Corona und Skifahren: Aussichten auf den zweiten Corona-Winter

| Tourismus Tourismus

Den Ski-Winter 2020/21 mussten Millionen Skibegeisterte in Europa wegen der Pandemie abschreiben. Pisten schneiten vielerorts zu, Lifte standen still. In diesem Jahr soll es anders werden: Skibetrieb ja, aber wahrscheinlich nur mit Nachweis einer Impfung gegen das Coronavirus, einer Genesung oder eines negativen Tests. Ein Überblick über die Planungen:

Schweiz

Die Schweizer waren im vergangenen Winter unter den Wenigen weltweit, die Wintersportgäste aus dem Ausland überhaupt willkommen hießen. «Die Schweizer Tourismusbranche weiß, wie eine sichere Wintersaison funktioniert», sagt André Aschwanden von der Marketinginitiative Schweiz Tourismus. Es habe keine Hotspots mit Ansteckungen gegeben. In den Liften galt Maskenpflicht. An den Stationen musste Abstand gehalten werden. Es gab zwar im Winter gut ein Viertel weniger Hotelgäste als im Jahr davor, als die Saison wegen der Pandemie vorzeitig abgebrochen werden musste. Aber die Ferienwohnungen waren drei Prozent stärker gebucht als im Vorjahr. Für das Skigebiet Kleine Scheidegg-Männlichen in der Jungfrau-Region war es dank einer neuen Bahn nach den Erlösen aus dem Verkehr sogar «eine der besten Wintersaisons der letzten Jahre».

Nachweise für Impfungen, durchgemachte Corona-Erkrankungen oder negative Tests (3G-Regeln) werden in Innenräumen nötig sein, also auch beim Après-Ski. Grindelwald will an der Talstation womöglich ein Testzentrum einrichten. Zermatt blickt «vorsichtig optimistisch» in die Saison. Die Konjunkturforschungsstelle KOF in Zürich war im Mai sehr optimistisch: «Die Anzahl europäischer Gäste dürfte auf Vorpandemieniveau liegen», hieß es da.

Österreich

In einer der wichtigsten Winter-Destinationen Europas gelten als Eintrittskarte für den Skiurlaub der 3G-Nachweis sowie FFP2-Masken in Seilbahnkabinen. Sollte die Zahl der Covid-Intensivpatienten steigen, dürfen nur noch Geimpfte oder Genesene in Après-Ski-Bars feiern. Die Skigebiete waren in der vergangenen Saison zwar offen, aber Hotels waren für Touristen zu, so dass nur Einheimische oder Tagesgäste kommen konnten. Für die Skigebiete war es fast ein Totalausfall. Sie wollen jetzt an den Winter 2018/19 anknüpfen. Damals gab es knapp 73 Millionen Übernachtungen, davon mehr als ein Drittel aus Deutschland.

«Es ist nicht alles eitel Wonne», sagt Martin Stanits von der Hoteliervereinigung ÖHV zur Buchungslage. Die Branche rechnet damit, dass die Zahlen rund ein Viertel unter den Werten vor der Pandemie liegen könnten. Hoffnung macht der Branche, dass die wichtigen deutschen Urlauber überdurchschnittlich oft geimpft sind.

Italien

«Endlich sind die Bedingungen da, um mit der Wintersportsaison loszulegen», sagte Italiens Tourismusminister Massimo Garavaglia. Im vorigen Winter herrschte ein kompletter Corona-Stopp, allein in Südtirol wurden statt knapp zehn Millionen Übernachtungen - wie in normalen Jahren - 621 000 erreicht. «Für 2021/22 sind wir nun positiv gestimmt», sagt Wolfgang Töchterle von der Südtiroler Marketingagentur IDM. Wie Restaurants und Bars müssen alle Wintersportgebiete die 3G-Regeln anwenden. In geschlossenen Liften und Gondeln dürfen nur 80 Prozent der Kapazitäten genutzt werden.

Wo sich Sportler nahekommen, müssen Masken getragen und Abstände gewahrt werden. Der Winter werde eine logistische Herausforderung, sagt Andy Varallo, Präsident von Dolomiti Superski, einem der größten Skigebiete Europas. Die Saison soll am 27. November losgehen. «Après-Ski ist für Südtirol kaum ein Thema», meint Töchterle. Italienische Skigebiete wollten eher mit der Natur und gutem Essen punkten. Ob, wann und wie Diskotheken öffnen können, ist noch unklar.

Frankreich

Nachdem die Skilifte in Frankreich in der vergangenen Saison geschlossen blieben, wird nun das Comeback geplant. Die genauen Regeln für den Skibetrieb sind noch unklar. Fraglich ist etwa noch, ob das Corona-Zertifikat an Liften verlangt wird, wie es Tourismusverbände und Skibetriebe fordern. Nach jetzt geltenden Regeln muss bei touristischen Übernachtungen ein 3G-Nachweis gezeigt werden. Bei Menschenansammlungen muss auch draußen Maske getragen werden. Das Wintersportgebiet Les Deux Alpes südöstlich von Grenoble hat die Maskenpflicht in Liften schon beschlossen. In den Skigebieten betrug der Verlust in der vergangenen Saison laut Bergtourismusverband France Montagnes 1,4 Milliarden Euro.

Tschechien

Der Verband der Skilift- und Seilbahnbetreiber sieht 3G-Regeln sowie verstärkte Hygienemaßnahmen vor. Handels- und Verkehrsminister Karel Havlicek rechnet mit einem sorgenfreien Start in die Saison. «Davon hängt nicht nur die Freude am Sport ab, sondern auch eine ganze Reihe von Arbeitsplätzen und die Zukunft der Branche.» In den tschechischen Mittelgebirgen mit dem Wintersportort Spindleruv Mlyn (Spindlermühle) im Riesengebirge und dem Skigebiet Klinovec (Keilberg) im Erzgebirge beginnt die Saison in der Regel Mitte Dezember und endet im März. Vollständig Geimpfte aus Deutschland müssen bei der Einreise ein Meldeformular ausfüllen. Für Ungeimpfte gelten Test- und Quarantänepflicht.

Bayern

Nach einem Komplettausfall in der vergangenen Wintersaison rechnen viele Liftbetreiber mit großem Andrang in den bayerischen Alpen. Für Deutschlands höchstgelegenes Skigebiet an der Zugspitze gingen schon zahlreiche Anfragen für Saisontickets ein, sagt eine Sprecherin der Bayerischen Zugspitzbahn. «Wir müssen mit dem Verkauf aber noch abwarten.» Bisher könne man nicht verbindlich sagen, unter welchen Bedingungen die Saison stattfinde.

Laut Verband Deutscher Seilbahnen (VDS) können Skifahrerinnen und -fahrer unter Einhaltung der 3G-Regeln in Bayern Ski fahren. Après-Ski-Partys spielten keine große Rolle, sagt eine Sprecherin der Allgäu GmbH. «Unsere Skigebiete sind schon immer für Familien ausgelegt.» Durch den Corona-Stillstand hat die Region Einnahmen von schätzungsweise rund 2,7 Milliarden Euro verloren.

Schwarzwald

Im Skigebiet Feldberg im Schwarzwald planen die Liftbetreiber eine sogenannte 2G-Plus-Regel. Erwachsene, die auf die Piste wollen, müssen demnach geimpft oder genesen sein. Der Nachweis soll schon bei der Online-Buchung der Liftkarten erbracht werden. Für schulpflichtige Kinder reicht ein negativer Test beziehungsweise auch der Schülerausweis. An einem Gesamtkonzept werde noch gearbeitet, sagt eine Sprecherin. Je nach Schneelage beginnt die Wintersaison am Feldberg etwa Mitte Dezember. In der vergangenen Saison waren die Pisten geschlossen. Der Liftverbund beziffert den Umsatzverlust auf mindestens acht Millionen Euro. (dpa)


Zurück

Vielleicht auch interessant

Griechenland will den Massentourismus auf vielen Inseln und in beliebten Ferienorten stärker begrenzen und gleichzeitig Natur und Landschaft besser schützen. Die Regierung stellte dazu bei einer Pressekonferenz in Athen neue Regeln für den Tourismus und den Hotelbau vor.

Eine aktuelle YouGov-Studie zeigt eine deutliche Zurückhaltung deutscher Reisender beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Zwar können sich viele Befragte den Einsatz von KI-Anwendungen im Reisebereich grundsätzlich vorstellen, die tatsächliche Nutzung bleibt laut den erhobenen Daten jedoch meist im einstelligen Prozentbereich.

Zugfahrten ins Ausland werden bei Reisenden beliebter. Die Bahn will davon profitieren und stärkt gerade im Sommer ihr Programm. Bei manchen Verbindungen in Metropolen gibt es aber noch hohe Hürden.

Die Tripadvisor Group hat im ersten Quartal 2026 einen Umsatzrückgang von 4 Prozent gemeldet. Wachstum verzeichnete das Unternehmen nach eigenen Angaben vor allem im Bereich Experiences sowie bei der Restaurantplattform TheFork.

Deutschland bleibt laut aktuellen Marktdaten das weltweit wichtigste Ziel für internationale Geschäftsreisen. Während klassische Geschäftsreisen zurückgehen, bleiben Veranstaltungen und Bleisure-Reisen auf stabilem Niveau.

Eine aktuelle Erhebung des Portals Holidu prognostiziert für die Saison 2026 eine hohe Auslastung bei Ferienhäusern an den deutschen Küsten bei weitgehend stabilen Mietpreisen. Insbesondere an der Nordsee planen Urlauber ihren Aufenthalt langfristig.

Nach mehreren Hantavirus-Fällen und drei Todesopfern darf das Kreuzfahrtschiff «Hondius» einen Hafen auf den Kanaren anlaufen. Was Spanien und internationale Behörden nun planen.

Es ist nicht immer leicht, sich im Urlaub die Sonnenliegen am Hotelpool zu sichern, oft sind sie mit Handtüchern reserviert. Das will sich ein Reisender nicht gefallen lassen - er fordert Geld zurück.

Eine aktuelle Studie belegt, dass die geopolitische Lage im Nahen Osten die Reiseplanung von 70 Prozent der Deutschen beeinflusst. Trotz aufgehobener Reisewarnungen für Golfstaaten wie Katar und die VAE bleiben Urlauber vorsichtig.

Die Lufthansa startet ihr neues Servicekonzept FOX auf der Langstrecke. Mit einer Investition von 70 Millionen Euro werden die kulinarischen Angebote und die Ausstattung in allen Reiseklassen, von der Business Class bis zur Economy Class, umfassend erneuert.