Weil Personal fehlt: Restaurants an der Küste kürzer offen 

| Gastronomie Gastronomie

Späterer Start, früherer Küchenschluss und mehr Ruhetage: Wegen Personalmangels schränken einige Restaurants und Bäckereien in den Urlaubsorten in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern ihre Öffnungszeiten ein. 
«Wegen Personalmangels bleibt der Laden vorerst bis 10 Uhr geöffnet», steht auf einem Schild im Eingang einer Bäckerei auf dem nordfriesischen Festland. Die Folgen fehlender Mitarbeiter zeigen sich hier deutlich: Die zwei Filialen eines Bäckers in Deezbüll und Klanxbüll waren im vergangenen Jahr vorübergehend geschlossen. Seit dem Winter 2024 ist wieder geöffnet - allerdings mit deutlich eingeschränkten Öffnungszeiten. 

Föhr: Restaurant nur drei Tage geöffnet

Auch auf Sylt mussten wegen Personalmangels Filialen einer Bäckerei zeitweise geschlossen bleiben. Um die Kunden trotz des massiven Fachkräftemangels mit Brot und Brötchen zu versorgen, hatte der Betreiber schließlich in Westerland eine Selbstbedienungs-Filiale eröffnet, in der Menschen bargeldlos und ohne Kassierer bezahlen. 

Das Restaurant «Saimons» in Nieblum auf Föhr hatte im Winter mehrere Monate nur an drei Tagen pro Woche geöffnet, wie der Betreiber der dpa sagte. Fehlendes Personal sei auch hier der Grund gewesen. Inzwischen sei das Lokal auf der Nordseeinsel wieder an sechs Tagen pro Woche ab 12.00 Uhr geöffnet. 

«Bis vor drei Wochen hatten wir nur abends geöffnet und haben keinen Mittagstisch angeboten», sagte der Betreiber. Die Arbeitskräfte für längere Öffnungszeiten hätten schlicht gefehlt. Auch in anderen Küstenorten haben einige Lokale das Mittagessen gestrichen. 

Wandel der Lebensgewohnheiten

Als Grund für den Rückgang des Mittagsgeschäftes sieht der Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) Schleswig-Holstein auch einen Wandel der Lebensgewohnheiten. «Generell frühstücken die Gäste später und verzichten auf das klassische Mittagessen. Eher wird ein Mittagsimbiss oder eine kleine Speise unterwegs eingenommen», teilte Axel Strehl der Deutschen Presse-Agentur (dpa) mit. Das Abendessen habe hingegen an Bedeutung hinzugewonnen. «Dieser Entwicklung passen die Betriebe Ihre Öffnungszeiten nach und nach an», sagte er. 

Fehlendes Personal ist laut Dehoga allerdings weiterhin ein Dauerthema: Zahlreiche Mitarbeiter, die während Corona gekündigt wurden, kehren nicht in die Gastronomie zurück. Gleichzeitig gibt es wenige Berufseinsteiger. Hinzu kommen die gestiegenen Energie- und Lohnkosten sowie teils hohe Preise für Lebensmittel.

Mecklenburg-Vorpommern

In Gaststätten in Mecklenburg-Vorpommern war die Zahl der Mitarbeiter laut Daten des Statistischen Landesamtes im vergangenen Jahr um 0,9 Prozent gesunken. Gleichzeitig kommen laut Statistik wieder mehr Gäste in den Nordosten. Nach Branchenangaben sei es immer schwieriger, Personal zu finden. Das wirke sich auch hier mancherorts auf die Öffnungszeiten aus. 
Wer im Urlaubsort Kummerow (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte) am gleichnamigen See nach 20 Uhr noch im Restaurant essen möchte, hat es nicht leicht. Beispielsweise im Restaurant «Seeblick» ist dann bereits Küchenschluss. Es fehlen schlicht die Köche, wie Geschäftsführerin Claudia Bernhard der dpa sagte. 

Vier Vollzeitköche seien demnach im Einsatz. Bei einer Sieben-Tage-Woche und Öffnungszeiten ab 11.30 Uhr seien das angesichts der zahlreichen Arbeitsstunden nicht genug. Die Folgen sind für sie spürbar: «Die Kunden fühlen sich eingeschränkt und natürlich hat das auch finanzielle Folgen, weil wir weniger Arbeit annehmen können.»

Urlauber haben indes das Nachsehen

Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) in Mecklenburg-Vorpommern blickt mit Sorge auf die derzeitige Situation der Gastronomie-Branche. Weil Personal fehlt, erhöhen sich in der Hauptsaison in einigen Orten bei den gastronomischen Betrieben die Schließtage, dies sorgt mancherorts für Verstimmungen. Laut Verband können einige Betriebe aufgrund des Personalmangels die Häuser nicht mehr komplett auslasten, um weiterhin einen guten Service zu bieten.


Zurück

Vielleicht auch interessant

Der Guide Michelin hat seine nationale Auswahl 2026 für Österreich vorgestellt und bestätigt die Drei-Sterne-Liga in Wien. Mit 101 Sterne-Restaurants und zahlreichen Neuzugängen zeigen die Auszeichnungen die positive Entwicklung in der österreichischen Gastronomieszene.

Das Zwei-Sterne-Restaurant Ammolite im Europa-Park hat unter dem neuen Namen „House of Light“ nach einer Modernisierung wiedereröffnet. Küchenchef Peter Hagen-Wiest setzt weiterhin auf eine klassisch europäische Küche mit regionalem Fokus in einem neu gestalteten Ambiente.

Der neue Michelin Guide Frankreich & Monaco 2026 ist vorgestellt worden. Wie der Veranstalter mitteilt, wurde die Auswahl im Grimaldi Forum in Monaco präsentiert. Insgesamt umfasst die aktuelle Ausgabe 668 Sterne-Restaurants, darunter 31 Häuser mit drei Sternen, 84 mit zwei Sternen und 553 mit einem Stern.

Das Restaurant Noma hat einen Bericht zu Arbeitsbedingungen veröffentlicht. Hintergrund sind Vorwürfe gegen Küchenchef René Redzepi sowie eine breitere Debatte über Strukturen in der Spitzengastronomie.

Lieferando hat in Hamburg ihre Awards für das Jahr 2025 verliehen und dabei Infinity Sushi zum bundesweiten Gesamtsieger gekürt. Erstmals erhielten auch Unternehmen aus dem Lebensmittel- und Einzelhandel eigene Auszeichnungen in dem nutzerbasierten Ranking.

Die Caterer im Dehoga fordern für das Jahr 2026 umfassende wirtschaftliche Reformen und warnen vor zusätzlichen Belastungen durch die geplante Tierhaltungskennzeichnung. Neben dem Abbau von Bürokratie setzt sich der Verband für eine Flexibilisierung der Arbeitszeiten ein.

Die Jeunes Restaurateurs Deutschland feiern im Jahr 2026 ihr 35-jähriges Bestehen und setzen mit dem Jubiläumsmotto „Genuss, der weitergeht“ verstärkt auf Nachwuchsförderung und soziale Projekte.

Jamie Oliver hat ein neues „Jamie’s Italian“ in London eröffnet. Der Standort am Leicester Square markiert laut Medienberichten die Rückkehr der Marke nach der Insolvenz im Jahr 2019.

Katharina Aichhorn aus Baden-Baden gewinnt den Next Chef Award 2026 auf der Internorga in Hamburg. Im Finale setzte sie sich mit einem exakt nachgekochten Gericht gegen internationale Konkurrenz durch.

In der Motorworld Region Stuttgart in Böblingen ist ein neues Restaurant eröffnet worden. Gleichzeitig wurde ein  Hotel am Standort neu ausgerichtet. Wie aus einer Mitteilung hervorgeht, umfasst das Angebot nun das Motorworld Inn Restaurant sowie das Motorworld Inn Hotel, das aus dem bisherigen V8-Classic-Hotel hervorgegangen ist.