Online-Plattformen für Kurzaufenthalte auf Rekordhoch – Hotelverband mahnt mehr Transparenz an

| Hotellerie Hotellerie

Die Buchungen von Kurzaufenthaltsunterkünften über Online-Plattformen wie Airbnb, Booking und Expedia haben in der EU 2024 ein Rekordhoch erreicht. Wie die europäische Statistikbehörde Eurostat berichtet, stiegen die gebuchten Übernachtungen auf 854 Millionen, ein Zuwachs von 18,8 Prozent im Vergleich zu 2023 (719 Millionen). Im ersten Quartal 2025 wurden insgesamt 129,6 Millionen Übernachtungen gezählt, was einer Steigerung um 4,8 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal entspricht.

Das Wachstum zeigte sich unterschiedlich stark je nach Land. Besonders hohe Zuwächse gab es im ersten Quartal 2025 in Malta (+33,5 Prozent), Finnland (+23,6 Prozent) und Bulgarien (+22,3 Prozent). Gleichzeitig verzeichneten Kroatien (–5,8 Prozent), die Niederlande (–8,1 Prozent) und Dänemark (–3,8 Prozent) Rückgänge. Unter den am meisten besuchten EU-Ländern wuchs der Plattformtourismus in Polen um +11,2 Prozent, in Italien um +5,9 Prozent und in Frankreich um +5,6 Prozent. Geringere Zuwächse verzeichneten Spanien (+2,8 Prozent), Deutschland (+1,0 Prozent) und Österreich (+1,1 Prozent), während es in Portugal einen leichten Rückgang (–0,2 Prozent) gab.

Die beliebtesten Regionen für kurzfristig über Plattformen gebuchte Unterkünfte im vierten Quartal 2024 waren Andalusien (8,7 Millionen Nächte) und die Kanarischen Inseln (7,6 Millionen Nächte) in Spanien sowie die französische Region Île-de-France (7,2 Millionen Nächte). Unter den zwanzig meistgebuchten Regionen entfielen jeweils fünf auf Spanien und Italien, vier auf Frankreich, zwei auf Portugal sowie je eine auf Ungarn, Polen, Griechenland und Österreich.

Kurzzeitvermietung in Deutschland: Anteil und Transparenzlücken

Laut Markus Luthe, Hauptgeschäftsführer des Hotelverbandes Deutschland (IHA), erreichten Kurzzeitvermietungen über Plattformen 2024 in Deutschland bereits mindestens 12 Prozent aller Übernachtungen. Während die amtliche Statistik für 2024 insgesamt 449,4 Millionen Übernachtungen in Beherbergungsbetrieben zählt, entfallen nach Plattformdaten 60,4 Millionen Übernachtungen auf private Kurzzeitvermietungen. Im Jahr 2023 lag der Plattformanteil noch bei zehn Prozent.

Luthe lobt, dass die Vereinbarung zwischen Eurostat und den Plattformen erstmals eine EU-weite Datenerhebung ermöglicht und damit „langsam die Informationslücke über Kurzzeitvermietungen“ schließt. Zugleich kritisiert er in einem Blogpost die weiterhin mangelnde Transparenz und Nutzbarkeit der Daten im deutschen Steuersystem.

Datenmeldungen und steuerliche Herausforderungen

Mit dem Plattformen-Steuertransparenzgesetz (PStTG), das seit Dezember 2022 in Kraft ist, sind Online-Portale verpflichtet, Einkünfte an das Bundeszentralamt für Steuern zu melden. Die Bundesregierung gibt an, dass 2023 bereits 131.386 Datensätze und 2024 157.336 Datensätze im Bereich der kurzzeitigen Immobilienvermietung übermittelt wurden.

Eine landesspezifische Auswertung oder eine Nutzung zur Bekämpfung von illegalen Ferienwohnungs-Nutzungen ist derzeit jedoch laut Luthe nicht möglich. Die nötigen technischen Schnittstellen sind erst ab dem dritten Quartal 2025 vorgesehen. Zudem verhindert das Steuergeheimnis, dass die Daten zur besseren Auswertung für den Wohnungsmarkt eingesetzt werden. Auch gibt es laut Bundesregierungen keine Erkenntnisse über den Anteil der Ferienwohnungen in angespannten Wohnungsmärkten, über soziale Folgekosten oder Auswirkungen auf die Mietpreisentwicklung.

Luthe resümiert im Blogpost:
„Der Bundesregierung liegen auch aus dem PStTG keine Informationen über die Anzahl von Ferienwohnungen in Gebieten mit angespanntem Wohnungsmarkt vor, sie hat keine eigenen Erkenntnisse über den Zusammenhang von Mietentwicklung und Ferienwohnungsdichte und kann auch keine Auskunft zu sozialen Folgekosten geben.“

Vergleich: Steuerliche Kontrolle im Ausland und Praxis in Deutschland

Luthe verweist auf andere europäische Länder, etwa Italien, wo eine Pauschalsteuer seit 2017 direkt von den Plattformen einbehalten wird. Während Italien konsequent gegen steuerliche Grauzonen bei Kurzzeitvermietungen vorgeht – und so hohe Summen erzielte – habe Deutschland trotz erfolgreicher Einzelaktionen (wie der Datenherausgabe von Airbnb an Hamburger Finanzbehörden) noch immer keinen lückenlosen Datenfluss oder transparente Übersichten zu Zusatzeinnahmen erzielt. Die Schätzungen zu Mehreinnahmen klaffen laut Luthe weit auseinander.

Fazit und Forderung nach mehr Transparenz

Die aktuellen Eurostat-Daten zeigen den anhaltenden Boom von Kurzzeitvermietungen über Plattformen und das nachlassende dynamische Wachstum nach den Jahren der Pandemie. Markus Luthe fordert in seinem Blogpost gezielt mehr Transparenz, bessere steuerliche Kontrolle und eine politisch wirksame Nutzung der Daten, um insbesondere Wohnraumeffekte sachgerecht erfassen zu können.


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Spanien und die Kanaren dominieren die aktuelle Gunst der Urlauber für den Sommer 2026. Der HolidayCheck Award bestätigt zahlreichen Hotels in diesen Regionen eine über Jahre hinweg konstant hohe Gästezufriedenheit.

Die MHP Hotel AG hat ihren Umsatz im ersten Quartal 2026 deutlich gesteigert. Treiber waren laut Unternehmen unter anderem neue Hotels im Portfolio sowie veränderte internationale Reiseflüsse.

 

WorldHotels erweitert sein Portfolio um eine neue Glamping-Marke. Zum Start gehören drei Standorte in den USA und Honduras, weitere Projekte werden geprüft.

Ein LinkedIn-Beitrag von Marco Nussbaum hat eine Debatte über steigende Frühstückspreise in Hotels ausgelöst. In den Kommentaren schildern Hoteliers und Branchenvertreter unterschiedliche Beobachtungen zu Preis, Angebot und Nachfrage.

In Travemünde (Lübeck) soll ein neues Hotelprojekt realisiert werden. Die DSR-Gruppe stellte jetzt das geplante Henri-Hotel vor. Das Haus soll nach Angaben der Beteiligten im Jahr 2027 eröffnet werden.

Die MHP Hotel AG hat die Neupositionierung des Andaz Vienna am Belvedere zum Hyatt Regency Vienna erfolgreich abgeschlossen. Das Haus mit 303 Zimmern setzt künftig verstärkt auf internationale Geschäftskunden und das Tagungssegment.

Die Leonardo Hotels arbeiten künftig mit der SRH Fernhochschule zusammen, um ihren Mitarbeitern vergünstigte Fernstudiengänge und Zertifikate anzubieten. Bei entsprechender Karriereplanung unterstützt der Arbeitgeber die akademische Weiterbildung zudem finanziell.

Die Althoff Hotels bringen ihre Marke Urban Loft nach Zürich und planen für 2028 die Eröffnung eines Hauses mit 173 Zimmern im ehemaligen Löwenbräu-Areal. In Zusammenarbeit mit PSP Swiss Property wird dazu ein bestehendes Bürogebäude umgenutzt.

Die irische Staycity Group expandiert in Berlin und hat einen Pachtvertrag über 20 Jahre für das Projekt Brooks on East unterzeichnet. In den zwei Türmen des Quartiers Media Spree entstehen bis 2027 insgesamt 222 Apartments der Marke Wilde.

Nach einem Großbrand im Luxushotel Klosterbräu in Seefeld ist das Feuer gelöscht. Rund 400 Einsatzkräfte waren beteiligt, sieben Personen wurden leicht verletzt, die Ursache ist noch unklar.