Milliardenbranche Thüringen-Tourismus soll besser werden

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Thüringen verspricht Besuchern künftig ein «touristisches Gesamterlebnis» und will die Übernachtungszahlen innerhalb von zehn Jahren um etwa eine halbe Million erhöhen. Das seien zwei Ziele der neuen Tourismusstrategie des Landes für den Zeitraum bis 2035, sagte Wirtschaftsministerin Colette Boos-John in Erfurt. In den vergangenen Jahren hatte sich der Tourismus im Freistaat, der für viele Besucher von Wald, Wartburg und Weimar geprägt ist, nur verhalten entwickelt. 

«Es ist Luft auf jeden Fall da», sagte die CDU-Politikerin mit Blick auf Daten der vergangenen zehn Jahren seit 2015. Die Gästezahl habe sich in diesem Zeitraum von 3,7 auf 3,9 Millionen erhöht, die der gebuchten Übernachtungen von 9,8 auf 10,0 Millionen. Dem Thüringer Wachstum im einstelligen Millionenbereich stand bundesweit ein Zuwachs bei Gästen und Übernachtungen von 15 beziehungsweise 14 Prozent gegenüber. Hinzu kommen laut Ministerium rund 72,5 Millionen Tagesgäste pro Jahr.

Defizite gebe es unter anderem bei Digitalisierung, Barrierefreiheit und Aufenthaltsdauer, so die Ministerin. Im Wettbewerb der Mittelgebirgsregionen in Deutschland wolle Thüringen beispielsweise mit mehr Sportangeboten in der Natur verbunden mit regionaler Gastronomie punkten. Der Freistaat ist vor allem durch seine international erfolgreichen Wintersportler bekannt, verfügt aber auch über viele Anlagen für Freizeitsportler. Gäste sollen mehr emotionale Anknüpfungspunkte erhalten, das könnten auch Persönlichkeiten aus Vergangenheit und Gegenwart sein, sagte Boos-John.

 

Buchungen mit zwei Klicks  

Künftig sollen kulturelle Attraktionen, Sport- und Freizeitangebote oder regionale Kulinarik schon bei der Buchung von Übernachtungen stärker miteinander verbunden und angeboten werden. Boos-John sprach von einem Perspektivwechsel im Thüringen-Tourismus weg von der Einzelleistung hin zu Angeboten für ein Gesamterlebnis, das Gäste dazu bringe, wiederzukommen. Dazu gehöre vor allem auch Qualität und leichte Buchbarkeit am besten mit zwei Klicks. Es würden derzeit auch Gästekarten für einzelne Regionen geprüft oder ein integraler Taktfahrplans für den Regionalbusverkehr diskutiert.  

Dabei sei klar, Thüringen werde auch in Zukunft kein Ziel für Gäste sein, die zwei Wochen verweilen», sagte die Ministerin. Bisher bleiben Gäste im Schnitt etwa drei Tage. Ziele der Tourismusstrategie seien, in den kommenden zehn Jahren die Zahl der gebuchten Übernachtungen auf 10,55 Millionen pro Jahr zu erhöhen - ein Plus von für Prozent sowie die Bettenauslastung von jetzt 34,5 auf 39,5 Prozent zu verbessern. 

Gespräche mit Investoren laufen 

Ambitioniert wirkt dabei das Vorhaben, den touristischen Umsatz um 30 Prozent auf 5,42 Milliarden Euro zu erhöhen. Dazu seien auch Investitionen beispielsweise in neue Hotels, Pensionen oder Ausflugsziele nötig. «Wir haben eine Fülle Investorengespräche», so Boos-John. Dabei gehe es von Campingplätzen mit fünf Sternen bis hin zu Erlebnisgastronomie. 

Vorgestellt und diskutiert werden soll die neue Strategie unter der Dachmarke »Grünes Herz Deutschlands» bei den Tourismustagen im Freistaat am 28. und 29. September, kündigte die Ministerin an. Nach ihrer Einschätzung werden Digitalisierung, Fachkräftemangel, demografischer Wandel und neue Reisegewohnheiten die gesamte Tourismusbranche verändern.  

Im ersten Halbjahr hatte es im Thüringen-Tourismus mit 4,6 Millionen Übernachtungen keinen Aufwärtstrend gegeben. Die Buchungen bewegten sich mit einem Miniplus von 0,1 Prozent etwa auf dem Niveau des Vorjahreszeitraums, geht aus Zahlen des Statistischen Landesamtes hervor. 
Während sich der Thüringer Wald als wichtigstes Ziel für Gäste und Touristen im Freistaat mit fast 1,7 Millionen Übernachtungen recht stabil zeigte, verlor beispielsweise Weimar 2,3 Prozent auf 353.000 Übernachtungen im ersten Halbjahr. (dpa)


 

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