Delivery Hero - Einstiges Start-up vor dem Sprung in den DAX?

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Verbraucher in Deutschland haben mit dem möglichen künftigen Dax-Konzern und einstigen Start-up Delivery Hero schon länger keine Berührung mehr. Der Lieferdienst betreibt in mehr als 40 Ländern Bestellplattformen für Essen lokaler Anbieter und beschäftigt 25 000 Mitarbeiter, davon rund 1300 in Berlin. Doch im vergangenen Jahr verkauften die Verantwortlichen das gesamte Deutschland-Geschäft an den niederländischen Konkurrenten Takeaway. Dieser gliederte die Marken Pizza.de, Lieferheld und Foodora in seine eigene Plattform Lieferando ein und dominiert seither den Markt in Deutschland.

Delivery Hero verdiente knapp eine Milliarde Euro mit dem Deal und investierte weiter kräftig in Märkte im Nahen Osten sowie in Nordafrika. Im vergangenen Jahr kam mehr als die Hälfte des Gesamtumsatzes in Höhe von 1,2 Milliarden Euro aus diesen Regionen. Auch in Asien ist Delivery Hero stark. In Europa ist der Konzern hingegen fast ausschließlich in nord- und osteuropäischen Ländern aktiv. Im Westen sieht Konzernchef Niklas Östberg zu wenig Wachstumspotenzial.

Gegründet wurde Delivery Hero im Jahr 2011 als GmbH. Auf seiner Plattform vermittelt der Konzern Lieferdienste zwischen Restaurants und deren Kunden. Nach wie vor stammt das meiste Geld aus Provisionen, die die teilnehmenden Restaurants bezahlen, um dafür mehr Reichweite und Bekanntheit zu erlangen. Allerdings betreibt Delivery Hero auch eigene Lieferdienste und Großküchen.

2017 ging der Konzern an die Börse. Die Umsätze steigen seit Jahren massiv. Allein für das laufende Jahr rechnet Delivery Hero mit Erlösen zwischen 2,6 und 2,8 Milliarden Euro - trotz Corona. Das Unternehmen gilt als ein Gewinner der Krise. Allein im Juni verdoppelte sich die Anzahl der Bestellungen. Diese Entwicklung spiegelt auch der Aktienkurs wider. Der geriet im Sog des Corona-Börsencrashs seit Februar zwar zunächst unter Druck, erholte sich aber schnell und stieg auf Rekordhöhe. Seit dem März-Tief bei rund 50 Euro hat sich der Wert der Papiere in etwa verdoppelt.

Durch den Verkauf der Deutschland-Marken erzielte Delivery Hero im vergangenen Jahr zwar einen Gewinn. Doch operativ schreibt das Unternehmen weiterhin rote Zahlen. Er könne noch keine Prognose abgeben, wann im laufenden Geschäft kostendeckend gearbeitet werden könne, sagte Finanzchef Emmanuel Thomassin bei der Hauptversammlung im Juni. Anfang Juli kündigte der Konzern an, sich über eine Wandelschuldverschreibung bis zu 1,5 Milliarden Euro frisches Geld zu besorgen.

Sollte Delivery Hero nach dem Wegfall des Finanzdienstleisters Wirecard der Aufstieg in den Dax gelingen, wäre es nach dem Immobilienkonzern Deutsche Wohnen der zweite Berliner Konzern in der Riege der 30 größten börsennotierten Unternehmen des Landes. (dpa)


 

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