Lufthansa muss noch mehr sparen - Einschnitte bei Flotte und Personal

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Die staatlich gestützte Lufthansa muss in der Corona-Krise noch stärker schrumpfen als zunächst geplant. Wegen der schwachen Nachfrage und anhaltender Reisebeschränkungen sollen dauerhaft mindestens 150 Flugzeuge der Konzernflotte nicht mehr abheben und Tausende Jobs zusätzlich gestrichen werden, wie das Unternehmen am Montag in Frankfurt mitteilte. Der MDax-Konzern will zudem jede fünfte Leitungsposition einsparen und in Deutschland 30 Prozent weniger Bürofläche anmieten.

Bislang hatte Lufthansa mit einer mittelfristig um 100 Flugzeuge reduzierten Konzernflotte geplant, die einstmals 760 beziehungsweise einschließlich angemieteter Maschinen 800 Jets zählte. Auch die Zahl der einzusparenden Vollzeitstellen werde die bislang angekündigten 22 000 übersteigen, erklärte der Vorstand, ohne eine genaue Größe zu nennen. Insider gehen von bis zu 5000 zusätzlich wegfallenden Stellen aus.

Unklar blieb weiter, wie viele der aktuell noch rund 128 000 Lufthanseaten eine Kündigung fürchten müssen. Vor allem im Ausland haben seit Jahresbeginn rund 10 000 Menschen die Airline verlassen. Für die deutsche Belegschaft laufen Gespräche über Interessensausgleich und Sozialpläne. Der Vorstand verwies auf sein Ziel kreativer Teilzeitmodelle und laufende Verhandlungen mit den Arbeitnehmern. Man strebe weiter mit den Tarifpartnern entsprechende Krisenpakete an, damit möglichst wenigen betriebsbedingt gekündigt werden müsse.

Nur die massive Staatshilfe aus den vier Heimatländern - Deutschland, Österreich, Schweiz und Belgien - in Höhe von zusammen neun Milliarden Euro hatte den Kollaps des hoch verschuldeten Unternehmens verhindert. Gleichwohl verliert Lufthansa in der Corona-Flaute aktuell jeden Monat 500 Millionen Euro liquide Mittel. Diese Zahl soll sich mit den Sparmaßnahmen bis zum Winter auf 400 Millionen Euro sinken und im Laufe des kommenden Jahres ins Positive gewendet werden. Mit den Erlösen aus Teilverkäufen will Lufthansa die Staatsbeteiligung zurückführen.

Einzig mit der Kabinengewerkschaft Ufo hat Lufthansa bislang ein langfristiges Abkommen geschlossen. Die für das Bodenpersonal streitende Verdi machte sich am Montag die Kritik der Pilotengewerkschaft «Vereinigung Cockpit» an den Management-Plänen für die neue Touristikplattform «Ocean» zu eigen, für die zunächst 300 neue Stellen auf einem niedrigeren Lohnniveau als bei der Muttergesellschaft ausgeschrieben sind.

Verdi-Verhandlungsführerin Mira Neumaier verlangte zukunftsweisende Konzepte. «Alleine mit Beschäftigungsabbau wird das Unternehmen nicht gerettet werden.» Auch die Beschäftigten der Lufthansa Technik hätten begründete Ängste um ihre Zukunft. «Die Lufthansa als Airline braucht eine starke Lufthansa Technik mit ihren gut ausgebildeten Fachkräften und Tarifstrukturen», erklärte Neumaier mit Blick auf eine mögliche Ausgründung der Techniksparte. Der schon zuvor eingeleitete Verkauf der Cateringtochter LSG Sky Chefs soll für Europa noch in diesem Monat abgeschlossen werden, heißt es im Konzern.

In diesem Jahr erwartet Lufthansa nach dem «Strohfeuer» des Reisesommers nur noch ein Flugangebot zwischen 20 und 30 Prozent des Vorkrisenniveaus. Ursprünglich wollte Lufthansa zum Jahresende wieder die Hälfte ihres Vor-Corona-Programms fliegen. Für eine schnelle Erholung sieht das Management die Ausweitung von Corona-Schnelltests an den Flughäfen als Voraussetzung, um lange Quarantäne-Fristen zu vermeiden.

Wegen des geringen Interkontinentalverkehrs mottet Lufthansa nun ihre größten Flugzeuge vom Typ A380 langfristig ein, sofern sie nicht an den Hersteller Airbus zurückgegeben werden können. Zehn weitere Interkontinental-Jets vom Typ A340-600 sollen ebenfalls dauerhaft geparkt bleiben. «Diese Flugzeuge würden nur im Falle einer unerwartet schnellen Markterholung wieder reaktiviert werden können», teilte der Vorstand mit. Sieben weitere A340-600 werden sofort ausgemustert. Die Flottenentscheidungen führen im laufenden Quartal zu Wertberichtigungen von bis zu 1,1 Milliarden Euro.

Die Corona-Krise hat den größten Luftverkehrskonzern Europas wie die gesamte Branche im Frühjahr hart getroffen. Der globale Flugverkehr kam zwischenzeitlich nahezu zum Erliegen, der Interkontinentalverkehr ist bislang nur zu einem sehr kleinen Teil wiedergekehrt. Aktuell leiden die Konzern-Marken Lufthansa, Eurowings, Swiss, Austrian und Brussels unter den komplexen Einreisebeschränkungen der Nationalstaaten. Einzig die Fracht bringt noch Geld in die Kasse.


 

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