Sommer ohne Volksfeste – „Wiesn“ weiter auf der Kippe

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Ein Sommer ohne Volksfeste. Bis zum 31. August sind alle Großveranstaltungen wegen der Corona-Krise abgesagt. Das heißt auch: kein bierseliges Feiern in Festzelten, kein Gedränge an Achterbahn und Riesenrad. In Straubing etwa fällt damit das Gäubodenvolksfest aus. Eine Entscheidung über das Oktoberfest soll noch im April fallen, kündigte Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) am Donnerstag an.

«2020 wird es also kein Gäubodenvolksfest geben», sagte Straubings OB Markus Pannermayr (CSU). Das Fest startet immer am zweiten Freitag im August und zählt zu den größten Volksfesten im Freistaat. Zuletzt hatte sich die Besucherzahl bei gut 1,4 Millionen Menschen eingependelt. «So bitter das ist - es ist in dieser Situation aus meiner Sicht eine notwendige und die richtige Entscheidung», schrieb der Oberbürgermeister in einer «Facebook»-Botschaft.

Von den aktuellen Regelungen wegen der Corona-Krise sind auch zahlreiche andere Volksfeste betroffen, so wurden auch das traditionsreiche Karpfhamer Fest im niederbayerischen Rottal und die Allgäuer Festwoche in Kempten abgesagt. In Bayreuth wurden das Volksfest und das Sommernachtsfest gestrichen.

Für die Kommunen sind Volksfeste nicht allein Brauchtums-Events, sondern enorme Wirtschaftsfaktoren, von den denen neben Festwirten und Schaustellern auch Hotels, Gastronomie und Einzelhandel profitieren.

In München steht eine Entscheidung über das Oktoberfest noch aus. Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) sagte, er teile die Skepsis von Ministerpräsident Markus Söder, dass es aus heutiger Sicht schwer vorstellbar sei, dass das Oktoberfest in diesem Jahr stattfinden werde. Die Wiesn soll am 19. September beginnen und am 4. Oktober enden.

Noch vor einiger Zeit hatten OB Reiter und Festleiter Clemens Baumgärtner (CSU) betont, die Entscheidung solle so spät wie möglich fallen, voraussichtlich Ende Mai oder Anfang Juni - bevor die konkreten Arbeiten für die Wiesn beginnen.

Rund sechs Millionen Besucher aus aller Welt kommen im Durchschnitt zur Wiesn, bis zu 250 000 Menschen sind an sehr gut besuchten Tagen auf dem rund 34 Hektar großen Gelände unterwegs - Abstand halten ist im Gedränge schier unmöglich. Für die Wirtschaft wäre eine Absage ein schwerer Schlag. Rund 1,23 Milliarden Euro nahm die Wirtschaft laut Stadt mit der Wiesn im vergangenen Jahr ein.

Söder kann sich wegen Corona ein Oktoberfest 2020 «kaum vorstellen»

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder sieht wegen der Corona-Pandemie das Oktoberfest in diesem Jahr in akuter Gefahr. «Ich bin sehr, sehr skeptisch und kann mir aus jetziger Sicht kaum vorstellen, dass eine solch große Veranstaltung überhaupt möglich ist zu dem Zeitpunkt», sagte der CSU-Chef am Mittwochabend im Bayerischen Rundfunk.

Söder betonte, dass die finale Entscheidung aber noch nicht getroffen sei. In den kommenden beiden Wochen wolle er zusammen mit Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) darüber beraten und entscheiden. Grundsätzlich stehe das Volksfest aber «sicher» auf der Kippe. «Es wäre zwar schade, aber aus jetziger Sicht eher unwahrscheinlich», betonte er.

Am Mittwoch hatten in Berlin Bund und Länder beschlossen, Großveranstaltungen zunächst bis Ende August zu verbieten. Nach dem Zeitplan wäre die Wiesn - geplanter Start ist der 19. September - durchführbar. Allerdings sehen die Experten bis dahin zu wenig Zeit, um Medikamente und Impfungen zu entwickeln.

Laschet: Viele Schützenfeste werden nicht stattfinden können

Durch das Verbot von Großveranstaltungen bis mindestens 31. August werden viele Schützenfeste in NRW in diesem Sommer nicht stattfinden können. Das sagte Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) am Mittwoch. NRW habe in der Schaltkonferenz der Länder mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf eine entsprechende Regelung gedrungen, damit die Vereine Planungssicherheit hätten, sagte Laschet.

In NRW sollte zum Beispiel ab dem 17. Juli die große Rheinkirmes der St. Sebastianus-Schützen starten, in Neuss ab dem 28. August das große Schützenfest. Die riesige Cranger Kirmes im Ruhrgebiet war bisher vom 6. bis 16. August geplant.

Volksfestabsagen im Norden bedrohen Existenz der Schausteller

Für die Schausteller im Norden fällt der Saisonauftakt wegen der Corona-Pandemie aus. Die Aussichten für die kommenden Monate sind ungewiss. «Für viele Betriebe ist das existenzgefährdend», sagte Rudolf Robrahn, Vorsitzender des Schaustellerverbands Bremen, der Deutschen Presse-Agentur. Eigentlich hätten Robrahn und seine Kollegen seit vergangenem Wochenende auf der Bremer Osterwiese stehen wollen - doch sie fällt aus.

In Hannover sollte am Karsamstag das Frühlingsfest beginnen, das sonst bis zu 700 000 Menschen anzieht. Es ist ebenfalls abgesagt. «Das ist eine unsichere Zeit», sagte Harald Müller, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft für Volksfeste Hannover. «Jetzt sind wir in Lauerstellung, was mit dem Schützenfest in Hannover wird.» Es gilt mit mehr als einer Million Besuchern jährlich als größtes Schützenfest weltweit. Nach Angaben einer Stadtsprecherin ist noch nicht entschieden, ob das Fest ab dem 3. Juli stattfinden kann.


 

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