Kommunen auf Abstand: Verpackungssteuer überzeugt viele Städte nicht

| Politik Politik

Abfalleimer quellen über, Müll liegt im Park - doch eine Verpackungssteuer für Einwegprodukte halten etliche Städte in Brandenburg derzeit für wenig sinnvoll. Dabei ist die Einschätzung insgesamt unterschiedlich, denn einige Kommunen befassen sich zumindest mit der Abgabe auf Pappbecher und Aluschalen.

Städte wie Brandenburg an der Havel und Prenzlau in der Uckermark etwa gaben an, dass sie die Verwaltungskosten scheuen und eine weitere finanzielle Belastung der Bevölkerung sowie den Mehraufwand für Betriebe ablehnen. Das ergab eine Anfrage bei mehreren Städten. 

Zahlen müssen die kommunale Abgabe Verkäufer, die Speisen und Getränke in Einwegverpackungen etwa zum Mitnehmen anbieten. Es gibt Kritik, dass am Ende aber die Verbraucher draufzahlen müssen. 

Aufwand schreckt Städte ab

Hennigsdorf argumentiert, der Aufwand für die Betriebe der Gastronomie sei sehr hoch und «für unsere um ihr Überleben kämpfenden Gaststätten» nicht zu rechtfertigen. Die Stadt verwies auch auf eine Studie der Universität Tübingen aus dem Jahr 2023. Damals ergab die Untersuchung, dass die Einführung einer Verpackungssteuer die Müllmenge in den städtischen Abfalleimern von Tübingen, gemessen am Gewicht, nicht reduziert habe. Die Universitätsstadt in Baden-Württemberg hat als erste Stadt eine solche Abgabe eingeführt. 

Potsdam plant Verpackungssteuer dieses Jahr

Die Landeshauptstadt Potsdam plant die Einführung einer solchen Abgabe nach dem Vorbild von Tübingen in diesem Jahr. Eine Entscheidung im Stadtparlament steht jedoch noch aus. Wirtschaftsverbände protestierten.

Andere Städte prüfen Möglichkeiten

Frankfurt (Oder) teilte auf Anfrage mit, die Stadt prüfe derzeit, welche Optionen für die Stadt zur Müllvermeidung am praktikabelsten seien. «Was aber jetzt schon deutlich wird: Ohne zusätzliches Personal und damit zusätzliche Kosten wird die Verpackungssteuer kaum umsetzbar sein», hieß es.

Die Stadt Oranienburg bewertet die Möglichkeit zur Erhebung einer Verpackungssteuer positiv. «Eine Verpackungssteuer kann den Müll in öffentlichen Mülleimern, auf der Straße und in Parks reduzieren sowie zusätzliche Einnahmen für die Stadtkasse generieren.» Eine abschließende Entscheidung zu einer Einführung habe die Stadt bislang aber nicht getroffen. «Es ist genau zu prüfen, ob der hohe Verwaltungsaufwand für die Erhebung und Durchsetzung der Steuer in einem guten Verhältnis zum Ergebnis steht.» Die Stadt Neuruppin erklärte, sie halte vielmehr eine eindeutige Position und Vorgaben auf Bundesebene dazu für wünschenswert.

Städte beklagen Müllablagerungen 

Die Kommunen beklagen immer wieder, dass Bauschutt in Wälder gekippt wird. Sperrmüll wird einfach auf die Straße gestellt, Abfall an Altkleidercontainern entsorgt. Bei Problemen mit illegalen Ablagerungen verhängen Städte in Brandenburg immer wieder Verwarn- und Bußgelder. Die Höhe ist ganz unterschiedlich.

Verwarn- und Bußgelder werden fällig

Einige Beispiele: Das Ordnungsamt von Hennigsdorf, etwa 20 Kilometer von Berlin entfernt, erfasste im vergangenen Jahr 400 Verstöße in Sachen Müll. Sie reichten vom einfachen Müllbeutel, nicht zurückgebrachten Einkaufswagen und Sperrmüllresten bis hin zur großen illegalen Gewerbemüllablagerung. 

In Prenzlau im Nordosten Brandenburgs wurden laut Stadtverwaltung 54 Müllablagerungen im Jahr 2025 gemeldet. Das Verwarngeld beträgt dort 55 Euro, Bußgelder können bis zu 300 Euro betragen. In Neuruppin kann illegale Müllentsorgung mit mindestens 5 Euro und höchstens 1.000 Euro geahndet werden, hieß es. Hier habe das Ordnungsamt vier Ordnungswidrigkeiten in den Jahren 2024 und 2025 geahndet. (dpa)


Zurück

Vielleicht auch interessant

Bestimmte Geschäftsreisen sollen nach einer EU-Reform von der vorherigen A1-Meldung ausgenommen werden, berichtet der VDR. Bis die neuen Vorschriften anwendbar sind, müssen Unternehmen die bisherigen Vorgaben beachten.

Erst am Mittwoch hatte Vizekanzler Klingbeil seinen Entwurf an die Ministerien gegeben, nun tritt das Kanzleramt auf die Bremse. Die Zuckersteuer liegt erst einmal auf Eis. Klingbeil rechnet dennoch mit schneller Einigung.

Die geplante Steuer auf zuckerhaltige Getränke soll dem Staat im Jahr rund eine Milliarde Euro einbringen. Das geht aus einem Entwurf des Finanzministeriums hervor, über den zuerst das «Handelsblatt» berichtete. Im Bundestag sind die Pläne der Regierung umstritten.

Ab 1. Oktober dürfte der Kaffee im Wegwerfbecher in Potsdam teurer werden. Die Landeshauptstadt führt im Alleingang eine Verpackungssteuer ein. Massive Kritik kommt aus der Wirtschaft.

Der Deutsche Hotellerie- und Gastronomieverband hat die Plattform minijobs-erhalten.de gestartet, um auf drohende Kostensteigerungen und Belastungen für Minijobs aufmerksam zu machen.

Die deutsche Wirtschaft fordert eine umfassende Reform des Datenschutzes. 90 Prozent der Unternehmen halten laut Bitkom-Umfrage eine gezielte Reform der Datenschutz-Grundverordnung für notwendig.

Kurz vor dem geplanten Start der Verpackungssteuer in der brandenburgischen Stadt Potsdam reißt die Kritik nicht ab. Die Gastronomie ist verärgert, Bürger sind verunsichert. Die Steuer auf Einweg-Verpackungen soll trotzdem zum 1. Oktober kommen.

Bei einer Anhörung des Tourismusausschusses haben Vertreter der Reisebranche über Verwaltungsaufwand und digitale Konkurrenz gesprochen. Der Deutsche Reiseverband fordert faire Wettbewerbsbedingungen und Unterstützung kleinerer Unternehmen beim Einsatz von KI.

Digitale Belege sollen bald Standard werden. Dazu hat das Bundeskabinett einen Gesetzentwurf des Bundesfinanzministeriums beschlossen. Welche Regeln und Ausnahmen das Kabinett für die Kassenpflicht vorsieht.

Der Thüringer Heilbäderverband hat beim Thema Kurbeitrag auch Geschäftsreisende im Blick. Nach Widerstand der Kammern hat sich nun der Hotel- und Gaststättenverband dazu geäußert.