Zukunft des Berliner ICC: Großes Hotel soll angebaut werden

| Hotellerie Hotellerie

An das vor zwölf Jahren stillgelegte ICC am Funkturm soll nach dem Willen des Berliner Senats ein neues Kongresshotel an der Stelle des alten Parkhauses gebaut werden – es würde den 1979 eröffneten denkmalgeschützten Stahlkoloss deutlich überragen. Jenseits der Neuen Kantstraße soll zudem im Norden auf einem Parkplatz ein weiteres, mit knapp 100 Metern noch höheres Haus mit Büros, Wohnungen und einem Hotel entstehen. 

Dies geht aus der Präsentation einer Gruppe von Projektpartnern hervor, die das riesige Gebäude mit Kunst, Kultur, Gastronomie beleben wollen. Auch für Forschung und ein Museum soll dort Platz sein. Zu den Projektpartnern gehören unter anderem die Coloured Fields GmbH, die Arup Deutschland GmbH, die Graft-Architektengesellschaft sowie die MIB AG. 

Auch staatliche Fördermittel werden eingeplant

Im Kopfbau des als «Raumschiff City West» titulierten ehemals größten Kongresszentrums in Europa sollen die Fensterflächen deutlich vergrößert werden. Bei der Sanierung des von Schadstoffen belasteten Mammutbaus werden von den Investoren auch Fördermittel von Bund und Land eingeplant – in welcher Höhe, wurde nicht gesagt. 

Wirtschaftsministerin Franziska Giffey (SPD) sprach von einem überzeugenden Konzept. Das Land will den Koloss per Erbbaurecht für 99 Jahre an die neuen Betreiber abgeben. 

Seit Jahren war diskutiert worden, was aus dem größten «Lost Place» der Hauptstadt werden soll. Ideen gab es über die Jahre viele, vom Kongresshotel bis zum Gewächshaus. Zwischendurch waren unter anderem eine Flüchtlingsunterkunft und ein Corona-Impfzentrum untergebracht. 

Zweijährige Verhandlungsphase

Der Stillstand kostet rund zwei Millionen Euro jährlich an Unterhalt, wie Giffey berichtete. Dass es noch kein fertiges Finanzierungskonzept gibt, ist nach den Worten der Geschäftsführerin der Berliner Immobilienmanagement GmbH, Birgit Möhring, «völlig normal». Das Land habe aber klargemacht, dass es «kein Geld mitbringt». Es folge nun eine etwa zweijährige Verhandlungsphase, danach werde das Abgeordnetenhaus endgültig über die Vergabe entscheiden.

Seit 2019 steht der Stahlriese unter Denkmalschutz. In dem wuchtigen Bau von gut 300 Metern Länge gibt es 80 Säle und Räume mit insgesamt 14.500 Sitzplätzen.

Grüne: «Eindruck eines billigen Wahlkampfmanövers»

Die Grünen im Abgeordnetenhaus äußerten sich enttäuscht. Anders als geplant werde über die Vergabe nicht schon in diesem Jahr verbindlich entschieden, sondern erst 2028. «Die Zukunft des Gebäudes wird damit erneut vertagt», erklärte der wirtschaftspolitische Sprecher Christoph Wapler. «Nach fast drei Jahren Arbeit, einem europaweiten Vergabeverfahren, erheblichen Planungskosten und dem Angebot zusätzlicher Entwicklungsgrundstücke bleibt die entscheidende Frage weiterhin unbeantwortet: Wer trägt am Ende die Kosten für die notwendige Sanierung des ICC?», fragte er. Übrig bleibe der Eindruck eines billigen Wahlkampfmanövers.

Die Pläne zur Nutzung des ICC bieten nach Ansicht des Regierenden Bürgermeisters Kai Wegner eine «echte Perspektive» nach vielen Jahren des Stillstands. Die Empfehlung des Senats zur Vergabe sei dafür ein entscheidender erster Schritt, schrieb der CDU-Politiker auf X. «Wir werden jetzt alle weiteren Fragen angehen, insbesondere zu Finanzierung, Genehmigungen und Umsetzung.» (dpa)


Zurück

Vielleicht auch interessant

Österreichs Hotels erwarten für die Wintersaison stabile Übernachtungszahlen, aber rückläufige Betriebsergebnisse. Hohe Beschäftigungskosten, zurückhaltende Gästeausgaben und erschwerte Finanzierungen belasten die Betriebe.

Six Senses plant für 2027 vier Neueröffnungen in Mailand, Spanien, Tel Aviv und Saudi-Arabien. Vorgesehen sind Stadthotels, ein Resort auf einem historischen Anwesen und eine Anlage in einer Wüstenlandschaft.

Das Designer Motel glockna in Fusch an der Großglocknerstraße hat fünf Chalets und einen Infinitypool fertiggestellt. Die Eröffnung des Hotels mit Zimmern, Suiten, Spa und Restaurant ist für den 19. Dezember 2026 geplant.

Hotels unter einer Marke stellen inzwischen 45,5 Prozent der Hotelzimmer in Deutschland. Der DACH-Bericht von Horwath HTL dokumentiert steigende Markenanteile in allen drei Ländern und die Expansion durch Marken- und Betreiberwechsel.

Charlotte Pauls ist in den Bremer Familienbetrieb rund um das Hotel Munte eingetreten. Sie und ihr Cousin Luca vertreten die fünfte Generation der Unternehmerfamilie und sollen Mitte 2027 gemeinsam die Betriebsleitung übernehmen.

Premier Inn meldet zehn Hoteleröffnungen und 19 Prozent mehr Halbjahresumsatz in Deutschland. Zugleich steigt der bereinigte Vorsteuerverlust auf acht Millionen Pfund. Für das Gesamtjahr hält Whitbread am Gewinnziel für Deutschland fest.

Relais & Châteaux stellt seinen 580 Mitgliedern die Plattform MyImpact zur Verfügung. Sie erfasst CO₂-Bilanzen der Hotels und schätzt mögliche Emissionsminderungen; ab 2027 sollen betriebliche Praktiken auch in die Bewertung der Häuser einfließen.

May & Co. plant neben dem Kölner Dom ein Hotel mit rund 250 Zimmern. Die Untergeschosse des bestehenden Büro- und Geschäftshauses sollen erhalten bleiben; die Fertigstellung ist für Mitte 2030 vorgesehen.

Die So!Apart 2026 diskutiert das Verhältnis von Hotellerie und Apartmentsegment sowie Fragen zu Finanzierung und Buchungen über KI-Suche. Die Fachtagung findet am 18. und 19. November im Berliner Metropol statt.

 

Die Hotelstars Union sieht Fortschritte bei der Kennzeichnung der Hotelsterne in KI-Assistenten und auf Buchungsplattformen. Sterne sollten ausschließlich für offiziell klassifizierte Hotels verwendet und Bewertungen europaweit einheitlich dargestellt werden.