Oktoberfest-Start mit Promis und Schreckmoment

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Das Münchner Oktoberfest hat einen Bilderbuchstart hingelegt: Bei sonnig-mildem Herbstwetter feierten Hunderttausende am ersten Wochenende - friedlich und fröhlich. 450.000 Gäste kamen laut Festleitung allein am ersten Tag. Trotz dichten Gedränges auf dem Festgelände - wie am ersten Wochenende üblich - sprechen Polizei und Rettungskräfte von einem insgesamt ruhigen Verlauf. 

Für Aufsehen sorgte am ersten Abend ein Fahrgeschäft, in dem die Gäste für einige Minuten kopfüber festhingen. Die Evakuierung habe fünf Minuten gedauert, berichtete der Betreiber des «Predator», Willy Kaiser, dem Bayerischen Rundfunk. «Die Leute standen etwa 120 Sekunden über Kopf.» Die restliche Zeit habe man gebraucht, um alle Personen aus den Sitzen zu holen und auf den Boden zu bringen. 

Ursache war demnach ein Sensor, der das Karussell gestoppt hatte. Dieser sei ausgetauscht worden, das Fahrgeschäft sei nach erneuter Prüfung durch den TÜV ohne Beanstandung noch am Abend wieder freigegeben worden. Vor allem Jugendliche klagten laut der Wiesn-Sanitäter nach der Fahrt über leichten Schwindel und Kreislaufprobleme.

Ein sportliches Schicksal ereilte einen Berliner Wiesn-Gast: Der 25-Jährige brach sich beim Armdrücken den Arm. Der Sanitätsdienst der Aicher Ambulanz musste am ersten Tag nach neuen Zahlen 666 Patientinnen und Patienten behandeln, vor allem wegen Alkoholvergiftungen, chirurgischer Verletzungen und Kreislaufproblemen.

Oberbürgermeister sagt Auftritt wegen Kreislaufschwierigkeiten ab

Letztere trafen auch den neuen Münchner Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne). Er sagte nach seinem perfekten Wiesn-Auftakt das Anzapfen in der Bräurosl beim traditionellen Gay Sunday wegen Kreislaufschwierigkeiten ab. Der OB sei deshalb lieber nach Hause gegangen - um am Montag wieder fit zu sein, sagte sein Sprecher.

Seine Anstich-Premiere hatte Krause am Samstag noch souverän mit zwei Schlägen bestanden. Es gab tosenden Applaus, Lob und versöhnliche Töne vom CSU-Kontrahenten und Ministerpräsidenten Markus Söder - und dann auch noch perfektes Wiesn-Wetter.

Von einem «Bilderbuchstart» in das Millionen-Spektakel spricht Wiesn-Chef Christian Scharpf (SPD). «Für das erste Wochenende rechnen wir mit knapp einer Million Gäste. Einen besseren Auftakt kann man sich nicht wünschen.»

Das 191. Oktoberfest dauert bis zum 4. Oktober, jährlich kommen mehr als sechs Millionen Besucher auf das Volksfest, das als größtes der Welt gilt. Schon am ersten Tag herrschte dichtes Gedränge, mehrere Zelte waren am Nachmittag wegen Überfüllung geschlossen. Die Ersten hatten in der Nacht vor den Eingängen gewartet und waren bei Öffnung des Geländes im Laufschritt zu den Zelten geeilt, um einen guten Platz zu bekommen.

Krause und Söder werben gemeinsam für Olympia

Auch wenn es eine politikfreie Zone sein soll: Zum Auftakt am Samstag war das Zusammentreffen des grünen OB und des schwarzen Ministerpräsidenten mit Spannung erwartet worden. Söder, der traditionsgemäß vom Oberbürgermeister die erste Maß Bier bekommt, zeigte sich zufrieden über das Miteinander - nicht nur in der Anzapf-Boxe, sondern vor allem bei der Bewerbung Münchens als deutsche Olympia-Stadt. «Wir arbeiten da sehr gut zusammen.» Auch Krause lobte «sehr gute und sehr verlässliche» Zusammenarbeit.

Zur Entscheidung über die Bewerbung am 26. September fahren beide nach Baden-Baden - und wenn München das Rennen macht, hat Krause eine gemeinsame Fahrt in der Olympia Looping-Achterbahn vorgeschlagen - Söder dazu: «Dann fahren wir nicht nur Looping, dann fahren wir auch zusammen in der Geisterbahn.»

Viele Promis feiern mit

Zahlreiche Prominente feierten in den Zelten mit: Spieler, Trainer und Verantwortliche des FC Bayern stießen im Käferzelt auf die sieben Tore gegen Union Berlin an, mit dabei auch Harry Kane und Ex-Präsident Uli Hoeneß.

Unter den Gästen im Schottenhamel waren Prominente wie FC-Bayern-Star Joshua Kimmich, der mit seiner Frau Lina, Herzog Franz von Bayern und dem Chefdirigenten der Münchner Philharmoniker, Lahav Shani, nach dem Anstrich an Krauses Tisch saß. Moderator Florian Silbereisen, DJ Ötzi und das Schlager-Duo Marianne und Michael mischen sich ebenfalls unter die Feiernden - und ein paar Zelte weiter zapft Schauspieler Ralf Moeller ein erstes Fass an, auch mit zwei Schlägen.

Trachtler und Schützen ziehen zur Wiesn

Der zweite Wiesntag begann sehr traditionsgeprägt: Mehr als 9.000 Trachtler und Schützen zogen quer durch München zum Oktoberfest. Zehntausende säumten die Straßen, um das farbenprächtige Spektakel mit Schützen, Brauereigespannen, Musikkapellen und Spielmannszügen zu sehen.

Mehr Sicherheit nach Überfüllung

Nachdem es im Vorjahr am zweiten Samstag auf der überfüllten Wiesn zu gefährlichen Situationen gekommen war, hat die Stadt als Veranstalterin das Sicherheitskonzept nachgeschärft. Von einer neuen Koordinierungsstelle auf dem Gelände aus sollen die Besucherströme auf dem Festgelände beobachtet, bewertet und bei Bedarf gesteuert werden.

Mehr als 50 KI-gestützte Kameras sollen rechtzeitig gefährliche Menschen-Ansammlungen erkennen lassen. An den besucherstarken Tagen ist ein sogenannter Crowdspotter im Einsatz, der die Besucherströme im Blick behält - und bei Bedarf Durchsagen macht.

Hunderte Polizisten und Ordner

Etwa 600 Polizeibeamte und Hunderte Ordner sind rund um das Fest im Einsatz. Die Polizei sieht sich auch mit Blick auf die jüngsten Drohnen-Vorfälle gut vorbereitet. 

Die internationale Unterstützung der Münchner Taschendiebfahnder bewährte sich schon am ersten Wiesnabend: Spezialisierte Fahnder aus Lissabon und Frankfurt am Main griffen bei einem Diebstahl und einer sexuellen Belästigung ein und nahmen Tatverdächtige vorläufig fest. Die Polizei meldete am ersten Tag gut 55 Straftaten - etwas weniger als im Vorjahr, sagte ein Sprecher. (dpa)


 

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