergibt, erwarten ließe.

Wie in anderen Ländern Europas hat die Zahl der Jahre gesunder Lebenserwartung - also der Jahre, die jemand erwarten kann, in Gesundheit zu leben - in Deutschland in den vergangenen 30 Jahren zwar kontinuierlich zugenommen, aber nicht im gleichen Maße wie die Lebenserwartung insgesamt. Das legt nahe, dass die Menschen mehr Jahre bei schlechter Gesundheit leben. In Deutschland liegt die gesunde Lebenserwartung laut Studie bei 69,5 Jahren.

NICHTÜBERTRAGBARE KRANKHEITEN: Diese sind heute für über 80 Prozent aller vorzeitigen Todesfälle und schlechten Gesundheitszustände in Europa verantwortlich. Für Deutschland beschreiben die Autoren der Studie als fünf Haupttodesursachen durch nicht übertragbare Krankheiten koronare Herzkrankheiten (184 000 Todesfälle), Schlaganfälle (71 700 Todesfälle), Lungenkrebs (54 000 Todesfälle), Alzheimer und andere Demenzerkrankungen (49 600 Todesfälle) sowie chronisch obstruktive Lungenerkrankungen (COPD, 39 900 Todesfälle).

RISIKOFAKTOREN. Die zentralen Risikofaktoren für vorzeitige Todesfälle und schlechte Gesundheitszustände waren in Deutschland 2019 Tabakkonsum, Bluthochdruck, hoher Blutzucker, ein hoher Body-Mass-Index (BMI) und eine ungünstige Ernährung.

Zusammengefasst zeige die Studie, so die Autoren, dass sich die Welt mit Blick auf die bis dahin stetig steigende Lebenserwartung an einem Wendepunkt befinden könnte. Gerade mit Blick auf die Corona-Pandemie empfiehlt der Bericht daher dringend Maßnahmen zur Bekämpfung des globalen Zusammenspiels aus chronischen Krankheiten, sozialen Ungleichheiten und Covid-19 zu ergreifen. Das könne robustere Gesundheitssysteme und gesündere Menschen gewährleisten und die Länder widerstandsfähiger gegen künftige Pandemiegefahren zu machen.

Nicht übertragbare Krankheiten hätten eine entscheidende Rolle dabei gespielt, dass es bisher mehr als eine Million durch Covid-19 ausgelöste Todesfälle gebe, sagte Richard Horton, Chefredakteur von «The Lancet». Sie prägten auch nach Abklingen der Pandemie die Gesundheit in jedem Land weiterhin. «Da wir uns mit der Frage befassen, wie wir unsere Gesundheitssysteme nach Covid-19 regenerieren können, bietet diese Studie zur globalen Krankheitslast ein Mittel, um gezielt dort anzusetzen, wo der Bedarf am größten ist, und zeigt, wie dieser sich von Land zu Land unterscheidet.»

Corona: Wie die «Wiederholung» der Krise die Psyche belastet

Beschränkungen wurden gelockert, die Fallzahlen gingen zurück: Im Sommer schien das Schreckgespenst Corona an Bedrohlichkeit zu verlieren. Doch es war nie weg, das wird nun deutlich, da sich wieder mehr Menschen anstecken und die Politik gegensteuert. Für die Psyche ist solch ein Hin und Her belastend, sagt die Psychotherapeutin und Autorin Mirriam Prieß. Im Interview erklärt sie, warum die kürzer werdenden Tage das noch verschlimmern und wie man es schafft, mit der Situation bestmöglich umzugehen.

Frage: Frau Prieß, steigende Fallzahlen und mehr Einschränkungen: Die Corona-Krise spitzt sich wieder zu. Was macht das mit unserer Psyche?

Mirriam Prieß: Für die Psyche ist jedes Auf und Ab und jedes Hin und Her ein Problem. Je häufiger das stattfindet – von einem Extrem in das nächste Extrem –, umso belasteter ist die Psyche. Je widerstandsfähiger ein Mensch ist, umso mehr ist er in der Lage, Krisen und existenziellen Bedrohungen auf Augenhöhe zu begegnen und das Bestmögliche daraus zu machen. Je mehr aber diese Resilienz fehlt, umso eher reagiert er auf Krisen mit unterschiedlichen psychosomatischen Symptomen – mit Angststörungen oder Depressionen, aber auch mit Erschöpfungssyndromen bis hin zu einem Burnout.

Frage: Verstärkt die Tatsache, dass die Krise nun in den Herbst und Winter geht, die Probleme? Machen Corona-Folgen in dieser Jahreszeit mehr Menschen mental zu schaffen als im Frühjahr?

Prieß: Es sind sicherlich mehrere Aspekte, die hier eine Rolle spielen. Auf der einen Seite sind wir bereits geschwächt. Wir haben die Krise schon einmal durchlebt - verbunden mit der Hoffnung, dass sie vorbei und durchschritten ist. Jetzt kommt eine Wiederholung und das ist immer sehr belastend. Hinzu kommt: Wenn die Tage kürzer und dunkler werden, wirkt sich das bei vielen Menschen im Negativen auf die Stimmung aus. Erneut mit den Beschränkungen und den Bedrohungen konfrontiert zu werden, in einer dunklen Jahreszeit: Diese Kombination ist eine hohe Belastung.

Frage: Wie merkt man, ob einem die Krise psychisch mehr zu schaffen macht, als es gut ist?

Prieß: Betroffene bemerken an unterschiedlichen Symptomen, dass die eigene Belastungsgrenze überschritten ist. Auf der Verhaltensebene findet, je belasteter ein Mensch ist, zunächst ein starkes Dagegen-Ankämpfen statt. Am Ende kommen der soziale Rückzug und die soziale Isolation. Auf der emotionalen Ebene beginnen eine innere Unruhe, Angst und Anspannung – daraus kann sich eine Panik entwickeln. Je länger die Belastung anhält, entwickelt sich daraus eine emotionale Ausgelaugtheit, depressive Erschöpfung und Resignation, die eine Bewältigung der Situation zunehmend erschwert. Auf der gedanklichen Ebene ist Grübeln ein typisches Stresssymptom.

Auf der Körperebene funktioniert das Immunsystem nicht mehr so gut wie gewohnt. Je mehr ein Mensch in seinem Leben kämpft und je höher der psychische Druck ist, desto mehr schwächt das die Körperabwehr. Rückenschmerzen, Magenprobleme, Kreislaufschwäche, Tinnitus, Allergieschübe: Je nachdem, wo Betroffene körperliche Schwachstellen haben, macht sich die Belastungssituation bemerkbar.

Frage: Welche Strategien helfen, um mental auf der Höhe zu bleiben und es nicht so weit kommen zu lassen?

Prieß: Resilienz, die innere, psychische Widerstandsfähigkeit, entsteht durch eine innere und äußere Dialogfähigkeit. Jeder kann Stress dadurch reduzieren, indem er mit sich selbst im Dialog bleibt. Das heißt: aktiv darauf achtet, wie es ihm geht, auf Störungen rechtzeitig reagiert und bei körperlichen Symptomen rechtzeitig einen Arzt konsultiert. Wichtig ist ebenfalls, im Dialog über die eigene Belastung zu bleiben: innerhalb der Familie oder im Freundeskreis. Wenn man spürt, dass damit keine Entlastung entsteht, sollte man sich auch fachliche therapeutische Hilfe suchen.

Das Problem ist, dass Krisen dadurch verstärkt werden, dass die Menschen sich schämen, über die Ängste zu sprechen. Dass sie sich zurückziehen und isolieren, statt sich Hilfe zu suchen. Dadurch nehmen die Symptome weiter zu, und die Krise verschärft sich.

Ein zentraler Punkt ist, die Beziehung zu sich selbst zu stärken und sich jeden Tag etwas Zeit zu nehmen, in der man zur Ruhe kommt und sich fragt, ob man in dieser angespannten Situation auch genug auf seine Kosten kommt und was man konkret tun könnte, um sich zu entlasten und sich etwas Gutes zu tun. Ein Burnout, gerade in Krisen, entsteht immer dadurch, dass Betroffene gegen das kämpfen, was ist, anstatt innezuhalten und für ein ausgewogenes Gleichgewicht zwischen Nehmen und Geben zu sorgen.

Frage: Würden Sie dazu auch generell raten? Also nicht erst dann, wenn es knirscht, sondern wenn man sich wirklich noch gut fühlt, damit es sich nicht verschlechtert?

Prieß: Ja. Es gilt der Satz: Störungen haben immer Vorrang. In dem Moment, wo ich ein Störgefühl habe, sollte ich diesem auf den Grund gehen. Das ist eine zentrale Krisen- und Burnoutprävention: Viele Probleme würden so gar nicht entstehen, wenn wir rechtzeitig und vorausschauend reagieren.

Und man sollte stets schauen, wo und wie man sich stärken kann. Es gibt sechs entscheidende Bereiche im Leben: der gesundheitliche, der familiäre und partnerschaftliche, der berufliche, die sozialen Kontakte, der Bereich der Individualität und der Bereich des Glaubens. Diese sechs Lebensbereiche gilt es wesentlich auszufüllen.

Frage: Das klingt ziemlich kompliziert. Den meisten Menschen sind diese sechs Bereiche sicher gar nicht bewusst. Wie würden Sie das praktisch übersetzen?

Prieß: Nehmen wir den Bereich Familie und Partnerschaft: Gelingende Beziehungen stärken die innere Widerstandsfähigkeit. Sich bewusst Zeit für das Wir und die Partnerschaft zu nehmen, offen über die eigenen Sorgen zu sprechen, im Rahmen der Möglichkeiten Zeit miteinander zu verbringen und Dinge zu unternehmen. Das Gleiche gilt für den Freundeskreis: Statt sich zurückzuziehen, aktiv die Freundschaften zu pflegen und im Dialog zu bleiben. Ihre Gesundheit stärken Sie zum Beispiel durch Sport und bewusste Ernährung.

Krisenbewältigung zeichnet sich dadurch aus, in scheinbar unkontrollierbaren Situationen aktiv zu schauen, was man für die eigene Stärkung tun kann. Und da ist vieles möglich.

Frage: Gerade Treffen mit Freunden sind in Corona-Zeiten mitunter schwer umzusetzen. Angenommen, es kommen wieder mehr Einschränkungen: Da stünden wieder viele Menschen vor dem Problem der Isolation. Was würden Sie ihnen raten?

Prieß: Umso wichtiger ist es dann, die sozialen Kontakte aktiv zu pflegen. Ob virtuell oder durch regelmäßige Telefonate. Gerade dort, wo die üblichen Treffpunkte und Aktivitäten nicht mehr gegeben sind, sollte man ganz gezielt im Rahmen der Möglichkeiten Beziehungen pflegen. Sich also aktiv erkundigen: «Wie geht es Dir?» Aber auch seine Bedürfnisse klarmachen: «Hast Du mal ein Ohr? Ich möchte mit dir reden.»

Frage: Wie kriegt man das Schreckgespenst Corona im Alltag aus dem Kopf? Lässt es sich ausblenden?

Prieß: Ich kann verstehen, was Sie mit Ausblenden meinen. Aber in dem Moment, wo Sie etwas ausblenden wollen, blendet es sich die ganze Zeit bei Ihnen ein. Dagegen angehen macht die Situation schlimmer und endet in der Erschöpfung. Es gilt, der Krise auf Augenhöhe gegenüberzutreten und realistisch zu bleiben. Je mehr ich mich in den Emotionen verliere, umso unkontrollierbarer wird die Situation. Die Corona-Krise rührt bei Menschen immer auch an unbewussten Ängsten und unbewältigten Krisen. So hat mir eine Frau erzählt, dass der Lockdown sie an ihre Scheidung erinnert habe. Da habe sie von heute auf morgen völlig alleine dagestanden.

Das heißt: Wir werden mit alten, nicht verarbeiteten Gefühlen aus früheren Ohnmachts- und Krisensituationen konfrontiert, die aber mit der jetzigen Situation nichts zu tun haben. Sich darüber bewusst zu sein und darauf aktiv zu reagieren, ist ein ganz zentraler Punkt.

ZUR PERSON: Dr. Mirriam Prieß ist Ärztin und Psychotherapeutin. Sie hat mehrere Bücher geschrieben und berät Firmen unter anderem im Bereich Gesundheitsmanagement und Prävention von Burnout.

Grippe trifft auf Corona: Was passiert während der Influenzasaison?

Im Herbst beginnt die Grippesaison. Dann haben Ärzte voraussichtlich vermehrt mit zwei schweren Infektionskrankheiten zu tun: Covid-19 und Grippe. Was haben beide gemeinsam - und was unterscheidet sie?

Was passiert, wenn die Corona-Pandemie auf eine Grippewelle trifft?

Nach Ansicht des Leiters der Abteilung für Epidemiologie am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung, Gérard Krause, würde eine nennenswerte Grippe-Aktivität das Gesundheitswesen herausfordern. Denn dann könnte es mehr Patienten mit Atemwegserkrankungen geben, die versorgt und getestet, teils in Krankenhäuser und auf Intensivstationen gebracht werden müssten.

Wie stark die Grippesaison ausfallen wird, lässt sich noch nicht abschätzen. Es gibt Jahre mit starken und mit weniger starken Grippewellen. In der vorigen Saison gab es relativ wenige Kranke, zwei Jahre davor sehr viele. Influenzaviren, die die Grippe hervorrufen, zirkulieren nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) zwischen Anfang Oktober und Mitte Mai. Grippewellen - also eine erhöhte Influenza-Aktivität - beginnen meist im Januar und dauern drei bis vier Monate.

Wie kann man sich vor einer Ansteckung mit Influenza schützen?

Prinzipiell mit einer Impfung. Gegen das Coronavirus ist hingegen bislang kein Impfstoff erhältlich. Weltweit gibt nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) weit mehr als 100 Impfstoffprojekte, mehr als 30 sind in klinischer Prüfung.

Die Ständige Impfkommission (Stiko) am RKI empfiehlt die Grippeimpfung nur für Risikogruppen. Das sind etwa Menschen über 60, Frauen ab der 14. Schwangerschaftswoche, Personen mit Vorerkrankungen und Menschen, die berufsbedingt ein erhöhtes Infektionsrisiko haben.

Eine Grippeimpfung hilft Krause zufolge nicht nur den geimpften Menschen aus den Risikogruppen, sondern entlastet indirekt auch bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie: Denn so müssten weniger Patienten mit Symptomen behandelt oder vorsorglich in Quarantäne geschickt werden, weniger Leute landeten in Krankenhäusern und auf Intensivstationen.

Wenn eine Grippeimpfung Engpässe in Krankenhäusern verhindert - warum wird sie nicht für die ganze Bevölkerung empfohlen?

Weil es laut Stiko voraussichtlich nicht genügend Impfstoff gibt. Für die Saison 2020/21 würden rund 25 Millionen Dosen zur Verfügung stehen - allein für die Versorgung jener Menschen, denen die Stiko die Impfung empfiehlt, bräuchte es aber rund 40 Millionen Dosen. Eine Ausweitung der Empfehlung auf die Gesamtbevölkerung könnte also zu einer Unterversorgung der Risikogruppen führen. «Weil dann alle möglichen Betriebe ihre eigentlich gesunden Mitarbeiter, die keine Risikofaktoren haben, impfen», sagt Krause. «Und dann bleibt am Ende vielleicht für die Altersheime nicht mehr genug, oder sie bekommen es später. Das wäre ja tragisch.»

Gibt es weitere Wechselwirkungen zwischen Covid-19 und Influenza?

Die Erreger von Covid-19 und Grippe werden auf ähnlichem Weg übertragen - folglich helfen auch die gleichen Schutzmaßnahmen. Krause geht davon aus, dass etwa Händewaschen, Abstand Halten und ein Mund-Nasen-Schutz auch gegen die Verbreitung der Grippe helfen. «Wir werden vielleicht - so paradox das klingt - im kommenden Winter weniger schwere Atemwegsinfektionen haben als die Jahre zuvor», sagt Krause. «Wenn wir denn das Verhalten so beibehalten.»

Wie unterscheiden sich die Krankheiten bei Verlauf und Behandlungsdauer?

Der Anteil schwerer Verläufe ist bei Covid-19-Patienten deutlich höher als bei Grippe-Patienten. Das geht aus einer aktuellen RKI-Studie hervor, die Covid-19-Patienten mit Grippe-Erkrankten verglich, die jeweils ins Krankenhaus mussten. Im Schnitt blieben Covid-19-Patienten länger in stationärer Behandlung und öfter und länger auf der Intensivstation. 22 Prozent der Covid-19-Patienten, aber nur 14 Prozent der Grippe-Patienten mussten an Beatmungsgeräte angeschlossen werden.

Kann man die Zahlen der Todesfälle vergleichen?

Die absoluten Todeszahlen für Corona und Influenza kann man kaum seriös miteinander vergleichen. Sie werden unterschiedlich erhoben. Als Covid-19-Todesfall gelten für das RKI Personen, «bei denen ein laborbestätigter Nachweis von SARS-CoV-2 vorliegt und die in Bezug auf diese Infektion verstorben sind». Erfasst werden sowohl Menschen, die unmittelbar an der Erkrankung gestorben sind, als auch Menschen, bei denen sich nicht abschließend nachweisen lässt, ob das Virus die Todesursache war.

Weil bei weitem nicht alle Todesfälle, die mit Influenza zusammenhängen, erkannt werden, behilft man sich hier laut RKI mit einer statistischen Erhebung: Die Zahl der Influenza-Toten wird errechnet, indem man von der Zahl aller Todesfälle während einer Influenzawelle die Zahl jener Todesfälle abzieht, die es ohne Influenzawelle gegeben hätte - diese wird aus historischen Daten berechnet.

Todesfälle von Patienten, die wegen ihrer Krankheit ins Krankenhaus mussten, hat das RKI in einer Studie genauer untersucht. Demnach starben 21 Prozent der Covid-19-Patienten in stationärer Behandlung, bei den Grippe-Patienten waren es 12 Prozent.

Lassen sich die Symptome vergleichen?

Eine Unterscheidung von Grippe- und Covid-19-Symptomen kann schwierig sein. «Die Symptomatik kann insbesondere in der Frühphase der Infektion sehr ähnlich sein», sagt die Virologin Sandra Ciesek von der Universität Frankfurt. Ohne einen Test könnten die Symptome gerade in diesem Stadium nicht sicher unterschieden werden.

Theoretisch können Labore künftig Proben gleichzeitig auf Corona- und Influenzaviren untersuchen. Dafür geeignete Tests sollen nach Angaben von Herstellern in Kürze in Deutschland verfügbar sein.

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