Nachtbürgermeister fürchtet wegen Corona Club- und Barsterben

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 Ohne Hilfen von Bund und Land droht aus Sicht des Mannheimer Nachtbürgermeisters ein Bar- und Clubsterben infolge der Corona-Krise. «Wir haben zwar noch keine Insolvenzen, aber etliche Betreiber kämpfen», sagte Deutschlands erster «Night Mayor», Hendrik Meier, der Deutschen Presse-Agentur. Mit zinslosen Darlehen, wie sie etwa die Stadt Mannheim anbietet, sei die Branche nicht zu retten - «das verschiebt die Probleme auf das nächste Jahr». Es brauche Zuschüsse. Und die Soforthilfe des Landes für Kleinunternehmer von 9000 Euro sei bald aufgebraucht «Viele leben von der Hand in den Mund.»

Außerdem wachse der Unmut der Kleinunternehmer, weil ihnen jegliche Öffnungsperspektive fehle, erläuterte Meier. Es werde mit zweierlei Maß gemessen: Während Restaurants ab diesem Montag in Baden-Württemberg öffnen dürfen, gebe es keine Starttermine für Bars und Clubs. Die Politik gehe hier mit zweierlei Maß vor: In der Gastronomie sei es doch auch möglich, nur etwas zu trinken - wie in Clubs. Letztere hätten aber keine Lobby und müssten deshalb geschlossen bleiben. «Viele Bars und Clubs sehen sich benachteiligt.»

Meier wollte im Juli aus dem Amt scheiden, bleibt nun aber wegen der Corona-Krise bis Ende des Jahres. Ab August wird er dann mit seinem Nachfolger fünf Monate lang im Tandem arbeiten. Um die Position haben sich 30 Menschen bei der Stadt beworben, je zur Hälfte Männer und Frauen.

Für den 28-jährigen Absolventen der Mannheimer Pop-Akademie gehören die Clubs zur Kreativwirtschaft mit einem Jahresumsatz von 100 Millionen Euro. Doch den Betreibern werde wenig Gehör geschenkt: «Die Ausgehkultur wird in Politik und Gesellschaft nicht angemessen gewürdigt - obwohl sie ständig genutzt wird.»

Eine neue Idee, um die Clubbetreiber über Wasser zu halten, ist das «Store-Konzept», bei dem deren Räumlichkeiten als Büros für Gründer, Spirituosen-Fachhandel oder Schallplatten-Laden vorübergehend umfunktioniert werden. Eine solche erweiterte Gewerbeanmeldung helfe den rund 130 Mannheimer Betreibern bei der Finanzierung der Miete. Umgesetzt ist diese Überlebens-Variante laut Meier aber noch nicht.

Als Ergänzung zu Landes- und Bundeshilfe soll ein Soforthilfeprogramm der Stadt Mannheim Selbstständigen und Unternehmen mit weniger als 50 Beschäftigen unter die Arme greifen, «die für das urbane Leben in beziehungsweise für Mannheim typische und zwingende Leistungen erbringen». Darunter fallen auch Clubs, die eine zinslose Zuwendung erhalten, wenn alle Stricke reißen. Diese Hilfen sollen zurückgezahlt werden, wenn es die finanzielle Situation nach der Krise zulässt.

Bislang ist aus der klassischen Clubszene kein Antrag eingegangen. «Wir wundern uns, denn diese Betriebe würden gut in unser Programm passen», hieß es aus dem Rathaus.

Im für sein reges Nachtleben bekannten Heidelberg werden Clubs und Bars über die städtische Wirtschaftsförderung und Heidelberg Marketing unterstützt, etwa bei der Beantragung von Bundes- und Landesgeldern, durch zinslose Stundung von Pachten an die Stadt oder bei Gesprächen mit Vermietern. Der städtische Zuschussfonds «Livemusikförderung für Heidelberger Clubs» ist für die Zeit der Corona-Beschränkungen auch für Online-Livemusik geöffnet worden.


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