Oberstaatsanwältin zieht nach Hoteldurchsuchungen Vergleich mit Sklaverei

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Nach bundesweiten Durchsuchungen in Hotels und Reinigungsfirmen sitzen zehn mutmaßliche Bandenmitglieder in Untersuchungshaft. Das berichtet die Deutsche Presse-Agentur (dpa) am 1. Oktober 2026. Bei dem Einsatz am 30. September 2026 stellten die Behörden unter anderem mehr als eine Million Euro Bargeld sicher. Die Ermittlungen betreffen den Verdacht auf Schwarzarbeit, Menschenhandel und Sozialbetrug.

Die gemeinsame Behördenmitteilung vom 30. September nennt 23 Beschuldigte im Alter von 31 bis 59 Jahren. Bundespolizei und Finanzkontrolle Schwarzarbeit des Zolls ermitteln im Auftrag der Staatsanwaltschaft Berlin wegen banden- und gewerbsmäßigen Einschleusens von Ausländern, Urkundenfälschung sowie des Vorenthaltens und Veruntreuens von Arbeitsentgelt.

Hauptbeschuldigter soll ein Geflecht mit bis zu 40 Unternehmen aufgebaut haben

Als mutmaßlichen Kopf der Bande sieht die Staatsanwaltschaft einen 50-Jährigen, der am 30. September an seinem Wohnsitz in Hamburg festgenommen wurde. Nach dem dpa-Bericht soll er seit 2022 zunächst von Berlin aus mit 22 Komplizen zusammengearbeitet und ein Firmengeflecht mit 30 bis 40 Unternehmen aufgebaut haben.

Der Hauptbeschuldigte soll Menschen gezielt nach Deutschland eingeschleust und bundesweit für Arbeiten im Reinigungsgewerbe eingesetzt haben. Viele Beschäftigte seien aus Osteuropa gekommen, etwa aus der Ukraine und Georgien.

Die Gruppe soll zahlreichen Arbeitnehmern beim unerlaubten Aufenthalt geholfen und sie beherbergt haben. Dabei sollen gefälschte Urkunden und Ausweise zur Täuschung im Rechtsverkehr verwendet worden sein. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft, die dpa wiedergibt, handelt es sich bei den Beschuldigten um deutsche Staatsangehörige, einige von ihnen mit Migrationshintergrund.

Behörden beziffern den Schaden bei der Sozialversicherung auf 25 Millionen Euro

Die Beschäftigten sollen bei schlechteren Arbeitsbedingungen geringer bezahlt worden sein als deutsche Kollegen. Nach dem bisherigen Ermittlungsstand sollen die Löhne in einem auffallenden Missverhältnis zur tatsächlich erbrachten Arbeitsleistung gestanden haben.

Wie dpa unter Berufung auf Hochrechnungen der Behörden berichtet, sei dem Staat innerhalb von vier Jahren allein bei der Sozialversicherung ein Schaden von etwa 25 Millionen Euro entstanden.

Von Serviceunternehmen, welche die Beschuldigten mutmaßlich selbst gegründet haben, sollen Scheinrechnungen erstellt und anschließend in den aktiv tätigen Unternehmen verbucht worden sein. Dadurch sollen hohe Bargeldbewegungen und die tatsächlichen Beschäftigungsverhältnisse verschleiert worden sein. Die Arbeitnehmer sollen zum Schein bei vermeintlichen Subunternehmen angemeldet worden sein.

Einsatzkräfte stellen mehr als eine Million Euro Bargeld sicher

An den Durchsuchungen beteiligten sich rund 2.200 Kräfte von Bundespolizei und Finanzkontrolle Schwarzarbeit. Die Behördenmitteilung beziffert die Zahl der Durchsuchungsobjekte auf 104. Dazu gehörten Wohnungen, Wohnunterkünfte, Firmen und Hotels.

Dpa nennt neben Berlin und Hamburg die Standorte Masserberg in Thüringen, Dresden in Sachsen, Halle/Saale in Sachsen-Anhalt, Frankfurt/Main in Hessen, Düsseldorf in Nordrhein-Westfalen und Karlsruhe in Baden-Württemberg.

Das sichergestellte Bargeld sei in Briefumschlägen zur Auszahlung an die Arbeitnehmer einsortiert gewesen. Zudem seien Gold im Wert von mehr als 200.000 Euro sowie Luxusgüter, darunter Autos und ein Motorrad, im Gesamtwert von rund 77.000 Euro sichergestellt worden. Illegale Waffen seien beschlagnahmt, Mobiltelefone, Laptops und weiteres Beweismaterial sichergestellt worden.

Amtsgericht ordnet 50 Vermögensarreste über insgesamt 106 Millionen Euro an

Das Amtsgericht Berlin-Tiergarten ordnete nach der Behördenmitteilung 50 Vermögensarreste in einer Gesamthöhe von 106 Millionen Euro an. Eine Vielzahl davon habe am Einsatztag vollstreckt werden können.

Den Durchsuchungen gingen nach dem dpa-Bericht rund eineinhalb Jahre verdeckte Ermittlungen voraus. Dafür wurde die gemeinsame Ermittlungsgruppe „Purgatio“ zwischen der Bundespolizeiinspektion Kriminalitätsbekämpfung Berlin und dem Hauptzollamt Berlin eingerichtet.

Die sichergestellten Beweismittel würden nun ausgewertet. Die Ermittlungen zum Sachverhalt und zu den Tatbeteiligungen dauern an.

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