Warum ein Mann Fränkische Weinkönigin werden will

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«Weinparadies Franken» steht auf Hinweisschildern, die nach Hüttenheim führen. Einem beschaulichen Dorf in Unterfranken: 560 Einwohner, knapp ein Dutzend Winzer. Einer von ihnen ist Maximilian Lang. 

Der 23-Jährige ist im Dorf geboren, hat eine Ausbildung zum Winzer gemacht, arbeitet als Angestellter auf einem Weingut und experimentiert mit Trauben auf eigenen Flächen. Soweit nichts Ungewöhnliches. Dennoch ist Lang eine Besonderheit. Zu erkennen ist das an der dunkelroten Schärpe, die er manchmal trägt. «Hüttenheimer Weinprinz Maximilian I» steht auf ihr geschrieben. Lang ist seit April eine männliche Weinprinzessin. Und nun möchte er Weinkönigin werden, genauer gesagt Fränkische Weinkönigin.

Wenn am Freitag in Bad Kissingen die 68. Fränkische Weinkönigin gewählt wird, steht Lang neben drei Frauen zur Wahl. Geschlechtsneutral würde er offiziell Weinhoheit heißen. Er wäre die erste männliche Fränkische Weinhoheit.

«Hallo, ich bin der Maximilian»

«Hallo, ich bin der Maximilian», stellt Lang sich mit Vornamen vor. Auf den ersten Blick wirkt der Mann mit den kurzen Haaren und leicht vollschlankem Körperbau etwas schüchtern. Zugewandt und freundlich, aber schüchtern. Immer wieder unterbricht er den Blickkontakt, lächelt. Er spricht mit eher hoher, unaufdringlicher Stimme. Wer länger zuhört, merkt: Lang ist zwar kein Selbstdarsteller. Aber er weiß, was er will. Und das ist nicht nur die Krone. 

«Zum Weinbau bin ich durch meinen Opa gekommen. Er hat mir den Rebschnitt gezeigt und Geschichten von früher erzählt. Das hat mich fasziniert», sagt Lang. Von seinem Opa erzählt Lang gern und zeigt dazu ein Foto oder die Rebschere, die ihm sein Großvater geschenkt hat. Obwohl die Eltern keine Winzer sind - der Vater ist gelernter Metzger, die Mutter Verkäuferin -, gehören der Familie Weinbauflächen. «Schon als Grundschulkind habe ich mich an Traubensaft ausprobiert, gepresst in einem Handtuch», erzählt Lang.

Ein Mann für ein Dorf, ein Dorf für einen Mann

Heimat ist Lang wichtig. Und Heimat, das ist vor allem Hüttenheim. Im Februar ist er mit Winzerkollegen nach Argentinien gereist. Ein erstes und vermutlich letztes Mal. «Mir ist ja schon der Frankfurter Flughafen zu viel», sagt Lang. Da ist ihm Hüttenheim deutlich lieber. Der junge Mann scheint genauso fest mit Hüttenheim und den Weinbergen verwurzelt wie die Rebstöcke.

Obwohl er zunächst eher introvertiert wirkt, ist Lang alles andere als zurückgezogen. Er engagiert sich im Weinbauverband, bei der Feuerwehr, in der Landjugend und im Sportverein. Jedes Jahr organisiert er mit einem Glühweinfest eine Spendenaktion für einen wohltätigen Zweck. Man glaubt ihm, dass ihm der gute Zweck am Herzen liegt. Genauso wie die Zukunft seines Ortes. 

Weinhänge, die aus Kostengründen nicht mehr bewirtschaftet werden, möchte Lang attraktiver nutzen, auch für Touristen. Blühstreifen, Olivenbäume, ein Rebsortenlehrpfad – ihm fällt einiges ein. Wenn Lang am kleinen Marktplatz des Ortes steht und Menschen vorbeifahren oder gehen, grüßen alle. Man kennt sich in Hüttenheim. Aber Lang dürfte besonders bekannt sein.
 

Kein Mangel an weiblichen Alternativen

Auch über den Ort hinaus bekommt Lang aktuell viel Aufmerksamkeit. Das Posieren für die Kamera scheint er schon so gewohnt, als wäre es sein Hauptberuf. «Ich habe mit besonderer Aufmerksamkeit gerechnet, aber dass das dann so ein Ding ist, das habe ich so nicht gedacht», sagt Lang.

Ein Mann als Weinkönigin - sollte das sein? Ganz neu ist die Idee nicht. Bereits in mehreren bayerischen Orten gab es Weinprinzen. Meist aus Mangel an Frauen, die das Ehrenamt übernehmen wollten. Bei Lang ist es anders: Es hätte eine Frau gegeben, aber er hatte Lust auf das Amt. Kein Weinfest, das er auslässt. Mit andern lokalen Weinhoheiten ist er eng vernetzt. «Das sind jetzt halt 35 WhatsApp-Gruppen mehr», erzählt Lang. Und Lang möchte mehr.

Bewerbung als Mann verdeutliche Engagement

Er ist der erste Mann, der sich um das Amt der Fränkischen Weinkönigin bewirbt und Werbebotschafter der hiesigen Weinbranche sein möchte. Die Weinkönigin repräsentiert die Branche auf regionalen und bundesweiten Veranstaltungen wie Weinfesten, der Faschingssendung «Fastnacht in Franken» und Treffen mit Akteuren aus Politik und Wirtschaft. 1950 wurde die Weinkönigin erstmals gewählt. Bisher gab es ausschließlich weibliche Königinnen, genauer gesagt 67. Das könnte sich mit Lang nun erstmals ändern.

In Hüttenheim erhält Lang nach eigener Aussage nur Zuspruch. Kritische Online-Kommentare juckten ihn nicht. Sie gäben ihm noch mehr Kraft. «Dass ich mich als Mann bewerbe, verdeutlicht vielleicht, dass es mir wichtig ist», meint er.

Mehr «Vaterlandstolz» gewünscht

Der Fränkische Wein liegt Lang am Herzen. Den nachlassenden Alkoholkonsum sieht er mit Skepsis. Die Deutschen trinken immer weniger. Wenn man Lang folgt, trinken sie vor allem zu wenig deutschen Wein. Der Anteil des importierten Weines sei zu hoch. «Wenn wir ein wenig mehr Vaterlandstolz hätten und mehr deutschen statt ausländischen Wein tränken, dann wären die deutschen Winzer nicht in so einer starken Krise», meint Lang.

Als Fränkische Weinhoheit möchte Lang unter anderem junge Menschen als künftige Kunden für den Weingenuss begeistern. Schon jetzt versucht er es mit Weinverkostungen und neuen Rebsorten. «Dann haben wir natürlich auch noch alkoholfreien Wein als Alternative, die immer besser wird», sagt Lang. 

Trinkt selbst ein bis zwei Flaschen Wein pro Woche

Dass Alkohol kein risikoloses Genussmittel ist, dessen ist sich Lang bewusst. Sein eigener Großvater sei Alkoholiker gewesen. «Wir haben in Deutschland ein Alkoholproblem», sagt Lang. Daher werbe er für moderaten Konsum. Selbst trinkt er nach eigenen Angaben im Schnitt ein bis zwei Flaschen pro Woche. Immer wieder nimmt er Flaschen von anderen Weingütern mit. Das erste Regal in seinem Weinkeller sei voll, sagt Lang. Beim Erzählen wird sein Lächeln größer. (dpa)


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