Mehrweg-Start-ups sagen Müllberg durch Essensbestellungen in Restaurants den Kampf an

| Gastronomie Gastronomie

Das Essen war lecker: Hausgemachte Pasta vom Italiener um die Ecke - gegessen in der heimischen Küche, denn das Restaurant hat ja zu. Abgeholte oder gelieferte Speisen boomen in der Corona-Pandemie und helfen den Restaurants dabei, die Krise zu überstehen. Doch so manchen Kunden packt nach dem Genuss das schlechte Gewissen beim Abräumen des Verpackungsmülls aus Metall und Kunststoff. Dagegen helfen könnten Mehrwegsysteme, wie sie derzeit von mehreren deutschen Start-ups unter anderem aus München, Stuttgart und Köln ausgerollt werden.

Die Konzepte der Systeme sind sich im Grunde ähnlich: Sie stellen Gastronomen Mehrwegverpackungen zur Verfügung. Wenn der Kunde will, bekommt er sein Essen statt in den üblichen Einwegpackungen darin geliefert. Zurückgegeben wird die Schüssel dann in der Regel bei einem beliebigen am System teilnehmenden Restaurant.

Je nach Anbieter muss der Kunde dabei vorab Pfand bezahlen oder die Schüssel mithilfe einer App ausleihen. Ansonsten ist der Prozess für ihn gratis. Die Kosten trägt der Gastronom: Je nach System zahlt er entweder eine monatliche Pauschale, nur pro Ausleihung oder bei Anschaffung und pro Ausleihvorgang. Das kommt, je nach Anbieter auf 25 bis 45 Euro pro Monat oder 13,5 bis 25 Cent pro Nutzung. Einen Teil davon spart er durch wegfallende Einwegverpackungen wieder ein.

Beim Hotel- und Gaststättenverband Dehoga hält sich die Begeisterung für die Angebote allerdings in Grenzen, was neben Corona wohl auch mit der jüngst vom Kabinett beschlossenen Mehrwegpflicht ab 2023 zusammenhängt. «Wir befinden uns in einer Situation, in der unsere Branche ums Überleben kämpft», sagte Hauptgeschäftsführerin Ingrid Hartges damals. Neue Kosten würden da nicht mit Begeisterung aufgenommen. Zu den Mehrweg-Start-ups heißt es vom Verband: «Wir stehen mit verschiedenen Anbietern im Austausch. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt liegen uns allerdings noch keine repräsentativen Daten aus der Branche vor.»

Beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) ist man dagegen angetan von den Initiativen. Solche Systeme seien ein sehr guter Ansatzpunkt, sagt die Referentin für Kreislaufwirtschaft, Janine Korduan. Und die Start-ups leisteten einen wichtigen Beitrag, «weil sie damit anfangen». Eine zentrale Anforderung dabei sei, dass die Systeme einfach zugänglich seien - sonst würden sie nicht angenommen und stünden am Ende nur in der Ecke. Zudem sei es wichtig, dass die Behälter oft wiederverwertbar seien und auch zurückgegeben werden.

Dazu, wie viele Runden zum Kunden und zurück eine Verpackung durchhält, gehen die Angaben der Anbieter auseinander. Deutlich mehr als 100 sind es aber bei allen. Und auch die Rückgabequoten sind demnach hoch - meist nahe 100 Prozent.

«Die Corona-Pandemie befeuert das ganze To-Go und Take-Away Geschäft natürlich sehr. So spielt die aktuelle Situation auch uns in die Karten», sagt Matthias Potthast, Mitgründer von Relevo, einem Start-up aus Gröbenzell bei München. 20 000 Verpackungen hat es derzeit im Umlauf - bei Restaurants aber auch Studentenwerken in Bayern und dem Saarland. Das Stuttgarter Start-up Recircle ist schon länger am Markt und kommt derzeit auf 53 000 Boxen. Pro Monat würden so rund 200 000 Einwegverpackungen gespart, heißt es von dort.

Beim zum Pfandbechersystem Recup aus München gehörenden Rebowl berichtet man von einer starken Nachfrage: «Die Gastronomen sind derzeit komplett auf ihr Take Away Geschäft angewiesen und uns wird auch gespiegelt, dass die Kunden gezielt nach einer nachhaltigen Alternative zu Styropor, Plastik et cetera verlangen.»

Finanziert werden die Start-ups aus eigenen Mitteln oder teilweise durch Investoren. So ist bei Recircle ein Schweizer Kunststoffhersteller eingestiegen und das Kölner Start-up Vytal hat erst vor wenigen Tagen eine Finanzierungsrunde abgeschlossen. Mehr als 2 Millionen Euro sammelte das Unternehmen dabei ein. Das Geld soll nun in den Ausbau des Aus- und Rückgabenetzwerks gesteckt werden, das neben Restaurants auch Kantinen und Supermärkte umfasst. Raum dafür gibt es: Die Zahl der teilnehmenden Betriebe liegt pro Start-up derzeit erst bei einigen hundert. (dpa)


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Das Bayerische Oberste Landesgericht hat die Vergabe der Festzelte Paulaner und Schottenhamel für das Oktoberfest 2026 bestätigt. Ein Wirt hatte eine europaweite Ausschreibung gefordert.

Vier Gastronomiebetriebe haben das Finale der Uber Eats Awards 2026 erreicht und treten am 26. Oktober 2026 in Berlin gegeneinander an. Eine Jury um Tim Raue entscheidet über die Vergabe von insgesamt 55.000 Euro Preisgeld.

Der Leaders Club Deutschland besteht seit 25 Jahren und zählt inzwischen mehr als 450 Mitglieder aus über 230 Unternehmen. Das Jubiläum wird am 13. November 2026 im Rahmen des Leaders Club Award in Hamburg gefeiert.

Die Althoff Hotels starten mit dem Althoff Eats Club ein kostenfreies Angebot rund um Kulinarik, Wein und Reisen. Grand Chef Joachim Wissler teilt Restaurantempfehlungen und stellt Produzenten sowie kulinarische Entdeckungen vor.

Pizza Pilgrims kündigt sein erstes deutsches Restaurant für den 2. November 2026 in München an. Ein zweiter Standort soll im Januar 2027 folgen; insgesamt strebt die Marke bis zu 50 Standorte in Deutschland an.

Bayerns Gastronomie verzeichnete im August 2026 einen realen Umsatzrückgang von 4,5 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Die Beherbergung erzielte dagegen preisbereinigt ein Plus von 2,6 Prozent.

Die Deutsche Kreditbank (DKB) hat gemeinsam mit Sodexo den neuen Campus „Upbeat“ in der Berliner Europacity eröffnet. Sodexo übernimmt die gastronomische Versorgung sowie weitere Bewirtungsleistungen am Standort.

Das Bristol Berlin hat am Kurfürstendamm das Restaurant Flaneur eröffnet. Die Brasserie bietet französisch geprägte Küche und verfügt über 120 Plätze im Innenbereich sowie 86 Terrassenplätze.

Das Hotel der Stern in Bad Hersfeld kündigt die Schließung des L’étable zum 2. Januar 2027 an und nennt fehlende Gäste als Grund. Küchenchef, Restaurantleiter und Mitarbeiter würden im Haus bleiben und an einem neuen gastronomischen Konzept mitarbeiten.

An einer Tankstelle in München kann man sich von einem Kochroboter Käsespätzle, Kaiserschmarrn oder eine asiatische Tom-Kha-Gai-Suppe kochen lassen. In etwa fünf Minuten bereitet der autonome Koch eine warme Mahlzeit zu.