Schnellere Daten und KI - Bahn plant bessere Reiseinfos

| Tourismus Tourismus

Plötzlich erscheint auf der Anzeige: Der ICE, der eigentlich gleich von Gleis 4 starten sollte, fährt von Gleis 11. Hunderte Reisende eilen gestresst zu den Bahnsteigtreppen. Dass Hinweise auf Störungen, Verspätungen oder Zugausfälle häufig nicht zeitnah und zuverlässig kommen, wurmt viele Fahrgäste. Die Bahn will das Ärgernis angehen und dafür auch an den Datenquellen ansetzen, um bald bessere Benachrichtigungen anzubieten.

«Die Kundinnen und Kunden sollen noch in diesem Jahr merken, dass die Kundeninformation besser wird», sagte Konzernchefin Eveyln Palla der Deutschen Presse-Agentur. «In der Vergangenheit haben wir zu wenig Fokus auf dieses fundamental wichtige Thema für die Fahrgäste gelegt», räumte sie ein. «Gerade bei vielen Fahrplanabweichungen ist es wichtig, dass wir unsere Fahrgäste gut informieren und aktuelle, verlässliche und konsistente Daten in den unterschiedlichen Kundenkanälen haben.» 

Infos aus mehreren Quellen

Bei täglich mehr als 20.000 Fern- und Regionalzügen allein bei der bundeseigenen Deutschen Bahn sind Angaben zu Planabweichungen eine komplexe Sache. «Eine gute Kundeninformation ist ein Zusammenspiel von mehreren Akteuren», erläuterte Palla. So kämen Daten über die Position der Züge und Informationen zu Gleiswechseln im Bahnhof vom Betreiber des Schienennetzes, der Konzerntochter DB InfraGo. «Die wollen wir so früh wie möglich in die Informationssysteme bekommen – direkt, wenn sie vorliegen.»

 «Die andere Informationsquelle sind die Verkehrsunternehmen, die auf der Schiene unterwegs sind. Dort entstehen die Verspätungsprognosen und zum Beispiel auch die Informationen zur Wagenreihung», sagte die Bahnchefin. Für die eigenen Fern- und Regionalzüge der DB wolle man jetzt aus den Leitstellen schneller präzisere Daten in die Kundensysteme einspielen. 

Auch die Wettbewerber müssen mitziehen

Damit die Gesamtsituation der Fahrgäste besser wird, kommen aber auch die Wettbewerber ins Spiel, die der Bahn inzwischen vor allem im Regionalverkehr Konkurrenz machen. Wichtig sei, dass alle anderen Verkehrsunternehmen auf der Schiene ebenfalls präzise Daten einspielten, damit flächendeckend eine gute Kundeninformation entstehe, sagte die Bahnchefin. «Am Ende ist das eine Gemeinschaftsaufgabe der gesamten Branche.»

Helfen soll bei der Bahn auch neue Technik. «Wir müssen hier auch noch mehr als in der Vergangenheit auf Künstliche Intelligenz setzen, insbesondere bei den Verspätungsprognosen können wir da Verbesserungen erzielen.» Derzeit müssen Fahrgäste oft damit kämpfen, dass sich Prognosen noch während der Fahrt immer wieder ändern - und am Ende niemand genau weiß, wann der Zug nun ankommt und ob die Anschlussverbindung erreichbar ist.

Drei Sofortprogramme

Bessere Informationen gehören zu den insgesamt drei Sofortprogrammen, mit denen die neue Bahnchefin und Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) schon kurzfristige Verbesserungen erreichen wollen. Ein erstes Programm für mehr Sicherheit und Sauberkeit an den Bahnhöfen und ein zweites für mehr Komfort in den Fernzügen sind schon vorgestellt worden. 

Für die ICE und Intercity geht es dabei um besser verfügbare Toiletten und Angebote in der Bordgastronomie. Rund 20 Millionen Euro extra pro Jahr soll das Programm kosten. Wann das letzte zur Reisendeninformation anlaufen wird, ist noch offen. Der Zweck aller drei Programme: Bei den Fahrgästen soll jetzt schon ankommen, dass sich bei der Bahn etwas zum Positiven ändert, wie Palla sagte. Denn für die tiefgreifende Sanierung des maroden Gleisnetzes als Hauptursache für Verspätungen warb sie gerade um Geduld: «Die Schiene in Deutschland in Ordnung zu bringen, dafür werden wir zehn Jahre brauchen.»

Palla: Wollen das Bahngeschäft auch wirtschaftlich sanieren

Für den bundeseigenen Konzern, der ja als Aktiengesellschaft firmiert, schlägt sich das auch bei den wirtschaftlichen Perspektiven nieder. «Natürlich müssen wir auch wieder Wachstum erzielen. Dafür können wir die Auslastung unserer Züge verbessern», sagte Palla. «Wir können aber angesichts knapper Netzkapazitäten aktuell nicht noch mehr Züge auf die Schiene schicken.» 

In den Bilanzen standen zuletzt unter dem Strich rote Zahlen. Die Bahnchefin betonte denn auch: «Wir wollen das Bahngeschäft in Deutschland betrieblich, aber natürlich auch wirtschaftlich stabilisieren. Das muss unser Ziel sein, und das verfolgen wir. Da sind wir auf einem guten Weg.» Mit Blick auf den Verkauf der weltweit aktiven Logistiktochter Schenker, die ein meist sicherer Gewinnbringer war, erläuterte sie: «Es geht nicht darum, mit irgendeinem Auslandsgeschäft den Konzern wirtschaftlich gesund zu halten.»

Palla sagte: «Wir haben 2025 schon besser abgeschlossen als die vorherigen Jahre.» Im Fernverkehr sei man dabei, ein umfassendes Sanierungskonzept zu erarbeiten. Die Güterzugtochter DB Cargo sei das größte Sorgenkind. «Da schlagen wir gerade einen Sanierungskurs mit sehr harten Einschnitten ein.» Und es gebe darüber hinaus im Konzern auch strukturelle Veränderungen und Bürokratieabbau, die einen Beitrag zur Wirtschaftlichkeit leisten sollten.


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

In welchen deutschen Küstenregionen verbringen Urlauber am liebsten eine Auszeit? Schleswig-Holsteins Küsten liegen in der Reise-Gunst deutlich vorn. Doch es gibt etwas Bewegung bei den Marktanteilen.

Der HelloSafe Safety Index 2026 zeigt ein klares Bild der globalen Sicherheitslage: Europa bleibt die stabilste Region für den Tourismus, angeführt von Island und der Schweiz. Deutschland und Österreich sichern sich Plätze in den Top 15.

Eine aktuelle Postbank-Umfrage zeigt, dass zwei Drittel der Deutschen 2026 verreisen wollen, obwohl gestiegene Lebenshaltungskosten viele zum Sparen zwingen. Die Finanzierung erfolgt dabei überwiegend aus Ersparnissen, während Bargeld das bevorzugte Zahlungsmittel bleibt.

Eine aktuelle Analyse der Google-Maps-Bewertungen zeigt, welche europäischen Städte bei Touristen besonders hoch im Kurs stehen. Während Dresden das deutsche Ranking anführt, dominieren osteuropäische Städte wie Plowdiw und Prag den internationalen Vergleich.

Ein Spaziergang auf der zugefrorenen Ostsee, ein von Eis umschlossener Leuchtturm: Die extreme Kälte hat in diesem Jahr für eine ganz besondere Küstenkulisse gesorgt. Zieht das auch mehr Gäste an?

Eine YouGov-Studie im Auftrag des BTW belegt eine stabile Reiselust der Deutschen für 2026. Während klassische Urlaubsformen wie Bade- und Städtereisen dominieren, zeigt sich bei jüngeren Zielgruppen ein wachsendes Interesse an der Kombination von Arbeit und Urlaub. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist das entscheidende Kriterium bei der Buchung.

Tui überrascht zum Winteranfang mit starken Zahlen – und denkt um. Der Reisekonzern will wieder stärker ins Geschäft mit günstigen Pauschalreisen einsteigen. Geplant ist eine neue Marke.

Über fünf Millionen Menschen haben im vergangenen Jahr Sehenswürdigkeiten der Bayerischen Schlösserverwaltung besucht. Neuschwanstein schauten sich zuletzt jedoch weniger Menschen an als noch vor einigen Jahren. Warum?

Auch zum 100-jährigen Bestehen drohen bei der Lufthansa Streiks. Für diesen Donnerstag sind zeitgleich Arbeitsniederlegungen der Piloten sowie des Kabinenpersonals angekündigt. Details zum Flugplan gibt es bislang noch nicht.

Die Deutsche Zentrale für Tourismus prognostiziert für das Jahr 2026 ein Wachstum von 3,2 Prozent bei den internationalen Übernachtungen. Trotz eines Rückgangs im Vorjahr durch wegfallende Sondereffekte zeigt sich die internationale Reiseindustrie optimistisch.