Gault Millau Schweiz kürt Koch des Jahres

| Gastronomie Gastronomie

Zehn Jahre harte Arbeit – jetzt der «Ritterschlag: Heiko Nieder, Chef Fine Dining im „Dolder Grand“ in Zürich, ist Gault-Millaus Koch des Jahres 2019. Die Tester ehrten ihn mit 19 Punkten. Chefredaktor Urs Heller: „Heiko Nieder hat uns im ‹Dolder› zehn Jahre lang herausgefordert, begeistert, verwöhnt und auch mal verwirrt. Länger wollen wir ihm die höchste Anerkennung für seine arbeitsintensive, intelligente und konsequente Küche nicht vorenthalten.“

Nieder ist der siebte 19-Punkte-Chef der Schweiz: Nur Franck Giovannini (Crissier VD), Bernard Ravet (Vufflens-le-Château VD), Didier de Courten (Sierre VS), Philippe Chevrier (Satigny GE), Andreas Caminada (Fürstenau GR) und Peter Knogl (Basel) sind so hoch bewertet. Wie Gault-Millau mitteilte, koche Heiko Nieder auf dem „Dolder Hill“ unter besten Bedingungen. Er könne sich mit seiner jungen Brigade voll und ganz auf „The Restaurant“ konzentrieren. Den Gemüse- und Kräutergarten habe er hinter dem Haus. Ermüdungserscheinungen seien auch nach zehn Jahren am gleichen Herd nicht auszumachen. Dafür sei der „Mann mit der Pinzette“ viel zu ehrgeizig. Was brauchts für eine grosse Küche? „Handwerk, Intellekt, Intuition, Wissen – von allem ein bisschen“, sagt Heiko Nieder.
 

Marie Robert ist Köchin des Jahres

Der Gault-Millau scoutet die Talente nicht nur in Grandhotels und Luxusrestaurants, sondern auch in Cafés. Im Café Suisse in Bex VD zum Beispiel. Dort kocht die noch nicht mal 30-jährige Marie Robert in einem bescheidenen, einfachen Lokal. Aber die „Jeune Restaurateure“ habe Power, so der Gault Millau. Ihre Gerichte seien stilsicher, ausgefeilt, manchmal poetisch, oft spektakulär. Die fröhliche Madame Marie mache einen Riesenschritt auf 16 Punkte und sei somit Gault-Millaus „Köchin des Jahres“. 

Viermal 18 Punkte

Der Gault-Millau mag junge, freche und „wilde“ Köche, wie er selbst schreibt. Aber er ziehe auch den Hut vor Chefs, welche die klassische Küche neu interpretieren und auf einem sehr hohen Niveau servieren würden. Das zeigt sich in der Ostschweiz, wo gleich zwei „Aufsteiger des Jahres“ am Herd stehen. Sebastian Zier und Moses Ceylan stehen im „Einstein“, St. Gallen, für eine sehr moderne Küche. Walter Klose begeistert auf dem „Gupf“ in Rehetobel AR mit seinen Klassikern und seinen wundervoll tiefen Saucen. Rating für beide Küchenteams: neu 18 Punkte! Die bekommt auch Mattias Roock im „Castello del Sole“. Er verwaltet das Erbe seines berühmten Vorgängers Othmar Schlegel respektvoll, holt sich die besten Produkte aus dem eigenen Gutsbetrieb (Terreni alla Maggia), entwickelte schnell seine eigene, begeisternde Handschrift; der quirlige Teamplayer ist Gault-Millaus „Aufsteiger des Jahres im Tessin“.

Im „The Alpina“ im Restaurant Sommet in Gstaad macht der stille Martin Göschel einen ausgezeichneten Job. Er kocht aufwendig, detailbesessen, pinzettengenau. Göschel hatte schon mal 18 Punkte: vor Jahren im „Paradies“ in Ftan GR.

Einer der besten 18-Punkte-Chefs im Land geht in Rente: Hans-Peter Hussong ist „Aussteiger des Jahres“. Der „Aufsteiger des Jahres in der Romandie“: Armel Bedouet, grosse 17-Punkte-Küche in einem sehr kleinen Restaurant („L’Aparté“, Royal Manotel, Genf).

Vier Neuentdeckungen

In Basel empfiehlt der Gault Millau Pascal Steffen. Der frühere Vize von Nenad Mlinarevic kocht im Restaurant Roots. Jeroen Achtien war die Nummer 2 bei Dreisternekoch Jonnie Boer in Holland, ist jetzt erstmals selber der Boss und geht mit seinen stark umgesetzten Ideen auch mal an Grenzen. Jeroen zaubert im Sommer im „Vitznauerhof“ am Vierwaldstättersee und im Winter in Davos (Waldhotel, Restaurant Sens 1605). Caminada-Schüler Marco Campanella kocht im „La Brezza“ im „Eden Roc“ in Ascona. Nicht sehr italienisch leider, aber auf verblüffendem Niveau. Alle drei jungen Chefs starten ihre Gault-Millau-Karriere mit 16 Punkten. Der Belgier Bert De Rycker ist mit 15 Punkten Gault-Millaus „Entdeckung in der Romandie“. Sein Revier: „Le Rawyl“, Randogne VS, an der Straße nach Crans.

Sommelière Anna Junge

Tanja Grandits („Stucki“, Basel) führt die Liste der weiblichen Chefs mit 18 Punkten an. Neuester Trend laut Gault Millau: Frauen setzen sich als Sommelière durch, auch in Spitzenrestaurants. Beispiel dafür? Andreas Caminada hat auf Schloss Schauenstein den Kellerschlüssel Anna Junge übergeben. Ein „Sommelier des Jahres“ mit Leidenschaft und beeindruckendem Wissen. Sie kennt sich in der Bündner Herrschaft genauso gut aus wie in der internationalen Weinwelt und überrascht ihre Gäste immer wieder mit ihren Entdeckungen. Anna ist neben Nathalie Ravet (Vufflens-le-Château VD) die zweite Frau in der ersten Liga.

Patissier, Star im Ausland, Hotel des Jahres

Der Gault-Millau holt die besten Patissiers ins Rampenlicht. Preisträger diesmal: Sébastien Quazzola vom „Le Richemond“ in Genf. „Schweizer Star im Ausland“ ist Cornelius Speinle. Die „Entdeckung des Jahres 2015“ führt das Gourmetrestaurant in Hamburgs neuer Hotel-Ikone „The Fontenay“. Gault-Millaus „Hotel des Jahres 2019“ wurde bereits vorgestellt: Bürgenstock Resort Lake Lucerne, ein Hotel von Weltklasse. Küchendirektor Mike Wehrle brachte gleich vier Restaurants in den Guide und legt mit 58 Gault-Millau-Punkten los.


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Das Bayerische Oberste Landesgericht hat die Vergabe der Festzelte Paulaner und Schottenhamel für das Oktoberfest 2026 bestätigt. Ein Wirt hatte eine europaweite Ausschreibung gefordert.

Vier Gastronomiebetriebe haben das Finale der Uber Eats Awards 2026 erreicht und treten am 26. Oktober 2026 in Berlin gegeneinander an. Eine Jury um Tim Raue entscheidet über die Vergabe von insgesamt 55.000 Euro Preisgeld.

Der Leaders Club Deutschland besteht seit 25 Jahren und zählt inzwischen mehr als 450 Mitglieder aus über 230 Unternehmen. Das Jubiläum wird am 13. November 2026 im Rahmen des Leaders Club Award in Hamburg gefeiert.

Die Althoff Hotels starten mit dem Althoff Eats Club ein kostenfreies Angebot rund um Kulinarik, Wein und Reisen. Grand Chef Joachim Wissler teilt Restaurantempfehlungen und stellt Produzenten sowie kulinarische Entdeckungen vor.

Pizza Pilgrims kündigt sein erstes deutsches Restaurant für den 2. November 2026 in München an. Ein zweiter Standort soll im Januar 2027 folgen; insgesamt strebt die Marke bis zu 50 Standorte in Deutschland an.

Bayerns Gastronomie verzeichnete im August 2026 einen realen Umsatzrückgang von 4,5 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Die Beherbergung erzielte dagegen preisbereinigt ein Plus von 2,6 Prozent.

Die Deutsche Kreditbank (DKB) hat gemeinsam mit Sodexo den neuen Campus „Upbeat“ in der Berliner Europacity eröffnet. Sodexo übernimmt die gastronomische Versorgung sowie weitere Bewirtungsleistungen am Standort.

Das Bristol Berlin hat am Kurfürstendamm das Restaurant Flaneur eröffnet. Die Brasserie bietet französisch geprägte Küche und verfügt über 120 Plätze im Innenbereich sowie 86 Terrassenplätze.

Das Hotel der Stern in Bad Hersfeld kündigt die Schließung des L’étable zum 2. Januar 2027 an und nennt fehlende Gäste als Grund. Küchenchef, Restaurantleiter und Mitarbeiter würden im Haus bleiben und an einem neuen gastronomischen Konzept mitarbeiten.

An einer Tankstelle in München kann man sich von einem Kochroboter Käsespätzle, Kaiserschmarrn oder eine asiatische Tom-Kha-Gai-Suppe kochen lassen. In etwa fünf Minuten bereitet der autonome Koch eine warme Mahlzeit zu.