Runderneuerte Lufthansa will Corona hinter sich lassen

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Spätestens Ostern soll es so richtig losgehen. Die Lufthansa bereitet sich wie andere Fluggesellschaften auf einen Ansturm der Passagiere vor und will die Corona-Flaute endlich hinter sich lassen.

Wenn Vorstandschef Carsten Spohr am kommenden Donnerstag (3. März) die Bilanz für 2021 präsentiert, wird er die geschäftlichen Chancen beim Neustart betonen. Europas umsatzstärkster Luftverkehrskonzern sieht sich trotz stark gestiegener Schuldenlast fit genug, bei der Neuverteilung des europäischen Himmels ein deutliches Wort mitzusprechen.

Nahezu täglich berichten führende Lufthansa-Manager von stark steigenden Buchungszahlen, doch aktuell hält sich der Kranich noch merklich zurück. Nach aktuellen Eurocontrol-Zahlen absolviert die Kerngesellschaft im Vergleich zu 2019 gerade knapp die Hälfte der Flüge, während das Angebot des Billigfliegers Ryanair bereits leicht über dem Vorkrisenniveau liegt. Die Omikron-Variante hat zu Jahresbeginn noch einmal deutliche Spuren im Flugplan hinterlassen.

Neue Unsicherheiten bringt zudem der Ukraine-Konflikt mit sich. Sollte in dessen Verlauf auch der russische Luftraum für Überflüge gesperrt werden, drohen der Lufthansa mit ihrer starken Asien-Orientierung hohe Zusatzkosten für die Umwege in Richtung China, Japan und Korea.

Doch innerhalb Europas und Richtung Westen rechnet der Konzern mit einer sprunghaft steigenden Nachfrage zunächst vor allem von Touristen. Nach Mallorca will das Unternehmen wie im vergangenen Sommer erneut einen Boeing-Jumbo einsetzen, um alle Ticketwünsche erfüllen zu können. Der Konzern hat seine Corona-Schrumpfkur vorzeitig gestoppt und will nun auch bei den Piloten ohne Entlassungen auskommen. Statt der geplanten rund 100 000 Beschäftigten können nun wohl knapp 107 000 Lufthanseaten an Bord bleiben von ursprünglich 140 000.

Die Lufthansa-Gruppe beschäftigt rund 11 000 Piloten und Pilotinnen, rund 5000 davon bei der Kernmarke. Von diesen besonders gut bezahlten Stammkräften bis zu 1100 zu entlassen, kommt für Spohr längst nicht mehr in Frage. Am vergangenen Dienstag begann ein mehrtägiges Konklave mit der Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) über die künftigen Konditionen. Lufthansa verlangt erhebliche Einsparungen, denn noch gilt es, mehrere Hundert Stellen durch Abfindungen oder gemeinschaftliche Teilzeit abzubauen.

Die VC-Piloten hatten sich in der Vergangenheit die Zahl von 325 Jets festschreiben lassen, die ausschließlich von ihnen geflogen werden durften. Das passt nach Ansicht der Geschäftsführung nicht mehr zur reduzierten Gesamtgröße, die nach unbestätigten Berichten einschließlich der Schwestergesellschaften Swiss, Austrian, Eurowings und Brussels Airlines bei 720 Jets liegen soll. Die entsprechende Vereinbarung wurde im vergangenen Jahr gekündigt.

Vor allem der jüngsten und noch tariflosen Gesellschaft Eurowings Discover trauen die VC-Piloten nicht über den Weg, soll sie doch aus den Drehkreuzen Frankfurt und München toruistische Mittel- und Langstreckenverbindungen bedienen. Auch von einer «Lufthansa Light» unterhalb der Kernmarke war schon die Rede. Hier droht aus Sicht der Piloten eine billigere, für die Kunden nicht mehr erkennbare Konkurrenz im Kern der Kerngesellschaft, die zudem voll in die Buchungs- und Umsteigesysteme der Lufthansa eingebunden wäre. Für Eurowings und Eurowings Discover werden laufend neue Crews gesucht.

Die externe Konkurrenz der Lufthansa in Europa kommt weiterhin von den Billigfliegern, wenngleich sich Ryanair ab Ende März aus dem teuren Frankfurt zurückgezogen hat. Der deutsche Ferienflieger Condor bleibt hingegen mit einem neuen Investor im Geschäft und kann darauf vertrauen, dass Lufthansa weiterhin durchgebuchte Zubringerflüge für Condor-Passagiere übernehmen muss. Das Bundeskartellamt hat zwar noch nicht endgültig entschieden, aber unmissverständlich klargemacht, dass die auf der Kurz- und Mittelstrecke marktbeherrschende Lufthansa diese langjährige Dienstleistung nicht einseitig kündigen darf.

Eine weitere Beteiligung strebt die Lufthansa im Süden Europas an, wo der italienische Staat die herausgeputzte Alitalia-Nachfolgerin ITA mit einem Investor verbandeln will, ohne die Kontrolle ganz aufzugeben. Gemeinsam mit dem italienisch-stämmigen MSC-Großreeder Gianluigi Aponte, der die Mehrheit übernehmen will, beteiligt sich Lufthansa an dem kürzlich gestarteten Bieterverfahren. Ähnlich wie einst bei der Swiss würde Lufthansa in eine bereits hart sanierte Airline einsteigen, das Risiko mit dem Schiffs- und Logistikpartner aber zunächst klein halten.

Voraussetzung dafür ist die Rückzahlung der Staatshilfen, für die ein Rahmen von neun Milliarden Euro bereitstand. Die deutschen Direkthilfen hat Lufthansa im November vergangenen Jahres vollständig getilgt. Sein verbliebenes Lufthansa-Aktienpaket muss der staatliche Wirtschaftsstabilisierungsfonds bis Oktober 2023 verkaufen. (dpa)


 

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