Neue Staatshilfe für Condor geplant

| Tourismus Tourismus

Der deutsche Staat will den Ferienflieger Condor ein weiteres Mal vor dem finanziellen Absturz bewahren. Der Kreditrahmen soll von zuletzt 380 Millionen Euro auf 550 Millionen Euro erweitert werden, wie die Deutsche Presse-Agentur am Dienstag aus Regierungskreisen erfuhr. Noch seien Details ungeklärt und auch die EU-Kommission müsse dem Plan noch zustimmen, hieß es einschränkend.

Die erneute Rettung war in Folge der Corona-Krise notwendig geworden, nachdem am Ostermontag die polnische Luftfahrt-Holding PGL die bereits im Januar vereinbarte Übernahme der Condor abgesagt hatte (Tageskarte berichtete). Die wichtigste PGL-Gesellschaft Lot ist wie zahlreiche andere Airlines durch die Corona-Krise geschwächt und muss voraussichtlich selbst Staatshilfe in Anspruch annehmen.

Die Polen nannten allerdings nicht die allgegenwärtige Virus-Krise als Grund für ihren Ausstieg, sondern hielten der Condor vor, die Vertragsbedingungen nicht erfüllt zu haben. Die Airline wies dies zurück und prüft ihrerseits, ob sie gegen die Polen Vertragsstrafen geltend machen kann.

Nach Thomas-Cook-Pleite saniert

Das Frankfurter Unternehmen mit rund 4.900 Beschäftigten und mehr als 50 Flugzeugen war nach der Pleite des britischen Mutter-Konzerns Thomas Cook im September 2019 in einem Schutzschirmverfahren saniert worden. Es wurden zur Kostenminimierung unter anderem Mietverträge gekündigt, einige Verwaltungsbeschäftigte entlassen und Krisen-Tarifverträge mit den Gewerkschaften abgeschlossen.

Der Schutzschirm als Insolvenz in Eigenverwaltung sollte mit dem Einstieg der PGL beendet werden. An ihre Stelle tritt nun möglicherweise ein Treuhänder, der das Unternehmen provisorisch als Investor führen und gleichzeitig die Einlagen des Staats schützen könnte.

Der im Herbst 2019 vergebene KfW-Überbrückungskredit über 380 Millionen Euro wird dem Vernehmen nach verlängert und mit einer neuen Finanzierung ergänzt. Weitere Mittel könnten nach Ende des Schutzschirmverfahrens von einem Treuhandkonto fließen, auf dem Kundengelder für Condor-Tickets nach dem 1. April gelandet sind. Aus diesem Topf müssen allerdings auch Erstattungsansprüche von Urlaubern geleistet werden.

Gegenpol zur Lufthansa

Vor der Corona-Krise galt der Ferienflieger besonders wegen seines Angebots zu touristischen Langstreckenzielen in Übersee als unentbehrlich für die Reisebranche, die stets einen Gegenpol zur mächtigen Lufthansa haben wollte. Nach der Thomas-Cook-Pleite hatten große Veranstalter sogar erwogen, sich selbst an der Fluggesellschaft zu beteiligen. Die Lufthansa hatte zwar im Frühjahr 2019 Interesse an einer Übernahme gezeigt, aber letztlich auch aus kartellrechtlichen Gründen nicht für die Condor geboten.

Die Gewerkschaften hatten sich stark für den Erhalt der Ferienfluggesellschaft eingesetzt, die nach eigenen Zahlen im Thomas-Cook-Konzern mit Ausnahme eines Jahres immer zu den Gewinnbringern gezählt hatte. Der Flugbetrieb stehe auf grundsoliden Füßen, hatte die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit erklärt. Die Kabinengewerkschaft Ufo hatte sich sogar für direkte staatliche Beteiligungen bei Condor und Lufthansa eingesetzt. Damit könne man Einfluss auf die Situation nach der Krise gewinnen, um beispielsweise einen Unterbietungswettbewerb in einem sonst schwachen Markt zu vermeiden.

(dpa)


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Der Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer feiert 2026 sein 40-jähriges Jubiläum. Mittendrin in diesem so wichtigen Lebensraum liegen die sieben Ostfriesischen Inseln. Und das frisch rezertifiziert als Partner der Nationalparkverwaltung.

Kerosin kostet infolge des Iran-Kriegs viel mehr. Das geht auch an Urlaubern nicht spurlos vorbei, denn es hat Auswirkungen auf die Reisepreise. Auch nachträgliche Erhöhungen können rechtens sein.

Das Kabinenpersonal von Deutschlands größter Airline ist zum Streik aufgerufen. Welche Flüge betroffen sein können und welche Rechte betroffene Reisende haben - der Überblick.

Die griechische Hotelgruppe Domes Resorts hat eine Mehrheitsbeteiligung an Casa Collective erworben. Wie das Unternehmen mitteilt, wurde eine entsprechende Vereinbarung mit Goldman Sachs geschlossen. Casa Collective ist die Plattform hinter den Hotelmarken Cook’s Club und Casa Cook.

Die Urlaubsinsel Capri führt eine «Anti-Belästigungs-Verordnung» ein: Aufdringliches Ansprechen von Touristen, Flyer oder Lockangebote in Restaurants werden jetzt mit bis zu 500 Euro Strafe geahndet.

Flusskreuzfahrten als Impuls für Hamburgs City: Neue Anleger mit guter Anbindung für Touristen, die Geld in Restaurants und Läden lassen sollen. Rot-Grün will Flusskreuzfahrten für die Stadt nutzen.

Venedig kostet seit letztem Freitag wieder Eintritt: zehn Euro pro Tag. An insgesamt 60 Terminen bis Ende Juli werden Kurzbesucher in der italienischen Lagunenstadt dieses Jahr erneut zur Kasse gebeten.

Krisen wie im Nahen Osten bringen Urlaubspläne ins Wanken: Laut einer Umfrage ändern 16 Prozent der Deutschen mit Plänen für Ostern oder die kommenden drei Monate ihre Reise – einige verzichten ganz.

Die Lufthansa bekennt sich endlich zu ihrer vollständigen Geschichte. Doch zum 100. Jahrestag des Erstflugs steht das Unternehmen nicht allzu glänzend da. Neue Turbulenzen zeichnen sich ab.

Wer an Nord- oder Ostsee einen Strandkorb mieten will, muss je nach Ort und Saison unterschiedlich tief in die Tasche greifen. Wo sich Preise kaum ändern – und wo es teurer wird.