Gericht untersagt Weiterverkauf von Reservierungen für Oktoberfesttische

| Gastronomie Gastronomie

Die Wiesnwirte haben im Kampf gegen den Weiterverkauf von Oktoberfesttischen zu horrenden Preisen einen wichtigen Sieg errungen. Das Landgericht München I verurteilte am Freitag eine Eventagentur, die Reservierungen im Festzelt Ochsenbraterei zu Preisen zwischen 1990 und 3299 Euro angeboten hatte, dies künftig zu unterlassen. Zudem muss sie über ihre Quellen und den Umfang der Verkäufe Auskunft geben und ist grundsätzlich verpflichtet, Schadenersatz zahlen. Das Urteil ist allerdings noch nicht rechtskräftig.

Normalerweise fallen für Reservierungen auf dem Oktoberfest keine eigenen Kosten an, die Reservierenden müssen aber Verzehrgutscheine erwerben. Bei der Ochsenbraterei belaufen sich diese laut Gericht maximal auf rund 400 Euro für einen Tisch mit zehn Personen - also einen Bruchteil des von der Eventagentur aufgerufenen Preises.

Das Gericht befand das Angebot der Agentur für «irreführend» und einen Verstoß gegen das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb. Der Anbieter könne seinen Kunden gar keinen rechtswirksamen Anspruch auf eine Reservierung verschaffen. Die Ochsenbraterei verbiete nämlich den Weiterverkauf von Tischreservierungen an kommerzielle Wiederverkäufer.

Dieses Verbot sei wirksam, befand das Gericht - unter anderem, weil die Reservierung personalisiert sei und einen Hinweis darauf enthalte, dass sie nicht übertragbar sei. Damit liege der Sachverhalt anders als in einem Urteil des Bundesgerichtshofs aus dem Jahr 2008, auf das sich die Eventagentur berufen hatte und in dem es um den Wiederverkauf von Bundesligakarten gegangen war.

Zudem betonte das Gericht, dass das Veräußerungsverbot einen «anerkennenswerten Zweck» verfolge, nämlich «ein sozialverträgliches Preisgefüge sicherzustellen und damit auch weniger wohlhabenden Bürgern einen möglichst gleichberechtigten Zugang zum Oktoberfest zu ermöglichen».

«Wir freuen uns, dass das Gericht unserer Argumentation gefolgt ist», hieß es von der Ochsenbraterei. Auch der Sprecher der Wiesnwirte, Peter Inselkammer, zeigte sich glücklich über das Urteil. «Ich finde, es ist Recht gesprochen worden», sagte er.

Inselkammer sieht in der Entscheidung ein «deutliches Signal, dass diese Machenschaften» unterbunden werden könnten. Nun habe man eine klare Handhabe gegen die Verkäufer, die versuchten, «mit überhöhten Preisen Kasse zu machen». Er geht davon aus, dass die Personalisierung der Reservierungen, die für die Entscheidung des Gerichts eine zentrale Rolle gespielt hatte, bei allen Wirten Standard ist.

Zudem warnte Inselkammer Gäste, bei Reservierungen im Internet grundsätzlich vorsichtig zu sein - insbesondere wenn die Preise sehr hoch seien. So manches Angebot sei betrügerisch, und es komme immer wieder vor, dass Gäste mit vermeintlichen Reservierungen dann ohne Tisch dastünden.

Der Münchner Wirtschaftsreferent und Wiesnchef Clemens Baumgärtner (CSU) schicke am Freitag «einen herzlichen Glückwunsch» in Richtung Ochsenbraterei. Das Urteil beende das «leistunslose Abzocken». Die Wiesn sei etwas für alle - «auch für den kleinen Geldbeutel», betonte er. Man müsse sich nicht für «horrende Summen» Karten auf dem Grau- oder Schwarzmarkt besorgen. Dies könne nun unterbunden werden.

Bei der beklagten Eventagentur war zunächst niemand für eine Stellungnahme zu erreichen. Auf ihrer Homepage bot sie am Freitagmittag für das kommende Jahr zwar keine Tische für die Ochsenbraterei an, allerdings von diversen anderen Zelten. (dpa)


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Interview: "Wir haben aus Grünkohl auch schon Salat gemacht"

Traditionell ist Grünkohl deftig, fett und voller Fleisch. Natürlich kann man das Rezept modernisieren, sagt Nico Winkelmann aus dem «Bümmersteder Krug» in Oldenburg. Die Frage ist, ob das beim Publikum ankommt.

Stornierungswelle in Thüringens Gastgewerbe

Die verschärften Corona-Regeln in Thüringen sowie abgesagte Weihnachtsmärkte sorgen für eine Stornierungswelle bei Thüringens Hoteliers und Gastronomen. Laut DEHOGA seien so gut wie alle geplanten Weihnachtsfeiern von Firmen, Familien oder Organisationen, aber auch Tagungen und Kongresse abgesagt.

Gault&Millau kürt Weinauswahl des Hotel Sonnenhof zur „Weinkarte des Jahres 2022“

Prämierung für das Vier-Sterne-Superior Hotel Sonnenhof im Tannheimer Tal: Der Gault&Millau hat der Weinkarte des Hotels, kuratiert von Hotelchef Rainer Müller, die höchste Auszeichnung verliehen und sie zur „Weinkarte des Jahres 2022“ ernannt.

Riederalm: Gleich drei Gault Millau-Hauben für Salzburgs jüngstes Gourmetrestaurant „dahoam“

Perfekter 3-Hauben-Einstand im neuen Guide Gault Millau für Salzburgs jüngstes Gourmetrestaurant: Andi Herbst stellt im spektakulär designten „dahoam“ im Genießerhotel Die Riederalm in Leogang (Salzburger Land) regionale Produkte in den Mittelpunkt seiner kreativen alpinen Küche.

Gault Millau kürt Daniel Schicker zu „Österreichs Sommelier des Jahres 2022“

Das Restaurant „OIS“ imMühltalhof startete gleich mit 18,5 Gault Millau-Punkten und 4 Hauben durch. Dass hier auch die Weinkarte in einer extra Liga spielt, unterstreicht die Auszeichnung Daniel Schickers zum „Sommelier des Jahres“.

Jeunes Restaurateurs feiern Jubiläum

Mit einer großen Gala haben die Jeunes Restaurateurs (JRE)​​​​​​​ Deutschland ihr 30-jähriges Jubiläum gefeiert. Die Gründung der Jeunes Restaurateurs in Deutschland erfolgte 1991 in Hamburg. Mittlerweile gehören den JRE in Deutschland 66 Mitglieder an.

Party Service Bund schlägt Alarm: Umfrage belegt „riesige Stornierungswelle“

Der Party Service Bund schlägt Alarm. Nach den Erkenntnissen des Verbandes ergießt sich zurzeit über den Partyservice-Unternehmern und Caterern eine riesige Stornierungswelle. Demnach beklagten rund 85 Prozent der Befragten Absagen von Weihnachtsfeiern im familiären und beruflichen Bereich.

Kaum jemand will noch tanzen: Erste Clubs im Südwesten schließen freiwillig

Groß war die Freude, als das Nachtleben nach monatelangem Lockdown wieder hochgefahren wurde. Angesichts der dramatischen Corona-Lage hat sich die Stimmung aber gedreht - sodass selbst Club-Betreiber über Vorteile einer erneuten Zwangspause nachdenken.

Guide Michelin Italien 2022: Zwei neue 2-Sterne-Restaurants

In Italien ist der Guide Michelin 2022 veröffentlich worden. Die Restaurants „Olivi“ und „Krèsios“ erhalten zwei Sterne. Alle elf 3-Sterne-Restaurants bekommen erneut die höchste Auszeichung. 33 Restaurants werden neu mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet.

Gault-Millau Österreich 2022 – Bewertungen, Auszeichnungen, Listen

Das Restaurant Ikarus wird erstmals mit fünf Hauben geadelt – Max Natmessnig aus dem „Rote Wand Chef’s Table“ ist Koch des Jahres. Zahlreiche Aufsteiger bescheinigen der Österreichischen Gastronomie ein hohes kulinarisches Niveau zeigen. Bewertungen, Auszeichnungen und Listen bei Tageskarte.