Berliner Unternehmen vermittelt ehemalige Botschafter als Reiseführer

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Botschafter vertreten ihr Land in der Welt. Zugleich müssen sie sich aber auch im Gastland gut auskennen, Kontakte knüpfen und vor Ort mit den Menschen und ihrer Kultur in den Austausch treten.

Diesen Erfahrungsschatz will ein Berliner Unternehmen jetzt nutzen und bietet hochpreisige Gruppenreisen mit Begleitung durch ehemalige Botschafter an: Ambassador Experience heißt das Reiseformat. 

Rolf Schulze ist einer der Botschafter a.D., die mitmachen. Im Interview erklärt der frühere Diplomat, wie er als Botschafter Länder wahrgenommen hat und warum er sich nicht als klassischen Reiseführer sieht.

Einen Rat an Urlauber hat Schulze auch: Wer auf Reisen ein Land wirklich kennenlernen wolle, sollte sich öffnen. «Seid unvoreingenommen. Betrachtet, bewertet und beurteilt nicht alles durch eine deutsche Brille», sagt er. «Sondern respektiert, dass jedes Land unterschiedliche kulturelle und historische Prägungen hat. Und versucht, daraus einen Gewinn mit zurück nach Hause zu nehmen.»

Herr Schulze, wie erlebt man als Botschafter ein Land?

Rolf Schulze: Die Tätigkeit als Botschafter ist zum einen sehr harte Arbeit, für Deutschland und für die Regierung. Aber es ist zum anderen auch eine großartige Chance, die jeweiligen Gastländer kennenzulernen. Ich war auf jedem meiner Auslandsdienstposten vier Jahre und da hat man natürlich die Gelegenheit, ein Land auch in der Tiefe zu erleben.

Man lernt alle schönen Dinge kennen, aber in vier Jahren bleiben einem auch die Schattenseiten nicht verborgen. Das fand ich immer sehr, sehr spannend. Diese Erfahrung will ich jetzt gerne in dieses Reiseprojekt einbringen – konkret für Thailand, wo ich von 2011 bis 2015 auf dem Botschafter-Posten war.

Was werden Sie dann anders machen als normale Reiseführer?

Schulze: Wissen Sie, ich war fast 40 Jahre im Auswärtigen Dienst und habe meinem Land 28 Jahre im Ausland gedient. Dabei habe ich permanent Besuchergruppen aus Deutschland begrüßt – Bundestagsabgeordnete, Minister und viele mehr.

Und natürlich hat man dann als Botschafter immer die Aufgabe und den Anspruch, die Gäste nicht nur zu Delegationsgesprächen in Kanzleien und Ministerien zu begleiten und Notizen zu machen. Sondern die offiziellen Besucher, die den weiten Weg aus Deutschland auf sich genommen haben, wollen ein bisschen mehr erfahren über das Land.

Deswegen versuchen Botschafter stets auch, Programmpunkte zu identifizieren, die unter die Oberfläche gehen, und zu zeigen, was in dem Gastland vor sich geht. Weil ich das beruflich so lange gemacht habe, ist das im Grunde genommen eine Fortsetzung meiner damaligen Tätigkeit. Ich würde mich dennoch, offen gestanden, nicht als Reiseführer verstehen.

Auf der Reise wird noch ein weiterer Begleiter von den Reiseexperten aus Berlin dabei sein, die sich vor und während der Reise um die ganze Planung, Organisation und um die Wehwehchen der Gäste kümmern. Meine Aufgabe ist es, Hintergrundwissen zur Verfügung zu stellen. Und den Gästen Zugang zu Orten und Menschen zu vermitteln, die ein normales Reiseunternehmen nicht vermitteln kann.

Also Türen zu öffnen, die ansonsten für Thailand-Besucher nicht geöffnet sind. Wir werden beispielsweise mit deutschen und thailändischen Industrievertretern zusammenkommen und Projekte der bilateralen Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Thailand besuchen.

Das klingt ja fast nach einer politischen Bildungsreise.

Schulze: Es soll ein Mix sein. Wer auf der Reise Golf spielen möchte, der soll die Gelegenheit bekommen, Golf zu spielen. Wer eine Cruise im Golf von Thailand auf einer Luxusjacht unternehmen möchte, der soll diese Gelegenheit haben. Das ist ja legitim, wenn Menschen so eine weite Reise zurücklegen.

Aber ich könnte mir vorstellen, dass Menschen, die an dieser spezifischen Reise teilnehmen, schon vieles oder alles gesehen haben. Ein rein touristisches Programm ist für sie vielleicht nicht mehr sehr aufregend. Diesem Personenkreis wollen wir eben auch mit anspruchsvolleren inhaltlichen Angeboten Rechnung tragen.

Eine kostspielige Reise

Hinter «Ambassador Experience» steckt das Berliner Unternehmen Travel Buddies. Die von Rolf Schulze begleitete Thailand-Reise soll zum ersten Mal im November 2025 stattfinden. Der Preis für die neuntägige Gruppenreise für maximal zwölf Teilnehmer liegt bei 13.700 Euro pro Person (ohne Flüge). Weitere Reisen werden bisher nach Kolumbien und Namibia angeboten.

ZUR PERSON: Rolf Schulze, geboren 1953, war von 1980 bis 2019 im Diplomatischen Dienst für die Bundesrepublik Deutschland und unter anderem in Japan, China und Trinidad und Tobago tätig. Als Botschafter war Schulze in Vietnam, Thailand und Chile.

(dpa)


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