Hotelverband hinterfragt „Charmeoffensive“ zur Preisfreiheit von Booking.com

| Hotellerie Hotellerie

Der Hotelverband Deutschland (IHA) sieht in den neuen Zusagen von Booking.com einen Fortschritt, hält eine Bewertung ihrer Wirkung aber für verfrüht. „Entscheidend sind nicht die Ankündigungen, sondern ihre Umsetzung“, schreibt IHA-Präsident Otto Lindner auf LinkedIn. Dort bezeichnet er die aktuelle Kommunikation des Unternehmens als „Charmeoffensive“.

Booking.com hatte am 28. September 2026 Änderungen für Unterkünfte im Europäischen Wirtschaftsraum bekannt gegeben. Die Plattform berücksichtigt unter anderem externe Preise nicht mehr bei der Prüfung, ob eine Unterkunft für den Booking Sponsored Benefit infrage kommt. Die Europäische Kommission erläutert die Maßnahmen in einem eigenen Faktenblatt. 

Lindner stellt die Freiwilligkeit des Genius-Programms für Hotels infrage

Lindner richtet seine Kritik vor allem auf Genius. Er fragt, wie freiwillig ein vom Hotel finanzierter Treuerabatt sei, wenn die Nichtteilnahme Sichtbarkeit in den Suchergebnissen koste. Ein solches System komme in seiner Wirkung einer Paritätsverpflichtung nahe, meint er.

Booking.com erklärt, dass Preise auf anderen Vertriebskanälen weder die standardmäßige Reihenfolge der Suchergebnisse noch die Teilnahme an Genius, Preferred und Preferred Plus beeinflussten. Lindners Einwand betrifft einen anderen Punkt: mögliche Auswirkungen der Teilnahme an Genius selbst auf die Sichtbarkeit einer Unterkunft.

Der Hotelverband erinnert an frühere Paritätsklauseln in Verträgen

In einem Blogbeitrag greift IHA-Geschäftsführer Tobias Warnecke eine frühere Auseinandersetzung auf. Booking.com habe im November 2024 erklärt, seine aktualisierten Bedingungen für den Europäischen Wirtschaftsraum enthielten keine Verweise mehr auf Parität. Als der Verband im Juni 2025 die Bedingungen des Preferred-Programms geprüft habe, habe er nach eigener Darstellung dennoch Paritätsklauseln und geografische Ausnahmen gefunden. Daraufhin habe sich der IHA bei der Kommission beschwert.

Der Verband führt die aktuellen Änderungen auch auf seine Eingaben, die Arbeit europäischer Partnerverbände und den regulatorischen Druck zurück. Booking.com selbst verweist auf Gespräche mit der Kommission und Rückmeldungen aus der Reisebranche.

Booking.com streicht externe Preise beim Booking Sponsored Benefit

Beim Booking Sponsored Benefit senkt Booking.com den Gästen angezeigten Preis und trägt die Differenz selbst. Die Unterkunft erhalte weiterhin den Betrag, der ihrem festgelegten Preis entspreche; die vereinbarte Provision bleibe unverändert, erläutert die Kommission. Bisher waren externe Preise noch ein Kriterium bei der Prüfung für das Programm.

Booking.com hat außerdem seine Informationen zu Genius, Preferred und Preferred Plus erweitert. Zusätzlich kündigt das Unternehmen eine Änderung seiner Geschäftsbedingungen an, die klarstellen soll, dass externe Preise nicht in die standardmäßige Reihenfolge der Suchergebnisse einfließen. Nach dem Digital Markets Act darf die Plattform Unterkünfte nicht daran hindern, auf anderen Vertriebskanälen abweichende Preise oder Bedingungen anzubieten.

Der Verband will die Umsetzung in den Hotels beobachten

Der IHA empfiehlt Hotels, die neuen Erläuterungen von Booking.com zu sichern, ihre Kosten für die Teilnahme an den Programmen zu prüfen und mögliche Abweichungen zwischen Zusagen und tatsächlichen Auswirkungen zu dokumentieren. Der Verband kündigt an, das Marktverhalten weiter zu beobachten und der Kommission Informationen aus der Praxis vorzulegen.

Die Kommission weist darauf hin, dass die freiwilligen Änderungen keinen Einfluss auf laufende Verfahren nationaler Wettbewerbsbehörden haben. Lindner schreibt: „Für ein entlastendes Fazit ist es aber definitiv noch zu früh.“

Bei der Erstellung dieses Artikels kamen KI-gestützte Werkzeuge zum Einsatz. Die Inhalte wurden redaktionell überprüft. Feedback nehmen wir gerne unter news@tageskarte.io entgegen.


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Citygrove will nach drei Hotelprojekten in Deutschland weiter wachsen und die Zusammenarbeit mit Premier Inn fortsetzen. Die bisherigen Immobilien in Hannover, Lübeck und Düsseldorf wurden nach Unternehmensangaben mit einem Kredit über 83 Millionen Euro langfristig umfinanziert.

Im Berwanger Hof in Tirol gingen einst Film- und Fernsehstars ein und aus. Nach Investitionen von rund 55 Millionen Euro öffnet die Hotellegende am 25. September für einen Tag der offenen Tür. Ab Dezember sollen Gäste im neuen Haupthaus übernachten.

H World International plant für Dezember 2026 die Eröffnung des Steigenberger Hotel Elephantine Island Aswan. Das Hotel auf Elephantine Island wird derzeit renoviert und soll über 178 Zimmer und Suiten verfügen.

BWH Hotels Central Europe brachte im Best Western Premier Hotel Rebstock in Würzburg vierzig Nachwuchskräfte zum jährlichen Best Talents Day zusammen, um Schlüsselkompetenzen und den unternehmerischen Generationenwechsel zu fördern.

Die Österreichische Hotelvereinigung hat bei der EU-Kommission Beschwerde gegen Booking.com eingelegt. Sie beanstandet unter anderem Preisnachlässe, Platzierungen, Zahlungsgebühren und Hotelsperren.

Das Treschers Schwarzwaldhotel plant zusätzliche Hotelgebäude auf seinem bisherigen Parkplatz am Titisee. Vorgesehen sind bis zu 86 Gästezimmer und Suiten sowie eine Tiefgarage mit 128 Stellplätzen.

Nach einer Recherche des Hamburger Abendblatts sind in zehn Hamburger Hotels von Novum Hospitality Geflüchtete untergebracht. Für das Holiday Inn – the niu Quay in Harburg hat die Sozialbehörde eine Räumung bis Ende Juni 2027 angekündigt.

Wien führt ab Januar 2027 eine strikte Registrierungspflicht für Kurzzeitvermietungen ein und verschärft die Regeln für Umwidmungen, um bezahlbaren Wohnraum zu sichern.

Das Rocco Forte Hotel Hotel Amigo in Brüssel präsentiert die Neugestaltung von drei Suiten, zu denen die neuen Grand Place Suites sowie die neu gestaltete Blaton Suite gehören. 

Maritim bestätigt den Datendiebstahl bei iHotelier und den Versand von 8.716 E-Mails an Gäste. Amadeus nennt den 11. September als Tag der Entdeckung. Die Atlantic Hotels bestätigen separat einen Angriff auf ihre Websites.