Ox & Klee erklärt Fine Dining für tot: Neuausrichtung im Kölner Sterne-Restaurant

| Gastronomie Gastronomie

Das Kölner Zwei-Sterne-Restaurant Ox & Klee vollzieht unter der Leitung von Daniel Gottschlich einen radikalen Kurswechsel. Mit der Proklamation, das klassische Fine Dining sei in seiner herkömmlichen Form am Ende, reagiert der Betrieb auf den gesellschaftlichen Wandel. Anstatt auf steife Etikette und Dresscodes setzt das Restaurant künftig auf ein offeneres Konzept, das die Barrieren zwischen Spitzenküche und Gast abbauen soll.

Abschied von Etikette und Dresscode

Die Neuausrichtung zielt darauf ab, die gehobene Gastronomie von ihrem elitären Image zu befreien. Laut der Geschäftsführung ist der Rahmen, in dem Spitzenküche über Jahrzehnte serviert wurde, überholt. Gäste sollen das Restaurant besuchen können, ohne sich durch förmliche Kleidung oder ein strenges Regelwerk eingeengt zu fühlen. Der Fokus rückt weg von der Statusinszenierung hin zu einer persönlichen Verbindung und emotionalen Tiefe während des Besuchs.

Fusion von Küche und Service

Ein zentraler Pfeiler des neuen Modells ist die Auflösung klassischer Hierarchien und Aufgabenfelder. Die strikte Trennung zwischen Service und Küche wurde aufgehoben. In der sogenannten „Ox & Klee Unity“ übernehmen Köchinnen und Köche den Dienst am Gast direkt und servieren ihre Kreationen selbst. Diese Umstrukturierung soll nicht nur die Authentizität erhöhen, sondern dient auch als proaktive Maßnahme gegen den Personalmangel in der Branche.

Inhaber Daniel Gottschlich stellt klar, dass die inhaltliche Qualität davon unberührt bleibt: „Wir verzichten nicht auf Präzision, Aromen-Tiefe oder technisches Können. Im Gegenteil: Unsere Gerichte müssen heute mehr leisten denn je. Sie müssen berühren. Überraschen. In Erinnerung bleiben. Nicht nur durch Geschmack, sondern durch Kontext und Moment.“

Fokus auf sechs Geschmacksqualitäten

Das kulinarische Gerüst bildet weiterhin das Konzept der sechs Geschmacksqualitäten – süß, sauer, umami, salzig, bitter und fett. Das Team um Restaurantleiter John Riel Jahn, Sommelier Yuriy Apelyushynskyy sowie die Sous Chefs Philipp Josef Klein und Linus Sicken begreift das Menü als eine Art Inszenierung, bei der der Gast aktiv in das Geschmackserlebnis eingebunden wird.

Kooperation mit Mode-Label Eightyards

Die visuelle Identität des Wandels spiegelt sich in einer neuen Kooperation wider. Zusammen mit dem Start-up Eightyards, das zum Hugo Boss Konzern gehört, wurde eine spezielle Arbeitskleidung entwickelt. Diese wird aus ressourcenschonenden Stoffüberhängen produziert. Die neue Teamkleidung sowie ein spezielles Outfit für den Chefkoch werden am 10. Februar 2026 im Rahmen einer Veranstaltung der Öffentlichkeit präsentiert.

Werdegang von Daniel Gottschlich

Küchenchef Daniel Gottschlich führt das Ox & Klee bereits seit 2016 auf Sterneniveau; 2019 folgte die Auszeichnung mit dem zweiten Michelin-Stern. Der gelernte Koch und Musiker erlangte zudem Bekanntheit als erster Gastronom, der ein Stipendium an der Deutschen Akademie Villa Massimo in Rom erhielt. 


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Das Cannstatter Volksfest lockt mit Achterbahnen und Karussellen – doch wie viel müssen Besucher für den Bierkrug wirklich zahlen? Es gibt deutliche Unterschiede zwischen den Zelten.

Ausnahmezustand in München: Bei weiß-blauem Himmel hat das Oktoberfest begonnen. Der neue Oberbürgermeister wuppt seine Anzapfpremiere mit Bravour. Für einige Gäste gab es einen Schreckmoment.

Beim traditionellen Mittagsempfang des Bundesverbands der Systemgastronomie trafen sich in München rund zweihundert Gäste. Im Mittelpunkt standen die Verleihung des Branchenpreises sowie die Forderung nach politischen Reformen. Zusätzlich zeichnete der Verband Ingrid Hartges mit dem Ehrenpreis aus.

Das 191. Münchner Oktoberfest ist eröffnet. Neu-Oberbürgermeister Dominik Krause zapfte bei seiner Anstich-Premiere mit zwei Schlägen das erste Fass Bier an und startete mit dem «O'zapft is» das weltberühmte Volksfest.

Das deutsche Gastgewerbe setzte im Juli 2026 real 4,0 Prozent weniger um als im Vorjahresmonat. In der Gastronomie sank der reale Umsatz um 4,7 Prozent, bei den Hotels und sonstigen Beherbergungsunternehmen um 2,0 Prozent.

Das Café an der Spanischen Treppe gehört zu den ältesten Kaffeehäusern in Italien. Schon Goethe war hier zu Gast. Jetzt steht es seit bald einem Jahr leer. Und kommt aus den Schlagzeilen nicht heraus.

Der Europa-Park hat das Mitarbeiterrestaurant „Coasteria“ mit integrierter Zentralküche eröffnet. In den 4.500 Quadratmeter großen Neubau investierte das Unternehmen nach eigenen Angaben einen zweistelligen Millionenbetrag.

Der Anteil der Befragten, nach deren Ansicht bargeldloses Bezahlen in gastronomischen Betrieben möglich sein sollte, ist gestiegen. YouGov weist gegenüber März 2025 bei allen abgefragten Orten höhere Werte aus.

Bei den ersten Chef:in Awards in Hamburg sind neun Frauen in sieben Kategorien ausgezeichnet worden. Sarah Hallmann und Julia A. Leitner teilen sich den Titel Köchin des Jahres 2026.

DoorDash hat mit Wonder die Übernahme von Grubhub Campus Dining für 300 Millionen US-Dollar vereinbart. Die Technologie soll künftig auch in Hotels eingesetzt werden.