Jochen Swoboda, bislang CEO von Seminaris, erklärt in einem Abschiedstext, Seminaris Hotels werde in seiner bisherigen Form nicht weiterbestehen. Die acht Häuser würden seit dem 1. Oktober 2026 unter dem Dach der Belvilla Deutschland GmbH weitergeführt. Die Immobiliengesellschaft Aroundtown hatte dagegen am 30. September 2026 mitgeteilt, die Hotels würden „weiterhin unter der Marke Seminaris betrieben“.
„Seminaris wird in dieser Form nicht weiterbestehen“, schreibt Swoboda an Kollegen, Geschäftspartner und Wegbegleiter. Zum 30. September 2026 sei für Seminaris eine Ära zu Ende gegangen. Für ihn persönlich sei damit auch eine berufliche Station beendet. Welche Marken die einzelnen Hotels künftig tragen sollen, erläutert er nicht.
In seiner Stellungnahme blickt Swoboda auf die Veränderungen bei Seminaris zurück, beschreibt die wirtschaftliche Entwicklung aus seiner Sicht und äußert Wünsche für die Zeit nach dem Betreiberwechsel.
Swoboda weist wirtschaftliche Schieflage als Grund für Betreiberwechsel zurück
Swoboda erklärt, Seminaris habe keinen neuen Betreiber aufgrund einer wirtschaftlichen Schieflage benötigt. „Wir haben in den vergangenen Jahren eine wirtschaftlich erfolgreiche und effiziente Organisation aufgebaut“, schreibt er. Konkrete Umsatz- oder Ergebniszahlen nennt er nicht.
Das Unternehmen habe in den vergangenen Jahren Strukturen vereinfacht, Kosten und Prozesse kritisch hinterfragt und Verantwortung anders organisiert. Zum Zusammenhang mit dem Betreiberwechsel schreibt Swoboda: „Wir haben Seminaris so aufgestellt, dass die Gruppe, ihre Häuser und auch das MICE-Geschäft attraktiv für neue Betreiber geworden sind.“
Die Veränderung der Eigentümer- beziehungsweise Betreiberstruktur bezeichnet er als „eine rein unternehmerische Entscheidung“. Sie sei Teil einer Entwicklung, die Seminaris nicht mehr selbst bestimmen könne. Nicht alles, was am Ende eines solchen Prozesses geschehe, liege in der Hand der Menschen, die zuvor über Jahre Verantwortung getragen hätten.
Aroundtown kündigte die Fortführung der acht Häuser unter Seminaris an
Wie Tageskarte am 1. Oktober 2026 berichtete, meldete Aroundtown die Vermietung der acht Hotelimmobilien an Sunday Hotels. Genannt wurden Bad Honnef, Bad Boll, Leipzig und Nürnberg, zwei Häuser in Potsdam sowie jeweils ein Hotel in Berlin und Lüneburg. Die Immobilien gehören Aroundtown.
Im Rahmen einer neuen Partnerschaft zwischen Seminaris und Sunday Hotels würden die Häuser weiterhin unter der Marke Seminaris betrieben, erklärte die Immobiliengesellschaft. In der Mitteilung sagte Puneet Yadav, dort als SVP & Head of Hotels, Europe (Sunday & Belvilla Hotels) bezeichnet: „Die Gäste können sich auf Kontinuität im täglichen Hotelbetrieb verlassen“.
Belvilla bot am ersten Oktober vier Hotels unter Sunday-Namen an
Der Tageskarte-Bericht vom 1. Oktober dokumentierte zugleich Angebote auf der Website von Belvilla by OYO. Dort erschienen die Häuser als Sunday Hotel Bad Honnef, Sunday Hotel Bad Boll, Sunday Hotel Leipzig West und Sunday Hotel Nürnberg. Bei den ersten drei Hotels stand zusätzlich der Hinweis „ehemals Seminaris“.
Die Seminaris-Website präsentierte am 1. Oktober dagegen nur noch vier Hotels. Bad Honnef, Bad Boll, Leipzig und Nürnberg waren dort nicht mehr aufgeführt. Wie sich die Sunday-Namen und der Zusatz „ehemals Seminaris“ zur angekündigten Fortführung der Marke verhalten, erläuterte Aroundtown in seiner Mitteilung nicht.
Seminaris bestätigte den Betreiberwechsel zuvor bereits in zwei Schritten
Tageskarte hatte bereits am 29. September 2026 über den Betreiberwechsel berichtet. Seminaris bestätigte auf Anfrage, dass die Häuser in Bad Honnef, Bad Boll, Leipzig und Nürnberg zum 15. September 2026 an die Belvilla Deutschland GmbH übergegangen seien. Das SeeHotel Potsdam, das Avendi Potsdam sowie Berlin und Lüneburg sollten zum 1. Oktober folgen.
Zu den Folgen für die Beschäftigten in den Hotels und der Berliner Zentrale sowie zur künftigen Rolle der Seminaris Hotel- und Kongressstätten Betriebsgesellschaft mbH machte Seminaris damals keine Angaben. Für weitere Fragen verwies das Unternehmen an Yadav von OYO. Auch die Aroundtown-Mitteilung enthielt keine Angaben zu den Beschäftigten.
Seminaris stieß zwischen 2019 und 2024 eine Transformation an
In seinem Rückblick erklärt Swoboda, Seminaris habe zwischen 2019 und 2024 eine Transformation angestoßen, die im Grunde alle Unternehmensbereiche umfasst habe. Das Unternehmen habe Strukturen verändert, Verantwortlichkeiten neu verteilt und Entscheidungswege verkürzt. Es habe versucht, mehr Verantwortung näher an die Teams und in die Häuser zu verlagern.
Dabei sei nicht alles richtig gemacht worden, räumt Swoboda ein. Es habe Entscheidungen gegeben, die man später anders getroffen hätte, und Phasen, in denen man sich gefragt habe, ob der eingeschlagene Weg richtig sei.
Seminaris habe versucht, Hierarchien dort abzubauen, wo sie im Weg gestanden hätten. Mitarbeiter hätten Raum erhalten sollen, selbst Lösungen zu entwickeln. Swoboda beschreibt sein Führungsverständnis so: „Für mich war und ist gute Führung weniger eine Frage von Kontrolle als vielmehr von Vertrauen.“
Wer Menschen Verantwortung gebe, müsse ihnen auch zutrauen, diese zu übernehmen. Zur persönlichen Entwicklung gehöre zudem die Möglichkeit, Fehler zu machen und daraus zu lernen. Als Werte der Zusammenarbeit nennt Swoboda Wertschätzung, Teamstärke, Kommunikationsfreude und Selbstbestimmtheit. Diese seien nicht immer erreicht worden; man habe sich aber wiederholt daran messen lassen.
Seminaris entwickelte eigene Programme aus Erfahrungen mit der Transformation
Aus der Veränderung seien die Programme Welcome!, Needs!, Dreams!, Peers! und Futuready! entstanden, erläutert Swoboda. Sie seien nicht eingekauft worden, sondern aus eigenen Erfahrungen und Gesprächen hervorgegangen. Dabei habe man sowohl berücksichtigt, was funktioniert habe, als auch, was nicht funktioniert habe.
Swoboda nennt in diesem Zusammenhang Wissen und Erfahrungen über Führung, Ausbildung, persönliche Entwicklung und Zusammenarbeit. Er hoffe, dass diese auch bei veränderten Strukturen und Verantwortlichkeiten erhalten blieben.
Auch die Konzepträume und Veranstaltungsformate beschreibt er im Zusammenhang mit Austausch, Lernen und Entwicklung. Die Bedingungen, die Seminaris seinen Gästen dafür habe bieten wollen, habe das Unternehmen zugleich den eigenen Mitarbeitern ermöglichen wollen.
Swoboda hofft auf Fortbestand der bisherigen Arbeitsweise in den Häusern
Für die Zeit nach dem Wechsel äußert Swoboda die Hoffnung, dass die bisherige Art zu arbeiten erhalten bleibe. Menschen sollten weiterhin Verantwortung übernehmen dürfen, Führung solle auf Vertrauen beruhen und unterschiedliche Meinungen sollten Gehör finden. Fehler sollten nicht sofort als Scheitern betrachtet werden.
„Denn Kultur kann man nicht übergeben wie einen Schlüssel“, schreibt Swoboda. Er hoffe, dass Teile dessen, was gemeinsam aufgebaut worden sei, weiterlebten und andernorts wieder aufgegriffen würden.
Sein Dank gilt den Mitarbeitern in den Hotels und der Zentrale, den Führungskräften sowie Kunden und Geschäftspartnern. Er verweist dabei auch auf Beiträge, die sich nicht in Zahlen messen ließen: Kollegen zu unterstützen, füreinander einzustehen und Menschen in schwierigen Situationen aufzufangen.
Es blieben acht Häuser mit ihrer Geschichte, Kunden, Partner und die Erfahrungen aus der Veränderung von Seminaris, erklärt Swoboda. Über seinen persönlichen Abschied schreibt er: „Für mich persönlich ist damit nicht einfach eine berufliche Station zu Ende gegangen. Es endet ein Stück Weg, das mich sehr geprägt hat.“
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