Große Herausforderungen für Thüringer Ausflugsgastronomie

| Gastronomie Gastronomie

Hohe Energiekosten, Bürokratie und Fachkräftemangel: Die Ausflugsgastronomie in Thüringen steckt nach Ansicht des Dehoga in schwierigen Zeiten. «Dieses Geschäftsmodell ist aktuell eine große Herausforderung», sagte Dehoga-Geschäftsführer Dirk Ellinger. Zwar gebe es auch viele positive Beispiele, vielfach stellten die verschärften Rahmenbedingungen Inhaber von Ausflugsgaststätten aber vor große Herausforderungen.

Grundsätzlich teilten Ausflugslokale die Probleme der gesamten Branche: Überbordende Bürokratie, gestiegene Lebensmittel- und Energiepreise und fehlende Nachfolger erschwerten die Arbeit, so Ellinger. Bei der Ausflugsgastronomie kämen aber zusätzliche Unwägbarkeiten hinzu. So sei das Hauptgeschäft oft auf Feiertage und Wochenenden beschränkt - das mache die Saison sehr kurz. Zudem seien die Lokale extrem abhängig vom Wetter.

Und obwohl Ellinger zufolge in Thüringen inzwischen viel für die Ausbildung von jungen Fachkräften getan wird, kommt es gerade in ländlichen Regionen zu Engpässen: «Eines unserer Grundprobleme ist der Arbeitskräftemangel», berichtete Thomas Regensburg, Inhaber der Ruhlaer Skihütte. Aber auch sonst sei die Personalplanung im Ausflugsgeschäft extrem schwierig: Während bei gutem Wetter Hochbetrieb herrsche, werde der Einsatz von zusätzlichem Personal bei schlechtem Wetter schnell zum Verlustgeschäft.

Ähnliches gelte für den Umgang mit Lebensmitteln: Einerseits seien die Preise extrem gestiegen - so sei etwa Schweinefleisch mittlerweile teils doppelt so teuer wie vor einigen Jahren. Zum anderen müssten die meisten Lebensmittel in einem kurzen Zeitraum verbraucht werden. Das könne an schwachen Tagen schnell zum Problem werden. Auch die gestiegenen Energiekosten wirkten sich negativ auf die Bilanz aus. Und letztlich machten sich die gestiegenen Lebenshaltungskosten auch beim Kundenverhalten bemerkbar: «Die Leute kommen zwar, kaufen aber tendenziell eher die günstigeren Produkte.»

Nach Zahlen des Dehoga Thüringen ist die Gastronomie-Dichte in Thüringen von 3770 Einrichtungen im Jahr 2019 bis 2022 auf 3161 gesunken - demnach mussten also über 600 Betriebe schließen. Wie genau sich das auf die Ausflugsgastronomie ausgewirkt hat, wird nicht erhoben. 

«Insgesamt ist die Zahl der Lokale aber schon weniger geworden», schätzt Regensburg, dessen Familie die Skihütte seit 35 Jahren betreibt. Angesichts der immer neuen Probleme sei es verständlich, dass Inhaber von Lokalen ihr Geschäft aufgäben - und dass das große Arbeitspensum und die vielen Unwägbarkeiten potenzielle Nachfolger abschreckten. «Ich habe Verständnis für alle, die hinschmeißen oder das nicht machen wollen», so Regensburg. Gerade bei Betrieben wie der Skihütte, die fünf Tage in der Woche geöffnet sei, gebe es immer zu tun. «Der Beruf muss einem Spaß machen, sonst hält man das nicht durch - ich hatte fast noch nie einen Tag, an dem ich nicht gern zur Arbeit gegangen wäre.»

Grundsätzlich sieht Ellinger einen gesellschaftlichen Wandel im Ausgehverhalten: Gerade in kleinen Ortschaften auf dem Land funktioniere die klassische Dorfkneipe immer weniger. Inhaber müssten sich immer mehr einfallen lassen, um über die Runden zu kommen - etwa Veranstaltungen, die auch überregional Gäste ansprächen. In etwa zehn Jahren drohe zudem eine große Übergabewelle, wenn die Babyboomer-Generation in Rente gehe. Umso wichtiger sei in dieser Lage eine Entlastung der Branche, etwa durch Schritte wie eine effektive Entbürokratisierung, die Senkung der Mehrwertsteuer und pragmatischere Lösungen von Problemen. «Letztlich bräuchten wir etwas mehr Verständnis für die Gewerbetreibenden vor Ort.» Denn mit jeder Schließung gehe ein Stück Lebensqualität verloren. (dpa)


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Die Star-Köchin Naomi Pomeroy, die in den USA vor allem mit ihrer Teilnahme an mehreren Koch-TV-Shows bekannt wurde, ist im Alter von 49 Jahren bei einem Wassersport-Unfall ums Leben gekommen.

In einem Biergarten gibt es Bier - so weit, so normal. Doch in München ist eine besondere Variante geplant. In der Nähe des Hauptbahnhofs eröffnet ein alkoholfreier Biergarten. Der vielsagende Name: «Die Null».

Immer mehr Abiturienten beginnen nach der Schule eine Ausbildung. Im Trend liegt dabei eine Lehre in der Gastronomie. Auch Sternekoch Domenik Alex bildet nun einen ambitionierten Abiturienten zum Koch aus.

Darts werden in deutschen Bars seit jeher geworfen - neuerdings fliegen aber auch schwerere Geschütze. Axtwurf-Bars breiten sich aus. Gestresste Großstädter kommen ebenso wie Flirtwillige.

Im Gegensatz zum früheren Fokus auf asiatische Küche hat das Küchenteam des Hotels tschechische Geschichtsbücher und alte Kochbücher studiert, um sich von einer Vielzahl historischer Quellen inspirieren zu lassen.

Die Stimmung in der Gastronomie ist nach Angaben der IHK in Sachsen-Anhalt für diesen Sommer pessimistisch. Zwar meldete knapp ein Drittel der Unternehmen eine gute Geschäftslage, allerdings kämpfe das Gastgewerbe mit Umsatzrückgängen.

Tim Raue soll im Auftrag von RTL erneut schlingernden Gastronomen helfen. Leider agiert der Spitzenkoch dabei nicht selten wie eine Dampflok. Glücklicherweise gibt es auch eine Bahnschranke.

Mit einem Fest hat das Le big TamTam im Hamburger Hanseviertel eröffnet. 500 geladene Gäste feierten in der großen Rotunde mit Live DJ, Drinks und Kulinarik. Das Le big TamTam ist ein Food-Markt unter der Regie bekannter Hamburger Gastronomen und ab sofort geöffnet.

Pech mit dem Wetter und Tage ohne Übertragungen am Brandenburger Tor waren für die Betreiber in den Fanzonen nicht förderlich. Für die nächsten großen Fußballturniere haben sie daher einen Wunsch.

Mit dem neuen Konzept Levante erweitert Casualfood sein Angebot für die Verkehrsgastronomie um die Trend-Küche aus Nahost. Das erste Outlet mit levantinischer Küche hat jetzt am Mainzer Hauptbahnhof eröffnet.