Nach Insolvenzanträgen: Hilton Frankfurt Gravenbruch im Notbetrieb

| Hotellerie Hotellerie

Das Hilton Frankfurt Gravenbruch nimmt bis auf Weiteres keine neuen Gäste mehr auf. Das Hotel in Neu-Isenburg ist nach Angaben von Geschäftsführer Werner Kleber in einen „Notbetrieb“ gegangen. Nach Klebers Darstellung sind Geschäftskonten infolge der EU-Sanktionen gegen den iranischen Geschäftsmann Ali Ansari gesperrt. Erst am Vortag war bekannt geworden, dass zwei Gesellschaften hinter dem Hotel Insolvenzanträge gestellt haben.

Von einer vollständigen Schließung spricht Kleber allerdings nicht. „Im Background läuft der Betrieb weiter“, sagte er der Hessenschau. Mitarbeiter kümmerten sich unter anderem um Reparaturen und die Pflege der Außenanlagen. Ziel sei es, den regulären Hotelbetrieb möglichst schnell wieder aufzunehmen. Gäste könnten derzeit jedoch nicht beherbergt und Veranstaltungen nicht wie gewohnt durchgeführt werden.

Am Donnerstagmorgen befanden sich nach Klebers Angaben noch rund 40 Gäste im Haus. Sie sollten auf Wunsch in anderen Hotels untergebracht werden. Auch die rund 140 Beschäftigten seien über die Situation informiert worden.

Insolvenzverwalter: Geld vorhanden, Ausgaben derzeit nicht rechtssicher möglich

Der vorläufige Insolvenzverwalter Joachim Kühne von CMS erklärte gegenüber BILD, dass grundsätzlich finanzielle Mittel vorhanden seien. Das Problem sei derzeit, notwendige laufende Ausgaben rechtssicher zu bezahlen.

„Wir haben Geld auf den Konten, wir haben einen Hotelbetrieb, den wir grundsätzlich fortführen wollen, und wir haben mehr als 140 Menschen, die hier arbeiten wollen. Aber wir können selbst notwendige laufende Ausgaben derzeit nicht rechtssicher bezahlen“, sagte Kühne der Zeitung.

Damit verschärft sich die Lage des Hotels wenige Wochen nach den Insolvenzanträgen der Allsco GmbH und der Allsco Gravenbruch Hotelbetriebsgesellschaft mbH. Das Amtsgericht Offenbach am Main hatte für beide Gesellschaften am 23. Juli 2026 die vorläufige Insolvenzverwaltung angeordnet. Die Verfahren werden unter den Aktenzeichen 8 IN 661/26 und 8 IN 662/26 geführt. Kühne wurde jeweils zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt.

Hessenschau berichtet über eingefrorene Konten

Nach Darstellung der Hessenschau war Ali Ansari laut Handelsregister zuletzt direkt oder indirekt an beiden Allsco-Gesellschaften beteiligt. Die Konten der Unternehmen seien infolge der Sanktionen gesperrt beziehungsweise eingefroren.

Ansari wurde am 30. Juli 2026 von der Europäischen Union auf die Liste der von Iran-Sanktionen betroffenen Personen gesetzt. Der Rat der Europäischen Union begründet die Maßnahme unter anderem mit Ansaris wirtschaftlichen Aktivitäten und Verbindungen zum iranischen Regime. Ansari weist die gegen ihn erhobenen Vorwürfe zurück und bestreitet insbesondere eine Nähe zum obersten Führer des Iran.

Die Zentralstelle für Sanktionsdurchsetzung (ZfS) äußerte sich gegenüber der Hessenschau nicht zum konkreten Fall. Allgemein teilte die Behörde jedoch mit, dass sich am sanktionsrechtlichen Einfrieren von Vermögen auch durch ein Insolvenzverfahren nichts ändere. Eine Freigabe bestimmter Geldsummen könne auf Antrag möglich sein.

Damit ist zwar belegt, dass ein Insolvenzverfahren bestehende sanktionsrechtliche Beschränkungen nicht automatisch aufhebt. Eine behördliche Bestätigung der konkreten Kontensperren bei den beiden Allsco-Gesellschaften liegt in den veröffentlichten Informationen jedoch nicht vor.

Wasserrohrbruch zeigt Auswirkungen auf den Hotelbetrieb

Nach Angaben Klebers zeigt sich die Situation inzwischen auch bei alltäglichen Vorgängen. Nach einem Wasserrohrbruch habe man eine Ausnahme beantragt, um notwendige Arbeiten bezahlen zu können. Der Antrag sei zunächst unbeantwortet geblieben. Die technische Abteilung des Hotels habe den Schaden deshalb notdürftig selbst reparieren müssen.

Die Löhne für Juli konnten Kleber zufolge mithilfe von Insolvenzgeld gezahlt werden. Auch für August zeigte er sich gegenüber der Hessenschau zuversichtlich.

Mehr als 140 Arbeits- und Ausbildungsplätze betroffen

Insolvenzverwalter Kühne warnt unterdessen vor einer weiteren Verschärfung. Sollten nicht sehr kurzfristig Rechtssicherheit und die erforderlichen Freigaben erreicht werden, könne aus dem eingeschränkten Betrieb eine vollständige Stilllegung werden.

„Wenn wir nicht sehr kurzfristig Rechtssicherheit und die notwendigen Freigaben erhalten, droht aus einem eingeschränkten Betrieb eine vollständige Stilllegung. Mehr als 140 Arbeitsplätze und Ausbildungsplätze stehen dann auf dem Spiel“, sagte Kühne BILD.

Eine vollständige Stilllegung des Hotels ist damit bislang nicht erfolgt. Nach Angaben des Insolvenzverwalters besteht dieses Risiko jedoch, wenn kurzfristig keine Lösung für die notwendigen Zahlungen gefunden wird.

Zusammenhang zwischen Sanktionen und Insolvenzanträgen weiterhin nicht belegt

Die neuen Informationen zeigen konkrete Auswirkungen der sanktionsrechtlichen Situation auf den laufenden Hotelbetrieb. Sie belegen jedoch nicht, dass die EU- oder US-Sanktionen die Ursache für die Insolvenzanträge der beiden Allsco-Gesellschaften waren.

Zu den Ursachen der Insolvenzanträge enthalten die gerichtlichen Bekanntmachungen keine Angaben. Auch Kühne hatte sich gegenüber der Immobilien Zeitung zunächst nicht zu den Ursachen der Verfahren geäußert.

Zukunft des Hilton-Managementvertrags offen

Unabhängig vom aktuellen Notbetrieb ist auch die weitere Nutzung der Marke Hilton ungeklärt. Bereits im Juli hatte Bloomberg News berichtet, Hilton Worldwide Holdings bereite die Beendigung der Managementverträge für das Hilton Frankfurt Gravenbruch und das Hilton Frankfurt City Centre vor. Hintergrund waren US-Sanktionen gegen Ali Ansari und die ihm zugerechnete Smart Global Ltd.

Die Hessenschau berichtet nun, Hilton habe den Vertrag mit dem Haus in Gravenbruch inzwischen gekündigt. BILD schrieb am Donnerstagabend dagegen weiterhin davon, dass Hilton im Juli die Kündigung seines Managementvertrags vorbereitet habe. Eine aktuelle öffentliche Mitteilung von Hilton, aus der der genaue Status des Managementvertrags hervorgeht, liegt Tageskarte bislang nicht vor.

Das frühere Kempinski Hotel Frankfurt Gravenbruch wird seit Oktober 2024 unter der Marke Hilton geführt. Hilton hatte für das Haus einen Managementvertrag abgeschlossen.

Ziel bleibt eine Fortführung des Hotels

Geschäftsführer Kleber will den Hotelbetrieb nach eigenen Angaben möglichst schnell wieder normalisieren. Nach einem Hilton-Ausstieg soll das Haus laut Hessenschau unter eigenem Namen weitergeführt werden. Als weitere Schritte nannte Kleber einen Verkauf der Hotelimmobilie und die Suche nach einem neuen Betreiber. Diesen Weg habe man auch mit dem beantragten Insolvenzverfahren einschlagen wollen.

Voraussetzung für eine Fortführung ist nach Darstellung der Verantwortlichen, dass notwendige laufende Ausgaben wieder rechtssicher bezahlt werden können.

Damit hat sich die Situation seit Bekanntwerden der Insolvenzanträge deutlich zugespitzt. Während zunächst keine konkreten Auswirkungen auf den Hotelbetrieb bekannt waren, werden inzwischen keine neuen Gäste mehr aufgenommen. Eine vollständige Stilllegung ist bislang nicht erfolgt, droht nach Angaben des vorläufigen Insolvenzverwalters jedoch, falls kurzfristig keine Rechtssicherheit und notwendigen Freigaben erreicht werden.

Bei der Erstellung dieses Artikels kamen KI-gestützte Werkzeuge zum Einsatz. Die Inhalte wurden redaktionell überprüft. Feedback nehmen wir gerne unter news@tageskarte.io entgegen.


Zurück

Vielleicht auch interessant

Österreichs Hotels erwarten für die Wintersaison stabile Übernachtungszahlen, aber rückläufige Betriebsergebnisse. Hohe Beschäftigungskosten, zurückhaltende Gästeausgaben und erschwerte Finanzierungen belasten die Betriebe.

Six Senses plant für 2027 vier Neueröffnungen in Mailand, Spanien, Tel Aviv und Saudi-Arabien. Vorgesehen sind Stadthotels, ein Resort auf einem historischen Anwesen und eine Anlage in einer Wüstenlandschaft.

Das Designer Motel glockna in Fusch an der Großglocknerstraße hat fünf Chalets und einen Infinitypool fertiggestellt. Die Eröffnung des Hotels mit Zimmern, Suiten, Spa und Restaurant ist für den 19. Dezember 2026 geplant.

Hotels unter einer Marke stellen inzwischen 45,5 Prozent der Hotelzimmer in Deutschland. Der DACH-Bericht von Horwath HTL dokumentiert steigende Markenanteile in allen drei Ländern und die Expansion durch Marken- und Betreiberwechsel.

Charlotte Pauls ist in den Bremer Familienbetrieb rund um das Hotel Munte eingetreten. Sie und ihr Cousin Luca vertreten die fünfte Generation der Unternehmerfamilie und sollen Mitte 2027 gemeinsam die Betriebsleitung übernehmen.

Premier Inn meldet zehn Hoteleröffnungen und 19 Prozent mehr Halbjahresumsatz in Deutschland. Zugleich steigt der bereinigte Vorsteuerverlust auf acht Millionen Pfund. Für das Gesamtjahr hält Whitbread am Gewinnziel für Deutschland fest.

Relais & Châteaux stellt seinen 580 Mitgliedern die Plattform MyImpact zur Verfügung. Sie erfasst CO₂-Bilanzen der Hotels und schätzt mögliche Emissionsminderungen; ab 2027 sollen betriebliche Praktiken auch in die Bewertung der Häuser einfließen.

May & Co. plant neben dem Kölner Dom ein Hotel mit rund 250 Zimmern. Die Untergeschosse des bestehenden Büro- und Geschäftshauses sollen erhalten bleiben; die Fertigstellung ist für Mitte 2030 vorgesehen.

Die So!Apart 2026 diskutiert das Verhältnis von Hotellerie und Apartmentsegment sowie Fragen zu Finanzierung und Buchungen über KI-Suche. Die Fachtagung findet am 18. und 19. November im Berliner Metropol statt.

 

Die Hotelstars Union sieht Fortschritte bei der Kennzeichnung der Hotelsterne in KI-Assistenten und auf Buchungsplattformen. Sterne sollten ausschließlich für offiziell klassifizierte Hotels verwendet und Bewertungen europaweit einheitlich dargestellt werden.