Gericht kippt Corona-Hotspot-Regel in MV - Gastgewerbe begrüßt Urteil

| Politik Politik

Shoppen oder Essen gehen ohne Maske und volle Kinos - das ist nach einem Beschluss des Oberverwaltungsgerichts in Greifswald jetzt auch in Mecklenburg-Vorpommern wieder möglich. Das Gericht kippte am Freitag die vom Landtag im März beschlossene Hotspot-Regel, die noch bis zum 27. April gelten sollte. Gegen den Landtagsbeschluss geklagt hatte die AfD-Landtagsfraktion. Gesundheitsministerin Stefanie Drese (SPD) erklärte am Abend, man werde die Gerichtsentscheidung akzeptieren.

Das Gericht gab einem einstweiligen Rechtsschutzantrag der AfD in wichtigen Punkten statt. Die außer Vollzug gesetzten Schutzmaßnahmen betreffen laut OVG insbesondere das Abstandsgebot und die Pflicht zum Tragen einer medizinischen Maske oder Atemschutzmaske. Die 3G-Regel (geimpft, genesen, getestet) hatte die Landesregierung bereits am Gründonnerstag weitgehend aufgehoben - Gastgewerbe und Kulturwirtschaft hatten zuvor Druck gemacht.

Dem Gericht zufolge entfällt die Maskenpflicht etwa im Einzelhandel, auf Wochenmärkten und im Großhandel, bei körpernahen Dienstleistungen, bei Freizeitangeboten und in der Gastronomie. Auch das Abstandsgebot in öffentlich zugänglichen Innenräumen ist gekippt worden. Damit können Kinos und Theater wieder die volle Platzkapazität ihrer Säle nutzen. Bisher müssen sie die Besucher im sogenannten Schachbrettmuster platzieren, wodurch ein erheblicher Teil der Plätze nicht zur Verfügung stand. Das Gericht verwarf auch die Optionsmodelle, mit denen Anbieter die Abstandsregel umgehen konnten, wenn sie stattdessen Testpflichten verhängten. Der Beschluss des OVG ist unanfechtbar.

Nicht aufgehoben wurde laut Gesundheitsministerium dagegen die Maskenpflicht bei Veranstaltungen, kulturellen Angeboten, Messen oder Beherbergung. Die 3G-Erfordernis bei der Anreise Ungeimpfter im Hotel habe ebenfalls Bestand und auch die 2Gplus-Verpflichtung in Clubs und Diskotheken, erklärte Ministerin Drese. In den Schulen hingegen fällt am Montag die Maskenpflicht im Gebäude, wie Bildungsministerin Simone Oldenburg (Linke) mitteilte.

Der Landtag in Schwerin hatte am 24. März das gesamte Bundesland zum Corona-Hotspot erklärt, um flächendeckend die damals geltenden Schutzmaßnahmen weiterführen zu können. Das verstößt nach Überzeugung der Richter gegen das Bundesgesetz. Eine besonders hohe Zahl an Corona-Neuinfektionen und eine drohende Überlastung der Krankenhauskapazitäten hätte laut Gericht für jeden Landkreis und jede kreisfreie Stadt einzeln festgestellt werden müssen, um sie zum Hotspot zu erklären. Dies sei nicht erfolgt, monierten die Richter.

Ohne den Landtagsbeschluss wären die meisten Schutzmaßnahmen gemäß Bundesinfektionsschutzgesetz Anfang April ausgelaufen - in den meisten Bundesländern war das auch so. Nur Mecklenburg-Vorpommern und Hamburg erklärten sich komplett zu Corona-Hotspots.

Die AfD-Landtagsfraktion bezeichnete die Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts als Niederlage für Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD). «Ein großer Erfolg! Die Corona-Hotspot-Regelung ist rechtswidrig. Eine weitere Schlappe für die Landesregierung und Ministerpräsidentin Manuela Schwesig», sagte der Fraktionsvorsitzende Nikolaus Kramer. Er sprach von einem «Verbotswahn» der Landesregierung.

Die gesundheitspolitische Sprecherin der ebenfalls oppositionellen CDU-Fraktion, Katy Hoffmeister, warf der rot-roten Landesregierung vor, die Hotspot-Regelung missbräuchlich angewendet zu haben. «Das steht nunmehr fest», sagte sie. «Die Vorstellung, dass allein der Zweck die Mittel heilige, ist einer demokratisch gewählten Regierung unwürdig.»

Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) zeigte sich über die Gerichtsentscheidung wenig verwundert. «Bei der Einführung der Hotspot-Regel haben wir genau das kritisiert: dass dieser Ausnahmezustand nur regional bezogen sein kann und nicht für das ganze Bundesland», sagte Verbandschef Lars Schwarz. Außerdem hätten genaue Parameter festgelegt werden müssen, ab welcher Infektionszahl und welcher Krankenhausbelastung eine Region ein Corona-Hotspot sei.

Er gehe davon aus, dass die Menschen weiter vernünftig sein werden, sagte der Dehoga-Chef. Das zeigten auch die anderen Bundesländer, in denen schon Anfang April Schutzmaßnahmen wie 3G und Maskenpflicht weitgehend weggefallen sind. «Wir sind noch nicht durch die Pandemie durch», betonte Schwarz. Die Entscheidung des OVG in Greifswald führe aber dazu, dass Mecklenburg-Vorpommern jetzt die gleichen Regeln habe wie alle anderen Bundesländer außer Hamburg.

Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) wertete das juristische Aus der Hotspot-Regelung in Mecklenburg-Vorpommern nach Angaben eines Sprechers als Schlappe für Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD). Die Entscheidung des Gerichtes zeige, dass die Bundesregierung den Ländern ein untaugliches Werkzeug an die Hand gegeben habe. «Es war richtig, dass wir Bayern nicht insgesamt zum Hotspot erklärt haben.» Die Regelung des Bundes sei handwerklich äußerst schlecht gemacht. «Die schwammigen und unnützen Formulierungen lassen sich eben nicht rechtssicher umsetzen.»

Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, sagte, auch Lauterbach könne jetzt erkennen, dass so ein «butterweiches Gesetz» nicht helfen könne, für einen guten Grundschutz zu sorgen.

Maskenpflicht in MV gekippt - Gastgewerbe begrüßt OVG-Urteil

Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) Mecklenburg-Vorpommern hat die Aufhebung der coronabedingten Maskenpflicht und des Abstandsgebots durch das Oberverwaltungsgericht in Greifswald begrüßt. «Mich verwundert das Urteil nicht», sagte Dehoga-Präsident Lars Schwarz am Freitag der Deutschen Presse-Agentur.

«Bei der Einführung der Hotspot-Regel haben wir genau das kritisiert: dass dieser Ausnahmezustand nur regional bezogen sein kann und nicht für das ganze Bundesland.» Außerdem hätten Schwarz zufolge genaue Parameter festgelegt werden müssen, ab welcher Infektionszahl und welcher Krankenhausbelastung eine Region ein Corona-Hotspot ist. Das OVG hatte am Freitag die Hotspot-Regelung in Mecklenburg-Vorpommern gekippt. Sie sollte eigentlich bis zum 27. April gelten.

Er gehe davon aus, dass die Menschen weiter vernünftig sein werden, sagte der Dehoga-Chef. Das zeigten auch die anderen Bundesländer, in denen schon Anfang April Schutzmaßnahmen wie 3G und Maskenpflicht weitgehend weggefallen sind. «Wir sind noch nicht durch die Pandemie durch», betonte Schwarz. Die Entscheidung des OVG in Greifswald führe aber dazu, dass Mecklenburg-Vorpommern jetzt die gleichen Regeln habe wie alle anderen Bundesländer außer Hamburg, das sich wie MV zum Corona-Hotspot erklärt hatte. (mit dpa)


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Die Bundesregierung will den Start des Gesetzes zur Tierhaltungskennzeichnung verschieben. Eine Verbändeallianz fordert, die geplante Ausweitung auf die Außer-Haus-Verpflegung und verarbeitete tierische Lebensmittel zu streichen.

Ärgernis Verpackungssteuer: Sie sorgt in Freiburg für Unmut. Teile des Gemeinderates wollen die umstrittenen Regeln eindampfen und die Abgabe neu aufstellen – kommt ihr Antrag durch?

Zwischendurch hatte das Kanzleramt sie gestoppt, das Finanzministerium musste nacharbeiten - jetzt ist die Zuckersteuer in der Bundesregierung beschlossen. Der Bundestag ist am Zug.

Union und SPD wollen eine Steuer auf stark gezuckerte Getränke einführen. Um die Details wurde lange gerungen. Jetzt gibt es eine Einigung. CDU-Ministerpräsident Boris Rhein aus Hessen spricht von einem falschen Signal.

Sieben Prozent mehr Lohn fordert die NGG im bayerischen Gastgewerbe. Der Dehoga Bayern bietet zwei Erhöhungen bei 30 Monaten Laufzeit an – die Gewerkschaft hat das Angebot nach Angaben des Verbandes abgelehnt.

Kommt die Zuckersteuer noch? Die neun Länder-Agrarminister von CDU und CSU sind dagegen - und schreiben dem Kanzler einen Brief.

Bestimmte Geschäftsreisen sollen nach einer EU-Reform von der vorherigen A1-Meldung ausgenommen werden, berichtet der VDR. Bis die neuen Vorschriften anwendbar sind, müssen Unternehmen die bisherigen Vorgaben beachten.

Erst am Mittwoch hatte Vizekanzler Klingbeil seinen Entwurf an die Ministerien gegeben, nun tritt das Kanzleramt auf die Bremse. Die Zuckersteuer liegt erst einmal auf Eis. Klingbeil rechnet dennoch mit schneller Einigung.

Die geplante Steuer auf zuckerhaltige Getränke soll dem Staat im Jahr rund eine Milliarde Euro einbringen. Das geht aus einem Entwurf des Finanzministeriums hervor, über den zuerst das «Handelsblatt» berichtete. Im Bundestag sind die Pläne der Regierung umstritten.

Ab 1. Oktober dürfte der Kaffee im Wegwerfbecher in Potsdam teurer werden. Die Landeshauptstadt führt im Alleingang eine Verpackungssteuer ein. Massive Kritik kommt aus der Wirtschaft.