Was vom Hochwasser betroffene Arbeitnehmer jetzt wissen müssen

| Zahlen & Fakten Zahlen & Fakten

Die Lage in den Hochwassergebieten in Deutschland entspannt sich. Viele Betroffene aber stehen vor den Trümmern ihrer Existenz. Zwischen Aufräumarbeiten und Existenzsorgen wird der Job natürlich nachrangig. Dürfen Arbeitnehmer, die Opfer des Hochwassers geworden sind, der Arbeit fernbleiben?

Ja, zumindest für die erste Zeit. Wie Nathalie Oberthür, Fachanwältin für Arbeitsrecht aus Köln erklärt, müssen betroffene Arbeitnehmer für die ersten Tage, wenn sie wegen der Hochwasserschäden an der Arbeit gehindert sind, bezahlt freigestellt werden. Das ist in Paragraf 616 des Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB) geregelt.

Diese Regelung greife aber nur für einen kurzen Zeitraum von etwa fünf Tagen. «Ist die Arbeitsleistung längere Zeit objektiv unmöglich, darf der Arbeitnehmer der Arbeit auch weiterhin fernbleiben, erhält aber keine Vergütung mehr», so die Arbeitsrechtsexpertin.

Bei Betriebsschäden: Weiter Geld für Arbeitnehmer

Sollte der Arbeitgeber betroffen sein, weil der Betrieb wegen der Hochwasserschäden nicht weiterlaufen kann, behalten Arbeitnehmer laut Oberthür ihren Anspruch auf Vergütung, auch wenn sie nicht arbeiten können. «Kurzarbeit kann das Problem für beide Seiten abmildern.»

Daneben sind auch viele eher indirekt von den Folgen des Hochwassers betroffen, zum Beispiel weil der Bahnverkehr noch nicht überall wieder uneingeschränkt läuft oder das eigene Auto beschädigt wurde. Das kann für den Weg zur Arbeit zur Herausforderung werden.

Alternative für den Fahrweg

Hier gilt Oberthür zufolge: Wenn Arbeitnehmer von der Situation überrascht werden, ist eine Verspätung nicht pflichtwidrig und kann daher nicht sanktioniert werden. Arbeitnehmer müssen also keine Abmahnung oder gar Kündigung fürchten.

Anders sieht es allerdings aus, wenn die Schäden bekannt sind und der Arbeitnehmer sich darauf einstellen kann. «Dann muss er Alternativen für den Fahrtweg suchen, sofern sie vorhanden sind», sagt die Fachanwältin. Ein Vergütungsanspruch bestehe für die Verspätungszeit aber in beiden Fällen nicht. (dpa)


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Tarifbeschäftigte erhalten häufiger Weihnachtsgeld

Die Sonderzahlungen zum Jahresende sind bei vielen Beschäftigten fest eingeplant. Doch Chancen auf das so genannte Weihnachtsgeld haben längst nicht alle Arbeitnehmer. Im Gastgewerbe wird mit durchschnittlich 861 vergleichsweise wenig Weihnachtsgeld gezahlt.

Bis wann müssen Arbeitgeber den Lohn überweisen?

Jeden Monat unterschiedlich oder immer zu spät: Kommt das Gehalt nicht pünktlich, kann das für Beschäftigte Folgen haben. Aber wann muss das Geld auf dem Konto sein? Gibt es dazu eine Regel?

Beliebteste Marken in Hotellerie und Gastronomie

Die Marktforscher von Yougov und das Handelsblatt zeichnen, auch in Gastronomie, Hotels und Tourismus, die beliebtesten Marken 2021 aus. Die Nordsee gewinnt in der Gastronomie, Steigenberger holt sich den Spitzenplatz bei den Hotels.

Netzwerke für gefälschte Google-Bewertungen aufgedeckt

Der Bayerische Rundfunk und das Schweizer Fernsehen haben herausgefunden, dass tausende Google-Bewertungen gefälscht sind. Demnach gibt es ganze Netzwerke von Accounts, die für den Schwindel verantwortlich sind. In Brüssel kämpfen Verbände dafür, die Betrügerei zu stoppen

Falsche Elektronische Signatur macht Befristung unwirksam

Eine elektronische Unterschrift von Dokumenten erscheint oft praktisch. Für Verträge nimmt man aber lieber ein zertifiziertes System. Die Folgen können sonst weit reichen - etwa für Arbeitsverträge.

Wieder über eine Million sozialversicherungspflichtig Beschäftigte im Gastgewerbe

Erstmals seit Oktober 2020 ist die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Hotellerie und Gastronomie im August wieder auf über eine Million gestiegen. Die Zahl der Kurzarbeitenden dagegen geht weiter zurück.

Vor oder zurück? Am Sonntag wieder Zeitumstellung

Es bleibt dabei: Zweimal im Jahr wird an der Uhr gedreht. Mit dem Ziel, das Tageslicht besser nutzen zu können, wird im März vor- und Oktober zurückgedreht. Der angenehme Nebeneffekt diesmal ist eine Stunde mehr Sonntagsschlaf.

Dienstreise, Kaffeepause, Arbeitsweg & Co: Was zählt zur Arbeitszeit dazu?

Kaffeepause, Arzttermin, Fortbildung, Dienstreise: Längst nicht alles gehört zur Arbeitszeit. Doch wann müssen Beschäftigte Zeiten nachholen, was zählt zur Arbeitszeit und was nicht? Eine Übersicht:

Arbeitslosigkeit sinkt deutlich im Oktober

Der deutsche Arbeitsmarkt trotzt weiter der Corona-Pandemie. Im Oktober ging es bei der Arbeitslosigkeit noch einmal kräftig nach unten. Sorgen gibt es um die Ausbildung.

Finanzamt an den Homeoffice-Kosten beteiligen

Wer sich Ausstattung für das Homeoffice kauft, kann das Finanzamt an den Kosten beteiligen. Der Kauf kann sich besonders lohnen, wenn man die Werbungskostenpauschale für dieses Jahr schon überschritten hat.