Dorint-Chef Dirk Iserlohe fordert Solidarpakt für Gastronomen und Hoteliers

| Hotellerie Hotellerie

Dirk Iserlohe hat von der Bundesregierung einen Solidarpakt gefordert, um Gastronomen und Hoteliers in der Corona-Krise zu entlasten. Vermieter sowie Banken müssten stärker in die Verantwortung gezogen werden, da sonst angesichts ausbleibender Umsätze ein «baldiges Hotel- und Restaurant-Sterben» drohe, schreibt der Familienunternehmer Iserlohe in einem Brief an die Bundesregierung, der der dpa vorliegt.

Iserlohe, der die Hotelkette Dorint leitet, schlägt vor, allgemeingültige Regelungen mit Banken und Immobilieneigentümern zu etablieren, die mehr finanziellen und zeitlichen Spielraum für die Gastronomen ermöglichten. Die bislang beschlossenen Hilfsmaßnahmen - etwa Soforthilfen oder die temporäre Senkung der Umsatzsteuer - reichen nach Ansicht des Unternehmens nicht aus, um die ausbleibenden Umsätze der Branche zu kompensieren. Nachholeffekte seien - anders als in anderen Branchen - nicht zu erwarten. (dpa)

Ausfühliche Fassung der Iserlohe Argumentation:

Iserlohe stellt fest, dass die Hotel- und Gastronomiebetriebe in ganz Deutschland noch keinerlei ausreichende Programme, Hilfsmaßnahmen oder unterstützende Gesetze erhalten hätten. Seiner Meinung nach greife die beschlossene Umsatzsteuer-Senkung – ausschließlich auf Speisen und vor allem nur für ein Jahr befristet – in Zeiten von schwachen Umsätzen nicht. Wenn die Umsätze vielleicht wieder ein akzeptables Niveau erreicht haben, ziehte der Staat die Entlastung wieder zurück.

Viele der Hoteliers fühlen sich - wie Iserlohe selbst - von der Bundesregierung unverstanden und vernachlässigt!

Der Streit um die Pacht und Miete ist im vollen Gange

Dirk Iserlohe spricht inzwischen sogar davon, dass bei den Immobilien-Eigentümern, die an Hotels und Gaststätten vermietet oder verpachtet haben, der „Darwinismus“ ausgebrochen sei. Damit sorgten die Vermieter und Verpächter – gestärkt durch ihre Lobby und Verbände dafür, dass keinerlei Solidarität, sondern nur noch blanker Egoismus in der Wirtschaft durch das aktuelle Covid 19 Gesetz gefördert wird.

Druck zur Zahlung von Pachten, Mieten und Kapitaldiensten wächst

Dirk Iserlohe hat als Betroffener – das Volumen der Pachten und Kapitaldienste in seinem Konzern beträgt rund 50 Millionen Euro, denen keine nennenswerte Umsätze gegenüberstehen – bereits mehrfach zum Artikel 240 § 2 EGBGB Stellung bezogen. Aktuell werde seiner Meinung nach ausschließlich den Banken und den Vermietern/Verpächtern der Rücken gestärkt. Im dritten Monat der Corona-Krise bedeute das, dass der Druck zur Zahlung der Mieten, Pachten und Kapitaldienste nun – bei allen Hoteliers und Gastronomen – wachse, ja sogar eskaliert.

Hinzu kommet, dass die Zinsen für Pacht- oder Mietrückstände mit neun Prozent  pro Jahr über dem Basiszins berechnet werden, Vollstreckungen angedroht und wahrscheinlich demnächst Gerichtsvollzieher bestellt würden. „Davon werden die kleinen und großen Betriebe der Hotel- und Gastronomiebranche gleichermaßen betroffen sein“, so - der in den letzten Jahren erfolgreiche - Familienunternehmer Dirk Iserlohe. „Das hat doch nichts mehr mit sozialer Marktwirtschaft zu tun“, ärgert er sich inzwischen. Der Aufsichtsratschef der Dorint Hotelgruppe fordert – um ein Aussterben der Hotellerie und Gastronomie und der Lieferanten zu verhindern – noch einmal deutlich die Einführung eines Solidarpaktes.

Aus Sicht von Iserlohe sei in Österreich das Thema Raumkosten – zwar genauso ungerecht – aber konträr gelöst worden. Mieter bzw. Pächter schulden während der „Sperrphase“ keine Mietzahlungen und haben sogar unter besonderen Bedingungen ein Sonderkündigungsrecht. Iserlohe steht für eine ausgleichende Lösung:

  1. PACHT/MIETE: Die durch die Corona-Krise bedingten, notwendigen Reduzierungen der Raumkosten (keine Stundungen!) der Jahre 2020 und 2021 werden zwischen den Vertragsparteien nach Billigkeit und Leistungsfähigkeit halbiert. Der auf den Nutzer/Mieter entfallende Anteil soll dann ab dem Jahr 2022 über die Restlaufzeit des Vertragsverhältnisses (mindestens aber  zehn Jahre) verteilt und der vereinbarten Regelpacht oder -Miete zugeschlagen werden. Sollte das Vertragsverhältnis keine Restlaufzeit von zehn Jahren aufweisen, wären nachlaufende Zahlungen zu leisten.
  2. BANKEN: Die Kapitaldienste, die krisenbedingt oder wegen der Ziffer (1) erfolgten Mindereinnahmen nicht gezahlt werden können, müssen ausgesetzt und an das Ende der Finanzierungslaufzeit prolongiert werden (mindestens aber verteilt auf fünf Jahre). Hier verweist der alleinige Vorstand der HONESTIS AG Iserlohe auf die Gesetzgebung zum Verbraucherkredit, bei der der Gesetzgeber dies so geregelt hat. Es ist seiner Meinung nach unangemessen, den Kreditnehmer zu benachteiligen, der mit gewerblichen Mietern/Pächtern Vertragsverhältnisse abgeschlossen hat.
  3. CORONA-VERLUSTE: Die Hotellerie und Gastronomie ist dabei gigantische Verluste zu erleiden, selbst wenn der Solidarpakt, wie von mir vorgeschlagen, gesetzlich verankert wird“, ist Dirk Iserlohe besorgt.  Er geht davon aus, dass der absolute Betrag der Verluste das zehn-  bis 15-fache der durchschnittlichen Gewinne des Wirtschaftjahres 2019 ausmachen wird. Dies kann seiner Meinung nach die Branche nicht ohne verlorene Zuschüsse überleben. Durch die Teilschritte der Lockerungen in die sogenannte „neue Normalität“ werden nun die Personalkosten der Hotels und Restaurants – bedingt durch die Rückkehr aus der Kurzarbeit – sofort sprunghaft ansteigen, und das bei einem begrenzten Umsatz.

Denn es wird ja weiterhin einschneidende Begrenzungen wie Einschränkungen in den Betrieben und darüber hinaus einen gravierenden Konsum-Verzicht bei Kunden und Gästen geben. Dadurch  wird die Verlustphase faktisch erheblich verlängert.

Für Dirk Iserlohe gibt es daher nur folgende Lösung für die Hotel- und Gastronomie-Branche: Die nach dem Solidarpakt zwischen Immobilienbesitzern, Nutzern und Banken noch verbleibenden Verluste aus der Corona-Krise würden vom Staat für die Phase der bestehenden Pandemie über die Steuererklärung berücksichtigt. Diese Lösung würde dem Staat dann auch das kostspielige Kurzarbeiter-Geld sparen. Die Zwischenfinanzierung könnte weiterhin über die KfW oder die Länderprogramme aufgefangen werden. Aus der Rückerstattung könnten dann die aufgenommen KfW-Finanzierungen wieder getilgt werden.


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Firmen mieten bei Havens Living Wohnungen für ihre Beschäftigten: Seit September 2025 sind es nach Unternehmensangaben bereits 400 Apartments in Frankfurt, Berlin und Hamburg. International Campus will die Zusammenarbeit mit Arbeitgebern ausbauen.

Nach Datenlecks bei Buchungsdienstleistern nutzen Kriminelle echte Reservierungsdaten für betrügerische Nachrichten. Niedersachsens Datenschutzbehörde erläutert, welche Gäste Betriebe informieren müssen und welche technischen Maßnahmen vorgesehen sind.

Das Sheraton Fuerteventura Beach, Golf & Spa Resort schließt Ende September 2026 für eine umfassende Renovierung. Die Wiedereröffnung des Fünf-Sterne-Hotels auf den Kanaren ist für den 1. Mai 2027 geplant.

Das Hotelcamp Reinsehlen entwickelt sein Konzept weiter und tritt als Lodge Reinsehlen auf. Zur Neuausrichtung gehören eine überarbeitete Lobby, geplante Ruheplattformen und ein stärkerer regionaler Bezug in der Gastronomie.

Die US-Verbraucherschutzbehörde FTC bereitet laut Reuters ein Vorgehen gegen Booking Holdings wegen möglicherweise irreführender Hotelwerbung vor. Nach Angaben einer dieser Personen könnten die möglichen Strafen mehr als 500 Millionen Dollar betragen.

Die Motorworld Group plant am Hockenheimring eine neue Erlebnis- und Veranstaltungswelt. Das Projekt soll Motorsport, Handel, Werkstätten, Hotellerie, Gastronomie, Veranstaltungen und Dienstleistungen an dem Rennsportstandort miteinander verbinden.

Das Hotel The Hoxton, Amsterdam hat seine Räumlichkeiten an der Herengracht nach zehnjährigem Bestehen umfassend neugestaltet. Neben der Lotti’s Bar und dem Tagungsbereich wurden fünf individuelle Signature-Zimmer renoviert.

Premier Inn hat am Bodensee ein neues Hotel eröffnet. Der sechsgeschossige Neubau ist das 76. Hotel der Marke in Deutschland. Neben dem bereits bestehenden Standort in Lindau ist die Hotelgruppe damit nun auch in Konstanz vertreten.

Im August 2026 verbuchten die Beherbergungsbetriebe in Deutschland 58,7 Millionen Übernachtungen in- und ausländischer Gäste. Wie das Statistische Bundesamt nach vorläufigen Ergebnissen mitteilt, waren das 1,1Prozent weniger als im August 2025.

Die Betreibergesellschaft des ehemaligen Hotels Reichshof in Norden, das heute Tides Boutique Hotel heißt, hat einen Insolvenzantrag gestellt. Nach Angaben von des Insolvenzverwalters werde der Hotel- und Gastronomiebetrieb uneingeschränkt fortgeführt.