Gestrandet auf den Malediven: Paar will endlich weg aus dem Urlaubsparadies

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Ein Spaziergang über den hellen Sand am Strand, Erinnerungsfotos unter Palmen, ein Fruchtcocktail, während die Füße im warmen Wasser baumeln. Gestrandet auf einer Insel im Indischen Ozean, Ende offen. Was traumhaft klingt, ist für Peri und Chalid inzwischen eine kaum noch zu ertragende Situation. «Es wird immer schwieriger», sagt Peri.

Hochzeit mit Freunden und Familie in Ägypten, Flitterwochen in Mexiko, dann zurück in den Alltag nach Dubai – das war der Plan des Paares Anfang März. «Als wir losgereist sind, war Corona noch keine allzu große Sache», sagt Chalid.

Die Abfahrt aus Cancún in Mexiko am 19. März verläuft noch problemlos. Doch im Flieger erhält das Paar Nachrichten von Freunden: «Wie wollt ihr zurück nach Dubai kommen?» Das Innenministerium der VAE hat einen Einreise-Stopp für Ausländer mit festem Wohnsitz in den Emiraten verkündet.

Zwischenstopp in Istanbul

«Wir haben das Ausmaß des Problems erst nach unserer Zwischenlandung in Istanbul so richtig verstanden», sagt der 36-jährige Chalid, der in dem Staat auf der Arabischen Halbinsel als Ingenieur für Telekommunikation arbeitet. Er und seine Frau Peri (35) telefonieren mit Freunden, VAE-Behörden, der ägyptischen Botschaft. «Bitte gedulden sie sich», heißt es. Beim Versuch, den Anschlussflug zu nehmen, werden sie abgewiesen, die Bordkarten werden eingezogen.

Chalid und Peri sitzen am Istanbuler Flughafen fest. Einen Tag, noch einen. Keine Informationen, wann es weitergehen könnte, kein Gepäck. «Die Situation war sehr chaotisch», sagt Chalid. Ohne Bordkarte kann das Paar nicht einmal in den Flughafen-Shops einkaufen.

Weil auch Flüge nach Ägypten ausgesetzt sind, brauchen Chalid und Peri einen Ersatz-Plan. Welche Ziele werden noch angeflogen? Und welche davon kommen mit einem ägyptischen Ausweis in Frage? Die einzige Lösung nach tagelangem Ausharren und Recherchieren am Flughafen: die Malediven.

«Wir haben nicht einmal groß nachgedacht», erzählt Chalid am Telefon. «Wir wollten nur endlich wieder ein Bett und unsere Sachen haben - und duschen.» Zu neunt sitzen sie demnach in dem riesigen Flugzeug, das sie Mitte März auf die Inselgruppe im Indischen Ozean fliegt. Dort seien sie nun schon seit mehr als zwei Monaten gestrandet. «Keiner nimmt einen ernst, wenn man über einen nicht enden wollenden Aufenthalt auf den Malediven klagt», sagt Chalid.

Doch was für manche traumhaft wirken mag, hat mit zweiten Flitterwochen tatsächlich wenig zu tun: Als Reaktion auf die ersten nachgewiesenen Corona-Infektionen in der Hauptstadt Malé Mitte April haben die Behörden eine Ausgangssperre für die Region angeordnet. Schiffsverkehr zwischen den Inseln ist untersagt, Hotels dürfen keine Gäste aufnehmen. Es sei davon auszugehen, dass die meisten Resorts geschlossen würden, wenn die letzten Gäste diese verlassen hätten, schreibt das Auswärtige Amt.

14 Zimmer in sechs verschiedenen Hotels

«Die letzten Gäste» - dazu gehören Peri und Chalid. Ein Hotel nach dem nächsten macht dicht. Das Paar führt Strichliste: Seit Anfang März hat es in mehr als 14 Zimmern in mindestens sechs verschiedenen Hotels seine Koffer aus- und wieder eingepackt. «Wir werden in jedem Hotel herzlich begrüßt, bevor es kurz danach schließt», sagt Chalid. Jeden Morgen ruft die Rezeption an und fragt: «Wann reisen Sie ab?»

Aber eine Ausreise aus den Malediven ist derzeit quasi unmöglich. Kommerzielle Flugverbindungen vom internationalen Flughafen Malé wurden vorübergehend eingestellt. «Und selbst wenn es Flüge geben würde..., wir würden ja nicht nach Hause kommen», wirft Peri ein.

Mit kleinen Wasserflugzeugen oder mit Booten werden sie beim Hotelwechsel von Insel zu Insel gebracht. Jeder Transport muss bezahlt werden. Die Kreditkarte wird zudem mit Kosten für exklusive Zimmer belastet. Das Paar, das seit acht Jahren zusammen ist, hat für das gemeinsame Leben Geld zurückgelegt. Aber das Ersparte ist jetzt futsch, die Angst vor dem wachsenden Schuldenberg inzwischen «größer als alle Covid-Sorgen», wie Peri sagt.

Vor Kurzem sind die beiden in eine isolierte «Notunterkunft» gezogen. Die Ferienanlage auf der Insel Manadhoo bietet nach eigenen Angaben «luxuriöse Villen in türkisem Wasser». Die Marketingdirektorin und ihr Mann arbeiten hier so gut wie möglich. Notfalls am Computer der Rezeption. Denn Arbeitsplätze sind rar in Honeymoon-Hotels.

Ab dem 1. Juni sollen Ausländer mit Aufenthaltsgenehmigung mit einer Sondergenehmigung wieder nach Dubai einreisen können. Bis sie diese haben, können sie kein Ticket buchen. «Wir bereuen es nicht, hierher geflogen zu sein. Es war das Beste, was wir in der Situation tun konnten», sagt Chalid. «Aber wir wollen nach Hause.»

(dpa)


 

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