Keinen Tisch für Rassismus! Wie Restaurants und Cafés jetzt Haltung zeigen können

| Gastronomie Gastronomie

Sushi aus Japan, Okra aus Ägypten, Kebap aus der Türkei - die kulinarische Vielfalt Deutschlands ergibt sich ohne Zweifel aus den Einflüssen unzähliger Länder und Regionen. Nicht nur in den Großstädten gewähren Gastronomen ihren Gästen mit Rezepten, Getränken und Ritualen einen Einblick in andere Esskulturen.

Allein Restaurants und Cafés zählen in Deutschland dabei zusammen fast 100.000 Orte der Begegnung und des Austauschs - für den Geschäftsführer von resmio, Christian Bauer, ist jeder dieser Orte eine Option für die Betreibenden, eine klare Position gegen Rassismus zu beziehen. "So, wie sich Unternehmen anderer Branchen gegen Rassismus aussprechen, können auch Gastronomen deutlicher kommunizieren und für ein gerechteres Miteinander eintreten", so Bauer.

Vor der eigenen Ladentür kehren

Bevor sich Wirte im eigenen Laden oder auf Social Media anti-rassistisch positionieren, muss an erster Stelle aber zunächst der Schritt der Selbstreflexion stehen. Mit welchen Verhaltensweisen hat man womöglich selbst in der Vergangenheit diskriminiert? Welche Stereotype sind bei einem Vorstellungsgespräch oder im Umgang mit Kollegen im eigenen Kopf verankert? Die ehrliche Auseinandersetzung mit diesen und ähnlichen Fragen kann mitunter erste Veränderungen für die alltägliche Arbeit bereithalten.

Team sensibilisieren

Die Gastronomie beherbergt ein so breites Spektrum an Menschen wie nur wenige andere Branchen. Sowohl ein unterschiedlich geprägter Wissensstand als auch der persönliche Background der Teammitglieder kann bei einem offenen Gespräch über Rassismus auch für Unverständnis mancher sorgen. Die Arbeitgeber können in keinem Fall eine Haltung aufzwingen, doch kommt es zu Diskussionen, sind es diese mit Sicherheit wert zu führen. Um rassistische Diskriminierungen am Arbeitsplatz ausschließen zu können, ist ein offenes Gespräch mit allen Teammitgliedern eine erste Voraussetzung.

Keinen Tisch für Rassismus! Hausrecht anwenden?

Eine klare Haltung gegenüber Rassismus einzunehmen, endet dabei aber nicht in der internen Kommunikation unter Kollegen und Kolleginnen. Wird das eigene Lokal zum Schauplatz rassistisch motivierter Diskriminierung können die Betreiber in letzter Instanz auch von ihrem Hausrecht Gebrauch machen. Das bedeutet, dass die Wirte bestimmen können, welcher Gast das Lokal betreten darf und welcher nicht. Das Diskriminierungsverbot - bei uns verankert im AGG (Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz) gibt dem Handlungsspielraum des Wirtes oder der Wirtin dabei jedoch eine rechtliche Grenze. Dazu gehört auch der Ausschluss von Gästen aufgrund der Weltanschauung, wie beispielsweise einer Parteizugehörigkeit.

Initiativen unterstützen

Neben der klaren Kante im Ernstfall gibt es aber auch Möglichkeiten, sich im alltäglichen gastronomischen Umfeld zu solidarisieren. Der in Berlin gegründete Verein "Gastronomie gegen Rassismus" hat sich dem Ziel verschrieben, Aufmerksamkeit zu schaffen und vom Ladenbesitzer bis hin zur Spirituosenmarke allen AkteurInnen der Branche Mut zu machen und Stellung zu beziehen. Vom Bierdeckel mit Message, Aufkleber am Eingang oder kurzer Stellungnahme auf der Webseite oder Speisekarte haben die GastronomInnen letztlich aber auch ohne Kooperationen die Möglichkeit, für ihre Rolle als Gastfreund oder Gastfreundin einzustehen.


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Wird die Rechnung etwa im Einzelhandel oder im Restaurant in den Kassensystemen der Unternehmen korrekt erfasst und verbucht? Das prüfen die Finanzämter bei unangemeldeten Kontrollen in Thüringen tausendfach.

Die Compass Group-Tochter Food Affairs entwickelt im neuen Leipziger Quartier Neo eine rund 3.000 Quadratmeter große Markthalle mit internationaler und regionaler Gastronomie. Das Konzept soll als zentraler Treffpunkt in der Innenstadt etabliert werden.

Der Bundesverband der Systemgastronomie hat die Jury für den Branchenpreis 2026 vorgestellt und die Bewerbungsfrist bis zum 4. Mai verlängert. Die unabhängige Runde bewertet Konzepte aus der Branche, die im September in München ausgezeichnet werden.

Das neue Frankfurter Hotel Kennedy 89 hat sein Restaurant Eighty Nine eröffnet, das levantinische Küche mit regionalen Einflüssen kombiniert. Unter der Leitung von Küchenchef Philipp Grosser setzt der Betrieb auf gemeinschaftliche Speisekonzepte und regionale Partnerschaften.

Der aktuelle Fitness-Check für die österreichische Gastronomie weist eine leichte Umsatzstabilisierung aus, die jedoch primär auf Preiserhöhungen basiert. Hohe Mitarbeiterkosten und Frequenzen unter dem Vorkrisenniveau belasten die Branche weiterhin.

Die Gastro-Marke Gustavo Gusto hat, gemeinsam mit dem Automatenhersteller Stüwer, ein neues Vertriebsmodell vorgestellt. Wie das Unternehmen mitteilt, soll der sogenannte „Gustavomat“ als automatisierter Pizzaautomat künftig den Verkauf von Tiefkühlpizza rund um die Uhr ermöglichen.

Nach dem angekündigten Markteintritt von Taco Bell werden erste konkrete Ausbaupläne bekannt. Laut Medienberichten sind unter anderem mindestens 15 Standorte in Bayern vorgesehen.

Die Burgermeister-Gruppe hat nach eigenen Angaben mit der Eröffnung ihres 30. Standorts einen weiteren Expansionsschritt vollzogen. Der neue Betrieb befindet sich in München und wurde am 12. April 2026 in der Türkenstraße eröffnet, wie das Unternehmen mitteilt.

Wie Restaurantbetreiber die Mindestlohnerhöhung auf 13,90 Euro 2026 in ihrer Preiskalkulation richtig berücksichtigen – mit konkreten Methoden, Faustregeln und Kommunikationstipps für faire Preise.

Im Wuppertaler Luisenviertel bietet das Restaurant „Al Moudyaf“ nach Berichten von Talzeit und Bild regelmäßig kostenlose Mahlzeiten für Bedürftige an. Betreiber Ahmad Daoud bewirtet demnach auch Gäste ohne Geld und stellt ihnen eine Speisekarte ohne Preise zur Verfügung.