Wende beim Palasthotel? - Wiesbadener Bauunternehmer bietet Erbpacht-Sanierung an

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Gibt es eine neue Perspektive für das stark sanierungsbedürftige ehemalige Palasthotel in der Wiesbadener Innenstadt? Das mittelständische Bauträger-Unternehmen GN Grundstückshandel OHG der Wiesbadener Unternehmer Necati Gezer und Güner Öztürk signalisiert Interesse an einer Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes, auch unter dem von der Stadtspitze favorisierten Erbpachtmodell. Die Pläne der beiden Unternehmer sehen eine Mischung aus Fünfsternehotel und gefördertem sowie regulärem Wohnraum vor.

Historisches Juwel am Kranzplatz

Das Palasthotel wurde in den Jahren 1903 bis 1905 am Kranzplatz nach Plänen von Architekt Paul A. Jacobi errichtet. Die Fertigstellung erfolgte unter der Leitung von Fritz Hatzmann, wobei die Fassade vom Wiesbadener Architekten Theobald Schöll entworfen wurde.

Die Architektur des sechsstöckigen Luxushotels der Belle Époque gilt mit ihrer konvex geschwungenen, bis heute erhaltenen Fassade als städtebaulicher Glanzpunkt. Sie vereint neubarocke Formen mit Elementen des Jugendstils. Das Haus verfügte ursprünglich über ein Thermalbad, das aus der Kochbrunnenquelle gespeist wurde, und zählte Persönlichkeiten wie den Tenor Enrico Caruso zu seinen prominentesten Gästen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg diente das Gebäude als Lazarett und Quartier für die amerikanische Besatzungsmacht. Im Jahr 1973 fiel die Entscheidung gegen einen zwischenzeitlich erwogenen Abriss und zugunsten einer Wohnnutzung im Rahmen des sozialen Wohnungsbaus. Seit 1977 wird das Gebäude als Wohnhaus genutzt. Bis 2023 beherbergte es 85 Sozialwohnungen.

Konzept: Luxushotel und bezahlbares Wohnen

Die Unternehmer beabsichtigen, das historische Gebäude zu sanieren und ihm teilweise seine ursprüngliche Nutzung als Fünfsternehotel zurückzugeben. Necati Gezer äußerte gegenüber der FAZ: „Wir würden gerne wieder ein Fünfsternehotel aus dem Palasthotel machen, weil wir der Meinung sind, das Haus ist genau dafür gebaut.“ Er fügte hinzu: „So wie die Immobilie hier steht, hinten mit dem Hof und dem Garten, das ist ein Flair wie in Paris.“

Gleichzeitig soll rund 50 Prozent der Immobilie, die eine Geschossfläche von etwa 7700 Quadratmetern aufweist, künftig für Wohnungen verwendet werden. Im Gebäudebereich zur Saalgasse sollen geförderte Wohnungen entstehen. In einem Anbau mit Blick auf den Kochbrunnenplatz sei die Vermietung von komplett sanierten Wohnungen zu regulären Preisen innerhalb des Wiesbadener Mietspiegels geplant. Die Gastronomie und der Einzelhandel im Erdgeschoss sollen erhalten bleiben.

Geschätzte Kosten und Sanierungserfahrung

Die Sanierungskosten für das Gebäude werden auf rund 40 Millionen Euro geschätzt. Der Wiesbadener Unternehmer Gezer geht davon aus, im Kostenrahmen zu bleiben und verweist auf die langjährige Erfahrung seines Unternehmens. „Ich denke, wir bekommen das besser hin als die Stadt, weil wir seit 30 Jahren am Markt aktiv sind und bereits viele Sanierungen durchgeführt haben,“ so Gezer.

Die GN Grundstückshandel OHG war unter anderem an der Sanierung des Hochhauses am Mainzer Hauptbahnhof und des Hotels Bären in Wiesbaden beteiligt. Die Sanierungsdauer wird auf rund drei Jahre geschätzt. Das geplante Fünfsternehotel würde nicht vom Bauträger selbst geführt, sondern durch einen zu suchenden Betreiber.

Erbpacht als Chance und politischer Hintergrund

Das Erbpachtmodell, das vom Linksbündnis in Wiesbaden favorisiert wird und einen Verkauf der Immobilie ausschließt, stellt für Necati Gezer keinen Hinderungsgrund dar. Im Gegenteil, er sieht es als Vorteil: „Für mich ist das kein Hinderungsgrund, für mich ist das einer der Gründe, warum ich das Gebäude sanieren würde,“ erklärte er und führte aus: „Müsste ich heute einen Kaufpreis für das Gebäude und die Sanierung bezahlen, würde sich das für mich nicht rechnen.“

Die städtische Eigentümergesellschaft GWW/GWG plant laut Geschäftsführer Thomas Keller, die Ausschreibung für die Erbpacht erst zu Beginn des kommenden Jahres zu starten. Zuvor hatte der Umgang der Stadt mit dem stark sanierungsbedürftigen Gebäude und die Diskussion um das Erbbaurecht für Differenzen innerhalb der Stadtkooperation gesorgt.

Sozialdezernentin Dr. Patricia Becher und GWW/GeWeGe-Geschäftsführer Thomas Keller betonen, dass das Palasthotel dauerhaft einer städtebaulich sinnvollen Nutzung zugeführt werden müsse und keinesfalls in einem Dauerleerstand bleiben dürfe. Sie versichern: „Ohne Sanierung ist dauerhaftes Wohnen am Kochbrunnenplatz nicht möglich,“ und versprechen: „Doch niemand verliert dadurch seine Wohnung: Unser Mietmanagement begleitet alle Mieterinnen und Mieter individuell - von der Wohnungssuche bis zum Umzug.“ Die endgültige Entscheidung über die Zukunft der Immobilie soll voraussichtlich im Herbst 2025 in der Stadtverordnetenversammlung fallen.


 

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