Hotellerie 2035: Fraunhofer IAO entwirft drei Zukunftsszenarien

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Das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO hat im Rahmen seines Innovationsnetzwerks FutureHotel ein neues Weißbuch mit dem Titel Future Hotel – Future Projections for 2035 veröffentlicht. Die Autorinnen Constanze Heydkamp und Vanessa Borkmann präsentieren darin drei wissenschaftlich fundierte Zukunftsbilder, welche die künftigen Rollen der Hotellerie definieren. Die Untersuchung stützt sich auf eine tiefgreifende Analyse gesellschaftlicher, technologischer sowie ökonomischer Entwicklungen und integriert Erkenntnisse aus Fachworkshops mit Branchenexperten. Im Fokus der Betrachtung stehen die Nachhaltigkeit, die fortschreitende Digitalisierung sowie die Einbindung der Betriebe in lokale Ökosysteme.

Methodik der vorausschauenden Forschung

Die Erarbeitung der Szenarien erfolgte durch anerkannte Methoden der Zukunftsforschung, die eine strukturierte Datenauswertung mit einer kreativen Antizipation möglicher Entwicklungen verbinden. Laut den Autorinnen ist das Ziel nicht eine präzise Vorhersage, sondern die Identifikation strategischer Optionen für Unternehmen. Dabei wurden globale Megatrends wie der Klimawandel, die Automatisierung, der Einsatz Künstlicher Intelligenz sowie der anhaltende Fachkräftemangel berücksichtigt. Die Studie dient als wissenschaftlicher Impulsgeber für Entscheider in der Beherbergungsindustrie, im Tourismus und in der Politik.

Revitalisierung des ländlichen Raums als Synergy Hub

Ein zentrales Modell für das Jahr 2035 ist der sogenannte Synergy Hub. Dieses Konzept ist primär auf den ländlichen Raum und klassische Ferienregionen zugeschnitten. Das Hotel übernimmt hier die Funktion eines zentralen Dienstleistungszentrums für eine ganze Region mit dezentral verteilten Unterkünften. Ziel dieses Modells ist eine deutliche Effizienzsteigerung durch die gemeinschaftliche Nutzung von Ressourcen, Räumlichkeiten und Personal. Das Geschäftsmodell folgt dem Prinzip der Gemeinschaft als Dienstleistung, wobei das Angebot gleichermaßen Gäste, die lokale Bevölkerung sowie Mitarbeiter anspricht.

In diesem Szenario fungiert das Hotel als wirtschaftlicher und sozialer Taktgeber. Das Spektrum der Dienstleistungen geht weit über die bloße Beherbergung hinaus und umfasst beispielsweise die Organisation von Arbeitsurlauben, Kinderbetreuung oder die Bereitstellung einer gemeinschaftlich genutzten Infrastruktur. Technologisch wird dieser Ansatz durch vernetzte Systeme flankiert, die eine reibungslose Koordination von Buchungen und Partnerschaften ermöglichen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Kreislaufwirtschaft und der Schaffung von Angeboten für einen klimapositiven Tourismus.

Effizienzsteigerung im Geschäftsreisesegment durch das Self-Driving Hotel

Für das Segment der Geschäftsreisen entwirft die Forschung das Modell des Self-Driving Hotel. In diesem Konzept dienen ortsfeste Hotelgebäude als Andockstationen für mobile, autonom agierende Wohneinheiten. Reisende haben so die Möglichkeit, ihre Fahrtzeit für berufliche Aufgaben oder zur Erholung zu nutzen, während die Einheit sie autonom an das gewünschte Ziel befördert. Das zugrunde liegende Geschäftsmodell wird als Produktivität als Dienstleistung definiert.

Die stationären Standorte übernehmen dabei die Funktion von Serviceknotenpunkten, die essenzielle Leistungen wie Verpflegung, Sanitäreinrichtungen oder Sportangebote bereithalten. Eine Umnutzung ehemaliger Tankstellen zu solchen Zentren wird als mögliche Entwicklung angeführt. Dieses Modell zielt darauf ab, die CO2-Emissionen im Verkehrssektor zu reduzieren und die Zeitnutzung während der Reise zu optimieren. Auch das Tagungswesen würde sich verändern, da Veranstaltungen bereits während der Anreise in den mobilen Einheiten eingeleitet werden könnten.

Urbane Transformation durch das Placemaker Hotel

Das dritte Szenario, das Placemaker Hotel, adressiert die Herausforderungen im städtischen Umfeld. Es reagiert auf die soziale Vereinsamung in Metropolen und die zunehmenden Leerstände in den Innenstädten, etwa bei ehemaligen Warenhäusern oder Bürokomplexen. Diese Immobilien sollen in lebendige soziale Ankerpunkte transformiert werden, die eine Verbindung zwischen Reisenden und der Stadtgesellschaft herstellen.

Die Hotellerie nimmt hier die Rolle eines Raumstifters ein, der den kulturellen Austausch und die soziale Interaktion aktiv fördert. Technologische Werkzeuge wie digitale Plattformen für die Gemeinschaft oder Erweiterte Realität unterstützen die Vernetzung der verschiedenen Nutzergruppen. Die Nachhaltigkeit wird in diesem Kontext insbesondere als soziale Komponente verstanden, die auf den Aufbau langfristiger Bindungen zwischen dem Hotelbetrieb und seinem Umfeld abzielt.

Wissenschaftliche Einordnung und Realitätscheck

Die vorgestellten Projektionen wurden von einem Rat aus Experten auf ihre Eintrittswahrscheinlichkeit hin überprüft. Während das Konzept des Synergy Hub auf eine breite Zustimmung stieß, äußerten die Fachleute beim Self-Driving Hotel Vorbehalte hinsichtlich des Zeithorizonts bis 2035. Als Begründung wurden die komplexen regulatorischen Rahmenbedingungen sowie infrastrukturelle Hindernisse angeführt. Dennoch betont die Untersuchung die Notwendigkeit, traditionelle Definitionen des Hotelbegriffs zu überdenken. Das Cambridge Dictionary beschreibt ein Hotel gegenwärtig noch als Gebäude, in dem man für ein Zimmer zum Schlafen bezahlt. Die Analyse des Fraunhofer IAO verdeutlicht, dass diese Definition für die Anforderungen des Marktes im Jahr 2035 voraussichtlich nicht mehr ausreichen wird.


 

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