Winzer, Hotelier und Gastronom: Fritz Keller (Franz Keller - Schwarzer Adler) soll DFB-Präsident werden

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Ein Gastgeber wird wohl zukünftig den Deutschen Fußball-Bundes anführen. Der Winzer, Hotelier und Gastronom Fritz Keller (Franz Keller - Schwarzer Adler) ist von der Findungskommission des Verbandes einstimmig als Kandidat vorgeschlagen worden. Keller ist derzeit auch Präsident des Bundesligisten SC Freiburg.

Mit Blick auf den SC Freiburg ist mir die Entscheidung, für das Amt des DFB-Präsidenten zur Verfügung zu stehen, alles andere als leichtgefallen", sagte der 62-jährige Keller. Da die beiden Ämter nicht miteinander zu vereinbaren wären, werde er im Falle einer erfolgreichen Wahl als DFB-Präsident das Amt als Präsident des SC Freiburg "schweren Herzens" niederlegen. Keller wurde 2010 erster Vorsitzender und 2014 Präsident des SC Freiburg.

Rainer Koch (DFB-Vizepräsident und Mitglied der Findungskommission):  «Fritz Keller ist ohne jeden Zweifel eine außergewöhnliche Persönlichkeit mit allen Qualitäten für das Amt des DFB-Präsidenten. Jahrzehntelange Erfahrung mit enger Verbindung zum Profi- und Amateurfußball, auch zum Frauenfußball und der Jugendarbeit, sowie eine große unternehmerische Lebensleistung zeichnen ihn aus.»

Reinhard Rauball (DFB-Vizepräsident und Mitglied der Findungskommission): «Als Präsident des SC Freiburg hat Fritz Keller innerhalb der Bundesliga und 2. Bundesliga über alle Maßen fachlich und charakterlich überzeugt. Ausgestattet mit einem klaren Wertekanon und großer Bodenständigkeit, hat er sich sowohl in seinem Klub als auch beispielsweise im Rahmen der DFL Stiftung immer zur gesellschaftlichen Verantwortung des Fußballs bekannt.»
 

Christian Seifert (Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga): «In den Jahren der Zusammenarbeit habe ich Fritz Keller als sehr wertvollen Gesprächspartner kennengelernt - als Clubchef, aber auch als DFL-Aufsichtsrat und im Rahmen der DFL Stiftung. Fritz Keller hat ein Herz für den Fußball. Darüber hinaus zeichnen ihn ein unabhängiger Unternehmensgeist sowie großes Verantwortungsgefühl und Bodenständigkeit aus.»

Cem Özdemir (Grüner Bundestagsabgeordneter aus Baden-Württemberg via Twitter): «Eine gute Wahl und Chance für einen Neubeginn beim @DFB. Hat beim @scfreiburg gezeigt, dass er was vom Fußball versteht. Und ein großartiger Winzer und Gastronom ist er noch dazu. Viel Erfolg, lieber Fritz #Keller.»

In Keller kommt künftig neben Bundestrainer Joachim Löw dann auch der Verbandschef aus Freiburg. Der designierte DFB-Boss entstammt einer Gastronomenfamilie in Baden-Württemberg. Seit fast drei Jahrzehnten führt er in dritter Generation das Weingut Franz Keller.

Der Vater des künftigen DFB-Chefs war ein Fußball-Narr - hatte, so erzählte Fritz Keller vor mehreren Jahren «fudder.de», dem Online-Portal der «Badischen Zeitung», enge Kontakte zu den Helden von Bern. 54-Weltmeister-Kapitän Fritz Walter wurde Patenonkel von Friedrich Walter Keller - kurz Fritz Keller.

Das eigene Talent reichte nicht zu einer prominenten aktiven Karriere auf dem Platz. Beim SC Freiburg trat Keller 2010 aber den Führungsposten als Nachfolger des jahrzehntelangen Clubchefs Achim Stocker an, der 2009 gestorben war. Unter seiner Führung wurde Christian Streich Trainer, die auf Kontinuität mit bescheidenen Mitteln ausgerichtete Club-Maxime der Breisgauer fortgesetzt.

Keller gilt als meinungsstarke Führungskraft. Für das operative Geschäft ist er beim SCF allerdings nicht mehr zuständig. Ähnlich dürfte Kellers Rolle als 13. Chef des DFB künftig eher präsidial denn operativ ausgerichtet sein. Mit einer Strukturreform und der komplett ausgelagerten GmbH will sich der kriselnde Verband neu aufstellen. Auch Grindels Vorgänger Gerhard Mayer-Vorfelder, Theo Zwanziger und Wolfgang Niersbach waren wegen ihrer umstrittenen Führung oder moralischer Verfehlungen früher als geplant aus dem Amt geschieden.

Im Fußball spielte Keller bislang hauptsächlich im Freiburger Umfeld eine bedeutende Rolle. Zudem gehört er dem DFL-Aufsichtsrat und dem DFB-Vorstand an. Weit über Baden hinaus bekannt ist er als Gastronom. Der Gault&Millau Weinguide zeichnete ihn zusammen mit seinem Sohn Friedrich als «Winzer des Jahres» aus. Nach Vergabe der Sterne für Deutschland erhielt der Schwarze Adler in Oberbergen 2019 zum 50. Mal in Folge einen Michelin-Stern.

Geradezu revolutionär begann 1969 die Geschichte des Schwarzen Adlers als Sternerestaurant. In einer Zeit, in der Frauen eher selten die Küchen der Hotellerie und Gastronomie leiteten, erkochte Irma Keller den ersten Michelin-Stern. Anfang der 1970er Jahre übernahm ihr Sohn Franz nach seiner Rückkehr aus Frankreich, wo er unter anderem bei Bocuse (Lyon) und Guérard (Paris) arbeitete, die Küchenleitung und erkochte in kürzester Zeit den zweiten Stern. Kurz darauf stieß der Franzose Christian Begyn (*1949, t2016) hinzu und prägte die Küche mit seiner Interpretation der Haute Cuisine bis Mitte der 1990er Jahre. Der Venezolaner Anibal Strubinger, der schon während seiner Ausbildung zum Koch Seite an Seite mit Begyn arbeitete, übernahm 1996 für über 20 Jahre die Küchenleitung des mit einem Stern ausgezeichneten Restaurants. Strubinger setzte die über Jahrzehnte gepflegte Tradition fort, in der die Adler-Küche für das Zusammenspiel zwischen traditioneller französischer und badischer Küche steht. 2016 begann die Zusammenarbeit zwischen dem heutigen Küchenchef Christian Baur und Strubinger. Verschiedene Stationen prägten die Laufbahn des 41jährigen Baur. In der Residenz am See in Meersburg erkochte er 2003 seinen ersten Michelin-Stern, gefolgt von einem Stern im Wilden Ritter in Durbach und im Landgasthof Adler in Rosenberg (2014-2016).
 

Nachdem Franz Anton Keller (*1860, t1929) den Gasthof Schwarzer Adler Ende des 19. Jahrhunderts erwarb, blieb dieser lange Zeit ein einfaches Gasthaus, in dem ab 1924 seine Frau Mathilde die Küche leitete. Sohn Franz (*1927, t2007) machte eine Metzgerlehre und heiratete nach dem Krieg Irma Konstanzer, die nach dem Tod ihrer Schwiegermutter die Leitung der Küche übernahm. Franz Keller jun. (*1950) verließ Oberbergen Ende der 1970er und bewirtschaftet heute, nach vielen erfolgreichen Jahrzehnten in der Gastronomie, den Falkenhof im Rheingau. Fritz Keller (*1957) und seine Frau Bettina übernahmen in den 1990er Jahren zunächst die Leitung der Weinproduktion und des Weinhandels, gefolgt von der Leitung des gesamten Unternehmens zu dem heute das Weingut Franz Keller, der Weinhandel, das Hotel und Restaurant Schwarzer Adler, die KellerWirtschaft im Weingut Franz Keller und das Winzerhaus Rebstock zählen.

Am 27. September werden diese Funktionäre als Wahlmänner den 62-Jährigen zum 13. DFB-Präsidenten und Nachfolger des über seine diversen Führungsfehler gestürzten Reinhard Grindel wählen - daran besteht kein Zweifel. «Es hat in den vergangenen Wochen sehr gute Gespräche mit der Findungskommission gegeben», zitierte der SC Freiburg Keller in einer Mitteilung. Erst nach der Vorstellung bei den DFB-Delegierten wolle er ausführlicher zu seiner neuen Aufgabe öffentlich Stellung nehmen.


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