Der US-amerikanische Hotelkonzern Hyatt Hotels Corporation steht vor einer personellen Zäsur an der Spitze seines Aufsichtsgremiums. Thomas Pritzker, der dem Unternehmen seit Jahrzehnten vorsteht, hat seinen sofortigen Rücktritt als Executive Chairman erklärt. Der 75-Jährige gab zudem bekannt, bei der kommenden Aktionärsversammlung im Jahr 2026 nicht erneut für einen Sitz im Verwaltungsrat zu kandidieren. Damit endet eine Ära für das von seiner Familie aufgebaute Unternehmen.
Konsequenzen aus Verbindungen zu Jeffrey Epstein
In einer persönlichen Stellungnahme begründete Pritzker seinen Entschluss unter anderem mit seiner früheren Verbindung zu dem verstorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein und dessen verurteilter Komplizin Ghislaine Maxwell. Jüngst veröffentlichte Ermittlungsunterlagen hatten dokumentiert, dass Pritzker über Jahre hinweg regelmäßigen Kontakt zu Epstein pflegte. Der Milliardärserbe räumte in diesem Zusammenhang ein Fehlurteil ein und erklärte, er bedauere die Verbindung zutiefst. Er habe es versäumt, sich frühzeitig zu distanzieren. Sein Rücktritt diene dem Schutz des Unternehmens und der Wahrnehmung seiner Verantwortung als Sachwalter für das Erbe seiner Familie.
Langfristiger Wandel und operative Neuausrichtung
Thomas Pritzker begleitete die Entwicklung von Hyatt über insgesamt 45 Jahre, davon mehr als 20 Jahre als Vorsitzender des Verwaltungsrats. In seiner Amtszeit vollzog der Konzern den Gang an die Börse und wandelte sich zu einem Unternehmen, das verstärkt auf ein Asset-Light-Geschäftsmodell setzt. Dies bedeutet eine Konzentration auf das Management und die Lizenzierung von Marken statt auf den Besitz von Immobilien. Pritzker verwies in seinem Abschiedsbrief auf die strategische Stärke und die Resilienz des Konzerns, die sich insbesondere während der globalen Pandemie und bei Übernahmen wie der Apple Leisure Group (ALG) gezeigt habe.
Nachfolge und zukünftige Schwerpunkte
Mit dem Ausscheiden Pritzkers leitet Hyatt den Prozess der Nachfolgeplanung ein. Der scheidende Vorsitzende betonte, dass der Konzern durch ein erfahrenes Managementteam und einen stabilen Aufsichtsrat gut für die Zukunft aufgestellt sei. Pritzker, der im kommenden Juni 76 Jahre alt wird, möchte sich künftig verstärkt privaten Projekten widmen. Dazu zählen die Arbeit in seinem Family Office sowie die Leitung einer wissenschaftlichen Stiftung, die er gemeinsam mit seiner Ehefrau Margot gegründet hat. Die Familie Pritzker, die die Hotelkette seit den 1950er Jahren von Los Angeles aus aufbaute, behält weiterhin maßgeblichen Einfluss auf das Unternehmen.













