Ekel auf dem Teller? Mehlwurm und Co. als alternative Ernährungsform

| Gastronomie Gastronomie

Von Christina Spitzmüller, dpa

Als Topping auf dem Salat, als Mehl in den Nudeln, verarbeitet zum Burger-Patty: Insekten werden als Lösung für die Welternährung erklärt. Tatsächlich sind Grillen, Mehlwürmer und andere Arten eine gute alternative Quelle für tierisches Eiweiß. «Mehr als 2000 verschiedene Insektenarten werden weltweit von Menschen gegessen», sagt Oliver Schlüter vom Leibnitz-Institut für Agrartechnik und Bioökonomie (ATB) in Potsdam. Er forscht zur Haltung und Nutzung von Insekten, die bislang vor allem in Asien auf den Tisch kommen. Demnach sind bislang rund eine Million Insektenarten beschrieben - wie viele es tatsächlich gibt, ist unbekannt. «Das Potenzial ist riesig», sagt der Wissenschaftler.

Insekten enthalten essenzielle Aminosäuren, Vitamine und Fette - und sie können günstig und schnell gezüchtet werden. Aber ist Massentierhaltung bei Insekten wirklich besser als bei Huhn, Rind und Co.? «Da gehen die Meinungen auseinander», erklärt Schlüter. Das Nervensystem der Insekten sei anders aufgebaut als beim Menschen oder anderen Tieren. «Man geht davon aus, dass es kein Schmerzempfinden in unserem Sinne gibt.» Zu dem Thema werde allerdings noch geforscht.

Wie man die Insekten zubereitet, erklärt die Berlinerin Nicole Sartirani seit gut zwei Jahren in Berlin. Sie gründete die Initiative «MikroKosmos», um die Angst und den Ekel vor Insekten - vor allem beim Essen - zu nehmen. Zu ihren Kochkursen kommen Neugierige, die das einfach mal ausprobieren wollen, aber auch Leute, die auf der Suche nach alternativen Proteinquellen sind oder sich über nachhaltige Aspekte von Fleischkonsum Gedanken machen.

Sartirani will die Basis vermitteln, um Insekten in Alltagsgerichten unterzubringen: frittiert oder geröstet auf dem Salat, gemahlen zu Mehl für Pizza, Pasta oder Muffins, karamellisiert zum Nachtisch. Für den Eigenbedarf züchtet sie die Tierchen selbst bei sich in der Küche - wenn andere davon essen sollen, muss sie aber zertifizierte Ware kaufen.

Die große Frage dabei lautet: Verarbeitet oder im Original? Sartirani beobachtet auf Street-Food-Märkten, dass Insekten vor allem dann als Ganzes verspeist werden, wenn Menschen das zum ersten Mal ausprobieren - oft als Scherz oder Mutprobe. Wer auf der Suche nach einer alternativen Ernährungsform ist, mag nach ihren Beobachtungen lieber die verarbeitete Variante: als Proteinriegel, Cracker oder Hamburger. Ihr Lieblingsinsekt? «Absolut die Heuschrecke!» Die schmecke ein bisschen nach Heu, erklärt Sartirani, und erinnere sie an ihre Heimat in Italien.

Doch nicht nur für die Ernährung von Menschen haben Insekten Potenzial. Sie können auch an Nutztiere verfüttert werden. Seit 2018 sind sie als Futtermittel in der Fischzucht erlaubt, wie Schlüter erklärt. Das sei eine Möglichkeit gegen die Überfischung der Meere - vor allem bei Raubfischarten, die auf tierische Proteine angewiesen sind. Auch für Geflügel und Schweine gebe es Forschung zur Fütterung mit Insekten.

Bei der Insecta 2019 diskutieren am Donnerstag und Freitag 270 Experten aus Wissenschaft und Wirtschaft 270 fast 40 Ländern über die Nutzung von Insekten als Futter- und Lebensmittel und im Non-Food-Bereich.


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten in Thüringen hat an Verbraucher appelliert, beim Besuch im Restaurant oder Biergarten mit Trinkgeld nicht zu knausern. Mit Blick auf den «Welttrinkgeldtag» an diesem Donnerstag solle man nicht in den Sparmodus schalten.

Eine aktuelle Analyse zeigt deutliche regionale Preisunterschiede bei Aperol Spritz in der deutschen Gastronomie. Während der bundesweite Durchschnittspreis im Vergleich zu 2025 um knapp fünf Prozent stieg, zahlen Gäste im Norden und in Essen am meisten.

Die Jeunes Restaurateurs veranstalten eine Benefizveranstaltung auf der Terrasse über dem Kurhaus Baden-Baden. Der Erlös fließt in die JRE-Deutschland Foundation, um Projekte zur Ernährungsbildung von Kindern und Jugendlichen in Baden-Württemberg zu finanzieren.

Ein US-Franchisenehmer von Pizza Hut fordert mehr als 100 Millionen US-Dollar Schadensersatz. Hintergrund sind Vorwürfe gegen das KI-System Dragontail, das laut Klage zu Problemen bei Lieferzeiten und Kundenzufriedenheit geführt haben soll.

Das geplante Restaurant von Spitzenkoch Thomas Bühner im Westfield Hamburg-Überseequartier wird nicht eröffnet. Nach Angaben des Kochs zog sich ein wichtiger Investor kurzfristig aus dem Projekt zurück.

Im Münchner Innenstadtgebäude Herzog Max hat das neue Gastronomiekonzept Super* eröffnet und vervollständigt damit die fünfjährige Transformation des ehemaligen Karstadt Sports. Das Konzept kombiniert Restaurant, Bar und Ladenflächen.

Das Sternerestaurant bi:braud von Alina Meissner-Bebrout zieht im Sommer 2026 aus der Ulmer Büchsengasse in das neue Maison Meissner direkt am Ulmer Münster um. Gemeinsam mit ihrem Mann Steffen Meissner entwickelt die Köchin das historische Gebäude „Bäumle“ zu einem Hotel mit 15 Zimmern sowie Restaurant- und Barkonzept.

Die Zeltvergabe auf dem Oktoberfest ist jetzt auch ein Fall für die Justiz. Gastronom Alexander Egger wehrt sich per Eilantrag gegen die Ablehnung seiner Bewerbung für das Volkssängerzelt «Schützenlisl» auf der Oidn Wiesn.

Die Schützenlisl auf der Oidn Wiesn bekommt zur Wiesn 2026 neue Betreiber. Der Münchner Stadtrat hat dem Wirte-Trio Michael Bietsch, Florian Fendt und Manfred Kneifel den Zuschlag für das Volkssängerzelt erteilt.

Laut dem aktuellen Bericht von Brand Finance erreichen die 25 wertvollsten Restaurantmarken weltweit zusammen einen Markenwert von 190,1 Milliarden US-Dollar. McDonald’s führt das Ranking erneut an, während Chick-fil-A das stärkste Wachstum verzeichnet.