Rheinland-Pfalz wirbt um Reisende aus Deutschland

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In Zeiten vieler stornierter Auslandsreisen und nach wie vor geltender Reisewarnungen will Rheinland-Pfalz mit einer mehrwöchigen Kampagne gezielt Touristen aus anderen Teilen Deutschlands anlocken. Das Motto lautet «Deine Goldene Zeit in Rheinland-Pfalz», im Fokus stehen etwa Menschen, die ihren ursprünglich geplanten Urlaub stornieren müssen oder möchten oder die sich nach wärmerem Wetter innerhalb Deutschlands sehnen. Die Kampagne startet am 10. Juni, dem Tag zahlreicher weiterer Lockerungen bei den Corona-Auflagen in Rheinland-Pfalz, und läuft bis zum 15. Juli. Der Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) ist geradezu begeistert, Lob kam auch von den Industrie- und Handelskammern. (Gastlandschaften Rheinland-Pfalz)

Es werde gezielt mit Begriffen wie Weite und Natur geworben, danach sehnten sich in der Corona-Krise viele Menschen, die reichlich Zeit zuhause verbracht hätten, erklärte Bärbel Boy, Geschäftsführerin der mit der Umsetzung beauftragten Agentur Boy aus Kiel, bei der Vorstellung der Kampagne am Montag in Mainz. Wirtschaftsminister Volker Wissing (FDP) sagte, in den vergangenen Jahren habe vor allem der Städteurlaub einen Aufschwung erlebt. «Das kann sich nun ändern.» Viele Menschen empfänden Metropolen gerade nicht als das Richtige, Flugreisen oder Auslandsreisen insgesamt hätten an Attraktivität verloren. «Es ist eine Chance, die vor uns liegt», betonte Wissing.

Zweifelsohne ist der Tourismus in Rheinland-Pfalz ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, gerade auch in ansonsten strukturschwachen Regionen wie dem Mittelrheintal, der Eifel oder Teilen der Pfalz. Die Branche erwirtschaftet dem Wirtschaftsministerium zufolge in normalen Zeiten jährlich einen Bruttoumsatz von rund sieben Milliarden Euro und kommt alles in allem auf rund 150 000 Beschäftigte. 2019 zählte Rheinland-Pfalz knapp zehn Millionen Übernachtungsgäste und knapp 26 Millionen Übernachtungen, beides waren Rekorde. Allein etwa acht Millionen Gäste kamen im vergangenen Jahr aus dem Inland.

Zuletzt wurde die Branche aber wegen der Corona-Krise und angeordneten Schließungen arg gebeutelt. Wie dramatisch die Entwicklung ist, zeigten die am Montag vom Statistischen Landesamt vorgelegten Daten zum April. Vorläufigen Zahlen zufolge kamen nur rund 41 000 Gäste ins Land und damit 95 Prozent weniger als im April des Vorjahres. Die Zahl der Übernachtungen rutschte um 90 Prozent ab auf nun 220 000. Insgesamt wurden von Januar bis April 2020 1,16 Millionen Gäste gezählt, 48 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. 3,15 Millionen Übernachtungen bedeuteten ein Minus von 45 Prozent.

Der Präsident des Dehoga im Land, Gereon Haumann, sagte: «Ich begrüße die Werbekampagne ausdrücklich.» Er sei sehr froh, dass das Wirtschaftsministerium zusätzliches Geld in die Hand nehme. «Das ist ein Mutmacher für die Branche.» Anders als der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung, Thomas Bareiß (CDU), der für Urlaub in anderen europäischen Ländern geworben habe, setze sich die Landesregierung für Urlaub in Rheinland-Pfalz sein. Gut finde er auch die kurze, intensive Laufzeit von einigen Wochen sowie das «selbstbewusste Auftreten» der Kampagne. So werde anderen Ländern, die mit Meeresrauschen oder Alpenglühen würben, etwas entgegengesetzt.

Positiv fiel auch die Reaktion der Arbeitsgemeinschaft der Industrie- und Handelskammern (IHK) im Land aus. Die Kampagne komme genau zum richtigen Zeitpunkt, sagte der tourismuspolitische Sprecher Albrecht Ehses. Alle Kräfte müssten mobilisiert und Geld in die Hand genommen werden, um im bereits heiß gelaufenen Wettbewerb mit anderen Urlaubsregionen vorne mitzuspielen. Wichtig sei vor allem, auch auf Werbung im Internet zu setzen, um gezielt um neue Gäste werben zu können.

Wissing sagte, Rheinland-Pfalz habe am 13. Mai und damit früher als andere Länder die Gastronomie unter Auflagen wieder öffnen lassen. Ab dem 18. Mai wurde das auch für Hotels wieder möglich. Nun soll der ächzenden Branche mit der Kampagne weiterer Rückenwind verschafft werden. Vielen Menschen hätten gerade ganz besondere Bedürfnisse, wollten raus, sagte Boy. Genau hier setze die Kampagne an, ohne bestimmte Altersgruppen im Blick zu haben. «Wir bedienen Sehnsüchte», sagte sie und verwies auf Begriffe wie Mystik, Ruhe, Weite und Genuss. Deswegen werde bewusst auch nicht mit städtischen Motiven gearbeitet, sondern mit viel Landschaft. Zu sehen sind etwa die Moselschleife bei Bremm, der Prümtal-Radweg in der Eifel, der Erbeskopf im Hunsrück oder der Rötzenfels im Pfälzerwald.

Die Ziele der Verantwortlichen der Kampagne sind ambitioniert. Wissing sagte, es werde vermittelt, dass Rheinland-Pfalz nicht etwa Bronze oder Silber biete, sondern Gold. «Wir haben jetzt die Chance, Präferenzen im Kopf zu verändern», sagte Boy. Ziel sei nicht allein, die laufende Saison zu retten, sondern Rheinland-Pfalz als «Sonnenziel» neu zu positionieren. Bei Anzeigen in Zeitungen liegt der Fokus auf West- und Norddeutschland, weniger auf Bayern oder Baden-Württemberg. Gerade für Menschen aus Ballungszentren oder von der Küste biete Rheinland-Pfalz Kontraste dank des wärmeren Wetters, Weins und der hügeligen Flusslandschaften, erklärte Boy.

Der Start zum 10. Juni sei bewusst auf den Tag gelegt worden, an dem Tourismus in Rheinland-Pfalz wieder auf breiter Front möglich werde, sagte Wissing. Ab dann sind Bus- und Schiffsreisen wieder erlaubt, Freizeitparks dürfen wieder öffnen, Hotels ihre Wellnessbereiche aufmachen und Buffets anbieten. Die oppositionelle CDU-Fraktion hatte im Vorfeld moniert, andere Bundesländer seien beim Werben um Touristen in diesem speziellen Jahr schon weiter. Der Minister entgegnete, eine frühere Kampagne, zu einem Zeitpunkt, an dem vieles noch geschlossen gewesen sei, hätte Besucher nur unnötig frustriert.
 


 

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